Stöbert man durchs Internet, findet man eine Vielzahl unterschiedlicher Definitionen des Begriffs «Vision» in Zusammenhang mit Unternehmen. Worin sich die Gelehrten einig zu sein scheinen, ist die Tatsache, dass die Vision nicht gleich Mission oder Strategie ist. Sowohl die Vision als auch die Mission sind essenzielle Bestandteile einer schlagkräftigen Strategie. Die Vision beantwortet dabei die Frage nach der Unternehmensentwicklung oder kurz nach dem «Wohin». Die Mission zeigt hingegen die «Nutzenstiftung für die Kunden» oder kurz das «Was» auf.
Was eine Vision bewirkt
Es gibt ausführliche Studien, welche belegen, dass
- durch eine klare Vision die Erfolgschancen im Markt um ein Vielfaches erhöht werden und
- die heutigen Spitzenunternehmen, vom Weltmarktführer bis zum hoch erfolgreichen KMU, über eine Vision verfügen, obwohl auch sie sich in einem sich unglaublich schnell verändernden Umfeld bewegen.
Die Vision sorgt dafür, dass sämtliche Energien und Aktivitäten auf ein zentrales Ziel ausgerichtet werden; gilt für Unternehmen genauso wie für Privatpersonen. Die Zielerreichung wird allerdings kaum auf kürzestem Weg dorthin verlaufen.
Der Grund dafür liegt in den sich stetig verändernden Rahmenbedingungen. Wichtig ist, dass man an der Vision festhält und alles daransetzt, sie zu erreichen. Manchmal fällt es leicht, manchmal etwas schwerer, aber verloren hat erst, wer aufhört, es zu versuchen.
Dabei lohnt es sich auch, zwischendurch innezuhalten, um auf das bereits Erreichte zurückzublicken. Was wirklich erfüllt, ist nämlich nicht nur die Erfüllung des gesteckten Zieles, sondern jeder einzelne erzielte Fortschritt. Dabei ist es erstaunlich, wie schnell solche Fortschritte zu erzielen sind.
So wird sich eine Vision relativ schnell durch folgende Konsequenzen bemerkbar machen:
- Einkehr professioneller Ruhe im Unternehmen
- Erhöhte Identifikation bei den Mitarbeitern mit dem Unternehmen
- Verbesserte Orientierung der Mitarbeiter und somit Förderung der Selbstständigkeit und Eigeninitiative.
Warum es eine Vision braucht
Wer das Ziel nicht kennt, kann den Weg nicht finden (Christian Morgenstern). Und an dieser Stelle ist zu ergänzen: Wer die Vision nicht kennt, kann die Ziele nicht finden. Folgende sechs Gründe sollen aufzeigen, weshalb man eine Vision braucht, sei es privat oder im Unternehmen. Wer seine Vision kennt, kann sich Zwischenziele zu deren Erreichung setzen und somit jeden Tag daran arbeiten, seiner Wunschvorstellung einen Schritt näher zu kommen.
Der Buchtitel meines Lebens
Welchen Titel soll das Buch meines Lebens tragen? Oder anders formuliert; wie baue ich mir das Leben auf, das ich mir aus tiefstem Herzen wünsche? Dies ist die grosse Frage rund um die Vision. Wenn ich auf dem Totenbett liege und zurückschauen und dabei eine Überschrift für mein Leben vergeben müsste, welche wäre das? Wohl kaum jemand möchte sich Titel vergeben wie «Der gelangweilte Mitarbeitende», «Der Vater / die Mutter ohne Zeit», «Süchtig nach Handy, Social Media und Computer-Spielen» oder «Das ziellose Durchschnittsunternehmen». Dabei gibt es eine zentrale Sache zu beachten: Wir neigen fast ausnahmslos dazu, unsere Wünsche und Vorstellungen basierend auf den Erfahrungen der Vergangenheit zu definieren. Das heisst, wir gehen von einem gegebenen Umfeld, gegebenen Fähigkeiten und gegebenem Wissen aus und schränken uns dadurch schon von Beginn weg ein. Wer seine Vision entstehen lässt, sollte dies auf der grünen Wiese tun.
