Mensch & Arbeit

Weiterbildung in der Schweiz

So planen, fördern und finanzieren Sie Weiterbildung

Berufliche Weiterbildung stärkt die Kompetenzen der Mitarbeitenden und die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen. Die Kosten können jedoch beträchtlich sein. Bund, Kantone, Arbeitgeber, Branchenfonds und Stiftungen bieten verschiedene Formen der Unterstützung. Ein Überblick über die wichtigsten Förder- und Finanzierungsmöglichkeiten in der Schweiz.
PDF Kaufen

Für Weiterbildungen in der Schweiz muss man etliche tausend Franken investieren. Man hat aber auch eine grosse Auswahl von Unterstützungsmöglichkeiten. Auch für Unternehmen, die auf Weiterbildung ihrer Angestellten Wert legen, gibt es Angebote.

Bevor man sich für eine Weiterbildung entscheidet, ist zu überprüfen, ob diese auch anerkannt wird und seriös ist. Besonders erwünscht von Arbeitgebern sind eidgenössische Abschlüsse wie Fachausweise und Diplome sowie Weiterbildungen an Fachhochschulen wie CAS, DAS oder MAS. Sie bieten ein fundiertes Fachwissen. 

Laut der Webseite kostenverstehen.ch kosten die wichtigen Weiterbildungen einige tausend Franken: 

  • CAS (Certificate of Advanced Studies): CHF 3000 – 8000. 
  • DAS (Diploma of Advanced Studies): CHF 8000 – 18 000. 
  • MAS/MBA: CHF 20 000 – 60 000. 
  • Berufsbegleitende Kurse (HF, Berufsschule): CHF 2000 – 12 000. 
  • Online-Kurse und Zertifikate: CHF 200 – 2000. 

Viele Arbeitgeber unterstützen ihre Mitarbeitenden aktiv bei solchen Weiterbildungen, weil sie direkt vom neuen Know-how profitieren.  Lesen Sie dazu auch den Artikel über Weiterbildung und Arbeitsrecht in dieser Ausgabe. 

Unterstützung für KMU 

Der nationale Dachverband für die Weiterbildung SVEB engagiert sich seit 1951 für die Interessen der Weiterbildung in der Schweiz und hat rund 750 Mitglieder. Dazu zählen private und staatliche Anbieter, Verbände, innerbetriebliche Weiterbildungsabteilungen sowie Einzelpersonen. 

Erhebungen und Forschungsarbeiten stellen einen Zusammenhang her zwischen der Grösse der Betriebe und der Intensität betrieblicher Weiterbildung. Die vom Bundesamt für Statistik (BFS) im Rahmen der Erhebung «Aus- und Weiterbildung in Unternehmen» erfassten Zahlen zeigen, dass kleinere Unternehmen im Schnitt weniger Weiterbildungsaktivitäten umsetzen als grössere. Während Grossunternehmen oft über eigene Abteilungen für die Weiterbildung ihrer Mitarbeitenden verfügen, stellen sich für KMU andere Herausforderungen. 

Der SVEB macht mit Studien das Thema Weiterbildung für KMU zugänglich. Dazu erarbeitet er Grundlagen, Ansätze und Strategien zur Weiterbildung in KMU und vernetzt die Weiterbildungsszene und die KMU. Dazu hat er zusammen mit dem Schweizerischen Gewerbeverband (SGV) als Partner eine Arbeitsgruppe gegründet, die sich regelmässig austauscht und Projekte im Bereich «Weiterbildung und KMU» lanciert und bearbeitet. Ausserdem führt der SVEB regelmässig Veranstaltungen zu aktuellen Weiterbildungsthemen durch, die allen Interessierten offenstehen. Sie dienen Fachleuten aus der Weiterbildung als wichtige Plattform für Austausch und Diskussion. 

Mit Bildungsgutscheinen können Unternehmen, Verbände und staatliche Organisationen eine bestimmte Personengruppe gezielt finanziell bei ihrer Weiterbildung unterstützen. Es handelt sich um ein nachfrageorientiertes Finanzierungsinstrument. Das heisst, die Teilnehmer entscheiden – im Rahmen des definierten Angebotes – selbst, welche Weiterbildungen sie besuchen möchten. 

