Mensch & Arbeit

Interview mit TK Sandro Odermatt, Polygon Schweiz AG

TK Sandro Odermatt: vom Maurer zum Länderchef Schweiz eines Weltkonzerns

Vom Mikrounternehmen über das Kleinstunternehmen zum mittelgrossen KMU und schliesslich zum grossen KMU: Sandro Odermatt hat als gelernter Maurer eine Bilderbuchkarriere hingelegt. Die TK-Ausbildung erachtet der 42-Jährige als Fundament seiner Laufbahn.
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Sandro Odermatt, Sie sind Landesverantwortlicher der Polygon Schweiz AG, zu der fünf Unternehmen der Baubranche gehören. Ende 2024 wurden Sie ­international zum «Country President of the year» gewählt. Herzlichen Glückwunsch zu dieser Auszeichnung. Haben Sie noch Ziele?

Vielen Dank. Dieser Titel ist tatsächlich die Krönung meiner bisherigen Laufbahn. Aber selbstverständlich habe ich noch Ziele. Ich möchte das Grossunternehmen Polygon Schweiz vorantreiben, Mitarbeitenden eine Plattform geben, um sich zu entwickeln, und junge Talente fördern. Im Prinzip sehe ich mich heute als Fussballtrainer, der die Taktik überlegt, Ziele vorgibt, motiviert, die Mannschaft spielen lässt und von der Seitenlinie Impulse gibt.

Schildern Sie uns bitte kurz Ihren Werdegang?

Nach meiner Maurerlehre und der Offi­ziersschule trat ich 2005 als Büroallrounder in den Fensterbetrieb meines Onkels ein. Damals waren wir zu fünft und arbeiteten in einer Garage. Als ich 2011 mit der Geschäftsführung betraut wurde, waren wir schon zehn Mitarbeitende und zum gleichen Zeitpunkt übernahm ich 100 Prozent der Aktien. In den folgenden Jahren gliederten wir im Rahmen einer Nachfolgelösung einen Fensterproduzenten in die Odermatt-Gruppe ein und gründeten das Serviceunternehmen Fenster Doktor AG. Wir konnten den Umsatz innert zehn Jahren vervierfachen. 2022 verkaufte ich die Odermatt-Gruppe an die schwedische Firma Polygon, die weltweit in 18 Ländern tätig ist. Wir sind der europäische Branchenleader in der Schadensanierung. Zeitgleich wurde ich Country President der Polygon Schweiz AG. 

Vom Maurer zum Country President ­eines Weltkonzerns. Wie haben Sie das geschafft?

Die TK-Ausbildung war tatsächlich das tragende Fundament meines Werdegangs. Als Büroallrounder im Fensterbetrieb meines ­Onkels erkannte ich die vielen Schwachstel­len eines klassischen Handwerkbetriebs wie etwa die verspätete Auftragsverrechnung. Ich wollte mir das nötige Rüstzeug aneignen, um den Betrieb künftig zu führen. Deshalb beschloss ich, die TK-Ausbildung in Angriff zu nehmen. Bis heute ist der TK die einzige Weiterbildung, die ich je absolviert und 2007 abgeschlossen habe. Das TK-Rüstzeug hat mich immer begleitet – vom Mikrounternehmen in der Garage bis zum Grossunternehmen mit 5 Firmen, bald 50 Millionen Umsatz, 14 Standorten in allen Sprachregionen, 250 Mitarbeitenden und 15 000 abgeschlossenen Aufträgen pro Jahr in der Schweiz.

Welche spezifischen Fähigkeiten oder Kenntnisse aus der Generalisten-­ausbildung waren und sind für Sie besonders wertvoll?

