«Früher war alles besser.» Welche Projektleitenden kennen diese Aussage nicht. Unsicherheiten, Diskontinuitäten, Ängste, Widerstände treten bei Softwareeinführungen meistens auf. Solche Zustände sind aus der täglichen Arbeit eines Projektleiters nicht mehr wegzudenken.
Barrieren
Die Einführung von Software führt nicht grundsätzlich zu verbesserten Resultaten. Aus der Praxis ist eine Vielfalt von Einführungsproblemen bekannt, die mehrheitlich mit den menschlichen Aspekten der Organisationsveränderung verbunden sind. Für Mitarbeitende bedeutet die Einführung einer Software häufig eine grosse Veränderung, die Widerstand und damit eine höhere Fehlerquote verursacht. Tatsächlich sind die möglichen Folgen organisatorischer Veränderungen weitreichend.
Oliver Wolf, Projektleiter des SAP-Beratungshauses Asem Group AG, kennt solche Beispiele aus eigener Erfahrung. «Im Bereich rechtliches Inkasso bei einer Schweizerischen Finanzgesellschaft bestand Optimierungspotenzial bei der Durchführung und Abwicklung der Betreibungsprozesse. Neben einer Anpassung der Unternehmensrichtlinien und Vorgaben für die Betreibungs- und Verlustscheinverwaltung waren eine Anpassung der Organisation, Prozesse und verwendeten Hilfsmittel unumgänglich», sagt Wolf. Davon betroffen war die Abteilung für das rechtliche Inkasso und weitere Abteilungen mit Informationsbedarf, insbesondere aber Mitarbeiter der Geschäftsstellen mit direktem Kundenkontakt. Wolf erinnert sich: «Mit der Neubesetzung der Abteilungsleiterin wurde der Grundstein für die Umstrukturierung gelegt. Die gesamthafte Organisation des Bereiches und die Prozessabläufe wurden den heutigen Bedürfnissen angepasst. Bestimmte bereichsübergreifende Prozesse (Vorrechtliches Inkasso, Kundencenter und Geschäftsstellen) wurden parallel in Zusammenarbeit mit diesen Abteilungen angepasst. Unterstützend erfolgte die Einführung von Asem Inkasso, eine SAP- basierte Inkassolösung zur Abwicklung und Verwaltung der Betreibungen und Verlustscheine.»
Wie dieses Praxisbeispiel zeigt, gibt es aus der Perspektive der Mitarbeitenden und der Organisation verschiedene Bereiche, auf welche sich eine Software auswirkt. Vor allem sind dies die Arbeitsabläufe, die Inhalte der Arbeit, die Kompetenzen der involvierten Mitarbeitenden und deren Anzahl, die Standorte, um nur die wichtigsten zu nennen.
Veränderungen als Bedrohung
Die Ablösung von mehrheitlich manuellen Tätigkeiten durch den Einsatz von Software löst unterschiedliche Effekte aus. Für die Mitarbeitenden sind solche Effekte oftmals eine Bedrohung. Sie sind besorgt, wie ihre zukünftige Arbeit aussieht, ob ihre Fähigkeiten für die neuen Tätigkeiten ausreichen oder ob sie gar ihren Arbeitsplatz verlieren. Es ist möglich, dass Mitarbeitende nicht kooperieren oder sich widersetzen.
Was verändert sich für mich persönlich? Das sind drängende Fragen, die in diesem Zusammenhang immer wieder gestellt werden. Deshalb ist es bedeutend, bezogen auf Change Management, die entsprechenden Massnahmen festzulegen und umfassende Transparenz bezüglich des zukünftigen Zustandes zu schaffen. Aber genügt dies? Change Management bedeutet nicht nur, sich mit Massnahmen zu Veränderungen im Bereich Strategien, Strukturen, Systemen und Prozessen zu befassen, sondern die betroffenen Personen und ihre Befindlichkeiten und Verhalten zu berücksichtigen.