Gutscheinprojekte sind flexibel gestaltbar und können den verschiedenen Zielen und Vorgaben der Auftraggeber angepasst werden. Zusammen mit einer zielgruppengerechten Ansprache setzen die Gutscheine aktivierende Impulse und bauen Teilnahmebarrieren ab. Der SVEB hat Materialien erarbeitet, die bei der Planung und Umsetzung helfen. 

    In Grundskills investieren 

    Für Personen, die Mühe beim Lesen, Schreiben, Rechnen oder im Umgang mit digitalen Technologien haben, können alltägliche Arbeitssituationen zur Herausforderung werden. Anleitungen einer neuen Maschine zu verstehen, Rapporte zu lesen und zu schreiben, einfache Rabatte auszurechnen oder den Computer zu bedienen, ist für sie keine Selbstverständlichkeit. Um Mitarbeitende mit solchen Schwächen gezielt zu fördern, wurde das Projekt GO entwickelt. Dieses richtet sich an Weiterbildungsanbieter, die Angebote umsetzen wollen, sowie Betriebe, die ihre gering qualifizierten Mitarbeitenden fördern möchten. Das Projekt wird seit 2009 durchgeführt und funktioniert für alle Betriebsgrössen. Die Erfahrung zeigt, dass viele Unternehmer bereit sind, mit dem GO-Modell in die Förderung der Grundkompetenzen ihrer Mitarbeitenden zu investieren. 

    Praxisorientierte und auf den Arbeitsplatz zugeschnittene Kurse bringen die Mitarbeitenden und den Betrieb gleichermassen weiter. Deshalb fördern Bund, Kantone und Organisationen der Arbeitswelt unter dem Label «Einfach besser! … am Arbeitsplatz» gemeinsam die Grundkompetenzen. Dazu gehören für Betriebe praxisorientierte Kurse, die von Bund und Kantonen finanziell unterstützt werden. 

    Damit bleiben Mitarbeitende für heutige und zukünftige Herausforderungen am Arbeitsplatz fit. Diese Ausbildungen sichern die Arbeitsqualität, verbessern Abläufe und Kommunikation und verringern die Absenzen. Das ermöglicht eine gute Zusammenarbeit und entlastet die Vorgesetzten. 

    Beratung erhält man bei diesen Stellen: 

    • Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) 
    • SVEB Schweizerischer Verband für Weiterbildung 
    • Schweizer Dachverband Lesen und Schreiben 

    Unterstützung fürs Studium

    Die Hochschulen werden aus verschiedenen Quellen von Bund, Kantonen und Privaten finanziert. Die ETH wird vom Bund getragen und über Pauschalbeiträge finanziert. Wie die Finanzierung der kantonalen Universitäten wird auch die Grundfinanzierung der Fach- und der pädagogischen Hochschulen von den Trägerkantonen sichergestellt. Dazu kommen die interkantonalen Hochschulbeiträge sowie bei den Fachhochschulen und den Universitäten die Grundbeiträge des Bundes. 

    Für die Finanzierung des Studiums gibt es folgende Möglichkeiten: 