Sehr geschätzt habe ich die anspruchsvolle und vertiefte Finanzausbildung. Denn letztlich sagen Zahlen immer die Wahrheit. Die TK-Ausbildung hat mich zudem gelehrt, vernetzt zu denken und die wirtschaftlichen Zusammenhänge zu verstehen. Diese Stärke ist für Führungskräfte sowohl in kleinen als auch in grossen Unternehmen erfolgsentscheidend. Eigentlich geht es immer auch darum, die Erwartungshaltung aller involvierten Stakeholder zu managen. Dank dem Grundlagenwissen aus allen betriebswirtschaftlichen Fachbereichen konnte und kann ich zudem überall mitreden und auf einer guten Basis entscheiden, wann ich welche Spezialisten beiziehen soll. Klar, die Anforderungen in einem Milliardenkonzern sind andere als in einem Mikrobetrieb, aber auch hier kann ich das TK-Wissen zusammen mit meiner Erfahrung auf einem ganz anderen Level regelmässig live umsetzen. 

Was hat sonst noch zu Ihrer Erfolgsstory beigetragen? 

Sicher spielen auch der eigene Charakter und der Umgang mit Menschen eine grosse Rolle. In Bezug auf die Führung habe ich schon in der Offiziersschule sehr viel gelernt und in der TK-Ausbildung dieses Wissen vertieft. Ich pflege einen kooperativen Führungsstil und finde es entscheidend, auch als Führungskraft am Boden und authentisch zu bleiben. Mir ist es wichtig, Dinge einfach zu halten, Menschen zu motivieren, Enthusiasmus und Optimismus zu versprühen. Auch möchte ich immer wieder den Puls der ausführenden Mitarbeitenden spüren. Sie arbeiten an der Basis und wissen, wo alles rundläuft und wo nicht. Allerdings bin ich aus der operativen Führung weitest­gehend raus. Hier muss ich mich ganz auf die Geschäftsführer der fünf Firmen ver­lassen können. Auf operativer Ebene werde ich vor allem dann beigezogen, wenn etwas nicht so rundläuft. Dank meiner Erfahrung habe ich heute ein gewisses Mass an Ge­lassenheit, aber auch die erforderliche Hartnäckigkeit, um bei Bedarf Entscheidungen zu fällen. 

Zurück zur TK-Ausbildung. Wie Sie ­haben alle TK-Absolventinnen und TK-Absolventen einen technisch-handwerklichen Beruf erlernt. Wo sehen Sie die Vorteile der Kombination aus praktischem Können und betriebswirtschaftlichem Wissen?

Ob in einer Kaderfunktion in einem pro­duzierenden Unternehmen oder im eigenen Handwerksbetrieb: Berufsleute kennen das Handwerk und die Sprache der Fachleute in der Produktion. Mit der TK-Ausbildung können sie das Handwerk mit dem betriebswirtschaftlichen Wissen verknüpfen. Diese Kombination bringt nur Vorteile. Angesichts der demografischen Entwicklung ist zudem klar, dass künftig die technisch-handwerklichen Fachleute noch mehr fehlen werden als heute schon. Handwerk hat goldenen Boden. Und Handwerkern bietet der TK die ideale Grundlage, um sich selbstständig zu machen. 

anavant bildet die Trägerschaft der TK-Prüfung und bietet als Alumni-Vereinigung seinen Mitgliedern verschiedene Vorteile an. Dazu zählen Netzwerkanlässe, Rabatte auf Angebote und Veranstaltungen und nicht zuletzt wichtige Brancheninformationen im KMU-Magazin. Wie wichtig sind solche Aktivitäten eines Berufsverbandes?

anavant ist für uns TK sehr wichtig, um den Wert und den hohen Ausbildungsgrad dieser beliebten Generalistenausbildung in der Wirtschaft bekannt zu machen – wegen der zunehmenden Internationalisierung auch weltweit. Die Netzwerkanlässe bringen Wissensgewinn und Networking zugleich. Der Austausch unter Gleichgesinnten ist sehr ­inspirierend und bereichernd. Ein gutes Netzwerk lohnt sich meiner Erfahrung nach auch, um zum Beispiel von einem TK-Kol­legen oder einer TK-Kollegin aus einer anderen handwerklich-technischen Branche unkomplizierten Rat auf Augenhöhe zu bekommen. Letztlich sind wir TK alles gelernte Handwerker mit betriebswirtschaftlicher Ausbildung und wir sprechen alle die gleiche Sprache.