Herr Ngoy, Sie haben nach einer beeindruckenden Sportkarriere eine berufliche Kehrtwende vollzogen. Wie verlief dieser Übergang?
Ich habe mich gut vorbereitet, auch wenn ich zu Beginn keine sehr klare Vorstellung davon hatte, was ich nach der Karriere machen wollte. Ich begann mit einer Weiterbildung – dem eidgenössischen Fachausweis als Technischer Kaufmann – mit dem Ziel, einen anerkannten Abschluss zu erlangen und besser einschätzen zu können, welche Bereiche mich interessieren könnten. In dieser Zeit entstand die Idee, ein Fernlernzentrum aufzubauen. So habe ich die NCAcademy gegründet – noch während meiner aktiven Zeit als Profihockeyspieler. Ich wollte den Übergang bewusst vorbereiten und mir die Zeit nehmen, das Unternehmen nachhaltig aufzubauen.
Was hat Ihnen der Spitzensport für Ihre heutige Tätigkeit mitgegeben?
Der Spitzensport hat mir grundlegende Werte vermittelt, die mir heute täglich zugute-kommen: Disziplin natürlich, aber auch der unbedingte Wille, stets das Beste zu geben – auch in schwierigen Momenten. Ich habe gelernt, mir klare Ziele zu setzen, mit Druck umzugehen, Rückschläge zu verkraften und trotzdem dranzubleiben. Ebenso wichtig sind das Engagement, Genauigkeit und Teamarbeit – zentrale Eigenschaften, wenn man Projekte leitet oder andere Menschen in ihrer Entwicklung begleitet. Diese menschlichen und mentalen Kompetenzen sind für mich die natürliche Verbindung zwischen Spitzensport und Unternehmertum.
Sie arbeiten auch mit Lernenden und jungen Menschen in Ausbildung. Welche Parallelen sehen Sie zwischen der Talentförderung im Sport und der beruflichen Weiterbildung, etwa mit dem TK-Abschluss?
Es gibt sehr viele Parallelen. In beiden Fällen ist es ein fordernder Prozess, der Disziplin, Ausdauer und vor allem ein hohes Mass an Selbstführung verlangt. Ob ein junger Spieler die Elite anstrebt oder ein Erwachsener einen Fachausweis wie den TK erwirbt – der Weg ist vergleichbar: Man startet mit einem vagen Wunsch, arbeitet sich Schritt für Schritt voran, entwickelt Kompetenzen, reflektiert sich selbst und lernt, die eigenen Kräfte über längere Zeit gut zu steuern. Als ehemaliger Sportler bin ich überzeugt: Talent allein reicht nicht. Entscheidend ist die Fähigkeit, an sich zu arbeiten, motiviert zu bleiben, dranzubleiben und gerade in schwierigen Phasen weiterzumachen. Ob auf dem Eis oder in einem virtuellen Klassenraum – am Ende zählt derselbe innere Antrieb: der Wille, jeden Tag ein Stück besser zu werden.
Was bedeutet für Sie heute berufliche Weiterentwicklung – gerade auch für erfahrene Personen?
Für mich beginnt die eigentliche berufliche Entwicklung erst nach der Sportkarriere. Als Eishockeyspieler lebt man seine Leidenschaft – man macht jahrelang das, was man liebt, ohne je das Gefühl zu haben, zu «arbeiten». Und dann – meist um die 30 – ist plötzlich Schluss, und es bleiben oft noch 30 oder 35 Berufsjahre. Genau hier liegt die grosse Herausforderung: einen neuen Weg zu finden, der ebenso erfüllend ist wie das Leben auf dem Eis. Deshalb habe ich die NCAcademy gegründet – um Sportlern und allen Menschen in Umbruchphasen eine konkrete Perspektive zu bieten, sich weiterzubilden, neue Kompetenzen zu entdecken und ihre Zukunft bewusst zu gestalten. Berufliche Weiterentwicklung ist nicht nur ein Diplom – es ist Persönlichkeitsarbeit, Identitätsarbeit und eine Investition in ein sinnerfülltes Leben. Für erfahrene Berufsleute ist es zudem eine Chance, ihre Erfahrungen zu reflektieren und sich gleichzeitig für Neues zu öffnen.
Gibt es Parallelen zwischen einem gut geführten Hockeyteam und einem gut geführten KMU?
Auf jeden Fall – die Parallelen sind zahlreich. In beiden Fällen ist Teamgeist entscheidend: Man muss sich aufeinander verlassen können, Erfolge und Herausforderungen teilen und gemeinsam in eine Richtung gehen. Das funktioniert nur, wenn es gemeinsame Werte, eine klare Vision und präzise Ziele gibt. Ein Team ohne Ziel – ob auf dem Eis oder im Betrieb – dreht sich im Kreis. Jede Person hat zudem eine klar definierte Rolle. Im Hockey verlangt man vom Verteidiger nicht, dass er wie ein Stürmer spielt – genauso braucht es in einem KMU klare Aufgabenverteilungen. Wenn jeder seine Aufgabe kennt und weiss, wie er zum grossen Ganzen beiträgt, funktioniert das Zusammenspiel reibungslos. Und nicht zuletzt: Es braucht Zugehörigkeit. Jeder soll sich gebraucht, anerkannt und stolz fühlen, Teil des Teams zu sein. Das ist der Kitt, der alles zusammenhält – unabhängig vom Kontext.