    • Unter bestimmten Voraussetzungen, etwa bei geringem Einkommen bzw. Vermögen der Eltern, haben Studierende Anrecht auf staatliche Stipendien. Dies sind einmalige oder wiederkehrende Bildungsbeiträge ohne Rückzahlungsverpflichtung. In einigen Kantonen werden die Empfänger jedoch darauf hingewiesen, dass von ihnen eine vollständige oder teilweise Rückerstattung erwartet wird, wenn sie später in guten finanziellen Verhältnissen leben. 
    • Darlehen werden – im Unterschied zu Stipendien – meist verzinst und müssen später zurückbezahlt werden. 
    • Für eidgenössische Berufsprüfungen und Höhere Fachprüfungen erstattet der Bund bis zu 50 Prozent der Kurskosten direkt an die Studierenden zurück, ausgelöst durch den Antritt zur Prüfung und unabhängig vom Ergebnis.
    • Bei Höheren Fachschulen (HF) bekommt man keine persönliche Rückerstattung, dafür sind die Schulgebühren über Kantonsbeiträge bereits reduziert – ein Antrag ist nicht nötig. 
    • Diverse private Stiftungen/Fonds sind auf individuelle Ausbildungsbeiträge fokussiert. Die kantonalen Berufs- und Studienberatungsstellen verfügen über Listen mit den Adressen. Eine Liste mit privaten Stiftungen für Studienbeiträge stellt die Eidgenössische Stiftungsaufsicht ESA zur Verfügung, 
    • Einige Hochschulen gewähren bei Bedarf beschränkte finanzielle Beihilfe oder Studiengeldreduktion.
    • Studentische Darlehenskassen: An einzelnen Hochschulen gibt es im Rahmen der studentischen Selbsthilfe spezielle Fonds. 
    • Diverse Institutionen vergeben Mobilitätsstipendien für einen vorübergehenden Studienaufenthalt an einer Gasthochschule in der Schweiz oder im Ausland. Informationen sind bei den Mobilitätsstellen der Hochschulen erhältlich. 
    • Manche Wohn- oder Heimatsortsgemeinden haben ein Budget für Lehrmittelbeiträge oder weitere Bildungsbeiträge.
    • Weitere Informationen sind bei den kantonalen Stipendienstellen sowie den Studien- und Berufsberatungsstellen erhältlich: Berufs-, Studien- und Laufbahnberatung. 

    Weitere Möglichkeiten

    Die Stiftung Bildungsförderung EducaSwiss ist eine Schweizerische Stiftung für Bildungsförderung und -finanzierung, die motivierte Menschen bei der Umsetzung ihres Bildungsvorhabens durch kostenlose Begleitung bei der Planung, bei der Budgetierung und durch Vermittlung von zinsgünstigen Bildungsdarlehen unterstützt. 

    Neben diesen Stellen bieten auch Banken Darlehen für Weiterbildungsinteressierte zu speziellen Konditionen. Dabei ist zu berücksichtigen, dass die Zinsen einen hohen Betrag ausmachen können, wenn die Rückzahlung einige Jahre dauert. 

    Personen, die temporär arbeiten und dem Gesamtarbeitsvertrag Personalverleih unterstehen, können vom Weiterbildungsfonds temptraining.ch Zuschüsse an Weiterbildungskosten und bei Erwerbsaus­fällen erhalten. Seit dem 1. Juli 2026 gilt ein neuer Stundenansatz: Wer in den vergangenen 12 Monaten 88 Stunden temporär gearbeitet hat, hat das Anrecht auf Weiterbildungsbeiträge in Höhe von CHF 440. Für jede weitere Einsatzstunde kommt ein Guthaben von CHF 5 hinzu. 

    Insgesamt hat man innerhalb von 12 Monaten Anrecht auf bis zu CHF 5000. Gesuche können für Weiterbildungen gestellt werden, die in den vergangenen 12 Monaten begonnen haben oder innerhalb der nächsten 12 Monaten starten. 

    In der Broschüre «So finanzierst du deine Ausbildung richtig» findet man weitere Tipps für die Auswahl und die Finanzierung von Ausbildungen sowie Informationen über die Rentabilität. 

    Steuern und Weiterbildung

    In der Schweiz lassen sich viele Weiterbildungen steuerlich absetzen. Abzugsfähig sind alle Weiterbildungen, die direkt mit einem aktuellen oder zukünftigen Beruf zu tun haben und berufliche Fähigkeiten verbessern. Dazu gehören Kursgebühren, Prüfungsgebühren, Fachliteratur sowie teilweise Reise- und Verpflegungskosten. 

    Wie hoch der Abzug ist, hängt vom Kanton ab – es lohnt sich also, die kantonalen Regeln zu prüfen oder eine Steuerberatung zu kontaktieren. Berufsorientierte Weiterbildungskosten kann man bis zu CHF 13 000 pro Jahr von der direkten Bundessteuer abziehen. Nicht abziehbar sind hingegen Ausbildungen, die zu einem komplett neuen Erstberuf führen.

    Porträt