Ein Schweizer Mitarbeitender fehlt im Jahr durchschnittlich 14 Arbeitstage an seinem Arbeitsplatz. Das kostet die Schweizer Wirtschaft satte 16 Milliarden Franken pro Jahr. Zudem belasten solche Absenzen die anwesenden Kollegen und Vorgesetzten. Müssen sie doch die entstandenen Lücken kompensieren. Und schliesslich können die Fehlzeiten die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens negativ beeinflussen. Aber Fehlzeiten sind nicht nur Kosten- und Störfaktor. Sie können auch ein Signal dafür sein, dass in einem Unternehmen etwas nicht stimmt. Etwa das Verhalten der Vorgesetzten, die Gestaltung des Arbeitsplatzes, die Absenzenkultur, Stress oder anderes. Es lohnt sich also für ein Unternehmen, den Fehlzeiten auf den Grund zu gehen und entsprechende Massnahmen zu treffen. Am Beispiel einer Privatklinik hat sich Priska Muggli in ihrer Masterarbeit, verfasst am Management-Weiterbildungszentrum der FHS St.Gallen (Fachhochschule), intensiv mit diesem Thema beschäftigt.
Verschiedene Ursachen
Eine gewisse krankheitsbedingte Fehlzeitenquote ist für Unternehmen unvermeidbar und auch verkraftbar. Überschreiten die Fehlzeitenquoten jedoch die akzeptable Grenze, braucht es sinnvolle Gegenmassnahmen. Zuerst stellt sich jedoch die Frage, wann eine Fehlzeitenquote zu hoch ist. Eine Antwort darauf kann der Vergleich mit ähnlichen Betrieben oder Branchen liefern. Besteht eine deutliche Abweichung, so ist dies ein Anzeichen für zu hohe Fehlzeiten. Damit man die Fehlzeiten in den Griff kriegt, muss man sich zuerst einmal mit den Ursachen beschäftigen: Welche Faktoren beeinflussen die Mitarbeitenden, sich krankheits- oder motivationsbedingt von der Arbeit fernzuhalten? «In der Fachliteratur besteht Einigkeit darüber, dass die Abwesenheit vom Arbeitsplatz von einem komplexen Ursachenbündel abhängt», erklärt Theres Zeier, Studienleiterin des MAS in Health Service Management am Management-Weiterbildungszentrum der FHS St.Gallen. In der nachstehenden Grafik sind die verschiedenen Einflussfaktoren übersichtlich dargestellt. Es handelt sich dabei um externe Einflüsse, die private Situation der Mitarbeitenden, soziale Faktoren im Betrieb, die Arbeitsumwelt, persönliche Einflussfaktoren und Merkmale der Organisation. Eine ganze Menge an Einflussfaktoren also. Besonders interessant für Unternehmen sind Faktoren, die das Management selbst beeinflussen kann.
Anonymität fördert Fehlzeit
Wenn es um Fehlzeiten geht, haben KMU gegenüber Grossunternehmen schon mal einen Vorteil: Je kleiner die Anzahl der Angestellten, desto geringer die relative Fehlzeitenquote. Zu diesem Schluss kommen zumindest verschiedene Untersuchungen. Dies hängt zu einem grossen Teil mit der Anonymität zusammen, die bei Grossunternehmen höher ist und somit die Hemmschwelle für Fehlzeiten senkt. Zudem entwickelt sich in kleineren Teams meist ein ausgeprägteres Solidaritäts- und Zusammengehörigkeitsgefühl. Von anderen Einflussfaktoren sind KMU jedoch genauso betroffen wie Grossunternehmen. Zum einen sind dies Faktoren, die sich kaum oder gar nicht beeinflussen lassen. Etwa wirtschaftliche Entwicklungen, die sich auf die Arbeitsmotivation und die Arbeitsplatzsicherheit auswirken. Oder persönliche Faktoren wie Geschlecht, Alter, Persönlichkeitsstruktur, allgemeiner Gesundheitszustand sowie die private Situation (Familie, wirtschaftliche Verhältnisse), die ebenfalls die Fehlzeitenquote beeinflussen können. Solche Faktoren sind für Unternehmen weniger oder gar nicht beeinflussbar. Trotzdem ist es wichtig, sich dieser Ursachen bewusst zu sein und sie zu berücksichtigen.