Die TK-Ausbildung kombiniert praktische Fähigkeiten mit betriebswirtschaftlichem Know-how. Wie sehen Sie diese Verbindung?
Ich finde die Ausbildung besonders wertvoll, weil sie die Realität der Arbeitswelt sehr gut abbildet. Heute – besonders in KMU oder im technischen Umfeld – reicht es nicht mehr, nur das eine oder das andere zu können. Es braucht beides. Gerade diese Kombination ist die Stärke des Fachausweises: Man lernt, sein Umfeld besser zu verstehen, den eigenen Arbeitsalltag zu strukturieren, Verantwortung zu übernehmen – und gleichzeitig bleibt man praxisnah. Man kann ein Team führen, Projekte managen, Budgets verantworten – und kennt dennoch die operativen Herausforderungen. Es ist eine 360°-Perspektive, die optimal auf Führungsaufgaben vorbereitet. Und genau diesen ganzheitlichen Blick möchten wir auch unseren Teilnehmenden bei der NCAcademy vermitteln.
Welche Rolle spielt Selbstführung in Ihrer Begleitung von Berufsleuten?
Selbstführung steht im Zentrum meiner Arbeit. Ob im Sport oder im Beruf – man kann sich nicht immer auf andere verlassen, um motiviert zu bleiben oder den Fokus zu behalten. Irgendwann muss man selbst Verantwortung übernehmen, Initiative zeigen und weitergehen – auch wenn es schwerfällt. Diese Fähigkeit, sich selbst zu steuern, Prioritäten zu setzen, den eigenen Werten treu zu bleiben – das macht den Unterschied. Bei der NCAcademy legen wir grossen Wert darauf: Wir fördern Eigenverantwortung, fördern Entscheidungskompetenz, reflektiertes Handeln und Organisationstalent. Damit bereiten wir Berufsleute auf selbstständigere Rollen vor – mit mehr Verantwortung, mehr Gestaltungsspielraum. Selbstführung ist für mich die Grundlage jeder erfolgreichen Entwicklung – in der Weiterbildung, in der Teamführung, aber auch im persönlichen Leben.
Welchen Rat geben Sie jungen Menschen in Ausbildung, die noch unsicher über ihre Zukunft sind?
Mein Rat an junge Menschen: Es ist völlig in Ordnung, noch keine klare Vision von der Zukunft zu haben. Wichtig ist, neugierig zu bleiben, sich einzubringen, Neues auszuprobieren – und keine Angst vor Fehlern zu haben. Man meint oft, man müsse schon genau wissen, was man «im Leben machen will». Aber der Weg entsteht im Gehen – durch Erfahrungen, Reflexion und Selbsterkenntnis. Ich würde ihnen auch sagen: Wählt einen Weg, auf dem ihr wachsen könnt. Eine Ausbildung ist kein Endpunkt – sie ist ein Sprungbrett. Jeder Schritt, auch Zweifel oder Kurswechsel, gehören zum Prozess. Vertraut auf euer Potenzial, gebt euch die Chance, Dinge zu versuchen – und unterschätzt nie, was möglich ist, wenn man ein wenig Disziplin, Motivation und ein unterstützendes Umfeld hat. Oft reicht ein erster Schritt, um Türen zu öffnen, die man sich nie vorgestellt hätte.
Und Sie selbst – welche persönlichen Pläne verfolgen Sie?
Zurzeit teile ich meine Zeit zwischen zwei Tätigkeiten, die mich sehr erfüllen: Zum einen arbeite ich im HR-Bereich des CHUV-Spitals, wo ich viel über menschliche und organisatorische Führung lerne. Zum anderen entwickle ich die NCAcademy weiter – unser Zentrum für Fernlernen. Ein aktuelles Herzensprojekt ist die Einführung der vollständig digitalen, eidgenössischen Maturität – ein echtes Angebot für mehr Zugänglichkeit und Flexibilität im Bildungswesen. Ich entdecke gerade auch das Berufsfeld Human Resources für mich – ein Bereich, in dem ich mich täglich weiterentwickle. Diese Doppelrolle gefällt mir sehr: Sie verbindet den Praxisbezug mit langfristigem Denken. Für die Zukunft wünsche ich mir, weiterhin lernen, weitergeben und Brücken schlagen zu können – zwischen Sport, Bildung und Arbeitswelt.