Die Ausgangslage lautet dabei wie folgt: «Wenn ich komplett frei, ohne jegliche Rücksicht auf die gegebenen Umstände, meine Vision definieren kann, wo sehe ich mich dann in fünf bis zehn Jahren?» Und erst wenn diese Frage einwandfrei und mit einem guten Bauchgefühl beantwortet werden kann sowie schriftlich festgehalten ist, geht man an die Umsetzung. Erst dann stellt man sich die Frage, wie komme ich vom heutigen Punkt A zum künftigen Punkt B.
Grosse Visionen und Ziele führen zu mehr Erfolg
Was wurden sie einst belächelt, die Grossen unserer Zeit: Elon Musk, Steve Jobs oder Bill Gates, um nur einige zu nennen. Diese Personen hatten alles andere als eine glückliche Ausgangslage. Keine von ihnen, die im Leben etwas erreicht haben, wurde einfach unter einem glücklichen Stern geboren.
Aber sie alle verfolgen Ziele, welche andere für unmöglich halten und stossen immer wieder auf Unverständnis oder werden öfters auch belächelt. Doch sie sind von ihrer Vision besessen und setzen alles daran, sie zu verwirklichen. Die meisten unter uns kapitulieren aufgrund der Umstände und des Druckes des Umfeldes und der Gesellschaft.
Die Vision als Motivationstreiber
Die Vision definiert, wo man hinmöchte, und sorgt dafür, dass die Motivation langfristig anhält. Die Vision stellt sicher, dass man mit vollem Herzen bei der Sache ist. Gerade in schlechten Zeiten ist diese Motivation extrem wichtig. Die meisten Projekte scheitern nicht, weil die Herausforderung zu gross ist, sondern weil die Leute viel zu früh aufgeben.
Dank Vision bessere und schnellere Entscheidungen treffen
Dank einer Vision gelingt es uns, Entscheidungen schneller und besser zu treffen. Bringt mich dieser Entscheid der Vision näher? Dient der Entscheid mir oder meinem Business? Ablenkung lässt sich dadurch bestmöglich vermeiden. Geschäftliche Verlockungen, welche nicht zweckdienlich sind, werden einfacher entlarvt und blockiert. Die Aufmerksamkeit richtet sich auf ein Ziel und die Energie folgt bekanntlich immer der Aufmerksamkeit.
Wer keine Vision hat, wird Teil der Vision eines anderen
Hier sind all jene angesprochen, die in einem Angestelltenverhältnis leben. Angestellt sein ist völlig okay, solange man auch dabei die Möglichkeit hat, seiner eigenen Vision näher zu kommen und bestmöglich seiner Passion zu folgen. Wenn Sie Ihrer Vision folgen, werden Sie über kurz oder lang auf Leute treffen, die Sie auf dem Weg unterstützen. Menschen folgen Ihnen und Sie werden selbst zu einer inspirierenden Persönlichkeit. Dies muss nicht nur auf den beruflichen Kontext bezogen sein.
Die Vision führt zur persönlichen Weiterentwicklung
Durch eine Vision entwickeln Sie Fähigkeiten, welche Sie Ihrer Vision Schritt für Schritt näher bringen. Man wächst sozusagen während der Realisierungsphase, sowohl menschlich als auch fachlich. Sie werden dadurch schlicht zu einem besseren Menschen und müssen sich niemals den Vorwurf machen, Sie hätten Ihr volles Potenzial nur bedingt oder gar nicht ausgeschöpft.
Der Weg zur Vision
Wer davon ausgeht, dass sich eine Vision in einer Fünf-Minuten-Aktion auf Papier bringen lässt, liegt leider weit daneben. Die Erarbeitung einer Vision ist ein Prozess, vergleichbar mit einem Trichter, der mit einer Analyse des gesamten Umfeldes des Unternehmens beginnt, Markt, Trends, Mitbewerber, Kunden, Lieferanten et cetera, und sich dann über verschiedene Instrumente zu einer Art Konzentrat verdichtet.
Als Ergebnis wird diejenige Zielsituation resultieren, die dem Unternehmen unter Berücksichtigung sämtlicher Einflussfaktoren die grösstmögliche Zukunftschan-ce bietet. Aus der Zielsituation lässt sich dann die Vision ableiten. Je klarer, umso besser. Dabei darf sie ruhig ambitiös formuliert sein. Mit den richtigen Massnahmen in genügender Anzahl wird man sie erreichen.