Obwohl gerade kleinere Unternehmen dank ihrer schlanken Strukturen flexibel und erfolgreich auf die zyklischen Stürme in der Wirtschaft reagieren könnten, ist oft das Gegenteil der Fall. Wer sich keine finanzielle Fettschicht angefuttert hat, für den sieht es in Dürrezeiten mager aus. Die schnellen Marktgesetze zwingen die Unternehmen oft, jeden verdienten Heller sofort wieder zu reinvestieren, um nicht den Anschluss zu verlieren. Dann gilt: Wo die Grossen eine Krise mit geringer Schlagseite überstehen, gehen die Kleinen baden. Wenn es zur Krise kommt, zeigt sich, wie eingespielt das Team auf dem sturmumtosten Segelschiff ist. Jedes Kommando muss passen, jeder Handgriff muss sitzen. Die Mannschaft wurde befähigt, an einem Strang zu ziehen und wie ein Mann gegen den Sturm anzukämpfen. Eine der wichtigsten Stellschrauben, die dann greifen, ist die vorangegangene Entwicklung von Menschen. Führungskräfte jeglicher Ebenen müssen dann verinnerlicht haben, dass sie sich nicht in nervtötenden Details verrennen dürfen. Vielmehr müssen sie dafür sorgen, dass die Mitarbeiter in ihrem Team wachsen und dass sie die jeweils nächsten notwendigen Schritte zu 100 Prozent im Fokus haben.
Vorboten des Untergangs
Wenn es hart auf hart kommt, rächt sich der Führungsschlendrian von gestern. Nur Unternehmen, die bei Bedarf auf konzentrierte Straffheit umstellen können, dürfen sich sicher sein, dass die Signale von oben schnell und ergebnisorientiert in Aktionen verwandelt werden. Unternehmen mit zu hohem Kuschelfaktor, die ihren Angehörigen zwar viel Komfort bieten, aber auf ein fruchtbares Entwicklungsklima verzichten, bekommen Krisen als Erste und am härtesten zu spüren. Oder kürzer: Wenn ein Leck im Rumpf ist, sollte man nicht über den nächsten Farbanstrich der Masten diskutieren.Die Ursache für solche Defekte ist dann die Führungskraft selbst, wenn sie keine innere Klarheit hat. Sie will zur Verantwortung befähigen, aber trotzdem beliebt sein. Entwicklung ist manchmal anstrengend, sowohl für den Entwickler als auch für die Entwickelten. Aber wer als Gutmenschen-Chef unter solch einem inneren Antriebskonflikt leidet, tut sich schwer, andere auf einen steinigen Weg zu schicken. Er projiziert seine eigenen Widerstände auf die Mitarbeiter und möchte eher aus den falschen Gründen geliebt als aus den richtigen geachtet werden.
Doch temporäre Unbeliebtheit lohnt. Die entwickelten Fähigkeiten eines Mitarbeiters sind wie ein gut funktionierender, kräftiger Muskel, und die Führungskraft ist der Fitness-Trainer. Der Schleifer, der den Sportler fordert, ist so lange unbeliebt, bis sich die Erfolge einstellen. Und später ist es immer die Konsequenz des Trainers, die man in dankbarer Erinnerung behält.