Mitarbeiter A, angestellt als Instruktor, erleidet einen Skiunfall; es wird ihm ein künstliches Kniegelenk eingesetzt. Die bisherige Tätigkeit kann er nicht weiterführen; das Unternehmen «Sporty» möchte ihn aber nicht verlieren, da er schon seit Jahren hier tätig ist. Deshalb bietet ihm «Sporty» eine Tätigkeit als IT-Supporter an. Seit fünf Jahren führt Herr A jetzt die Tätigkeit als IT-Supporter aus, ohne eine entsprechende Ausbildung – entsprechend gibt es immer mehr Reklamationen und auch Herr A fühlt sich nicht wohl und ist einem Burnout nahe.
Eine Begriffserklärung
Was jetzt? Kann Case Management helfen? Case Management ist zwar in aller Munde. Dennoch ist nicht so ganz klar, was Case Management tatsächlich ist, insbesondere, da der Begriff uneinheitlich angewendet wird. Die Definition von Case Management lautet: «Case Management ist ein spezifisches Verfahren zur koordinierten Bearbeitung komplexer Fragestellungen im Sozial-, Gesundheits- und Versicherungsbereich. In einem systematisch geführten, kooperativen Prozess wird eine auf den individuellen Bedarf abgestimmte Dienstleistung erbracht bzw. unterstützt, um gemeinsam vereinbarte Ziele und Wirkungen mit hoher Qualität effizient zu erreichen. Case Management stellt einen Versorgungszusammenhang über professionelle und institutionelle Grenzen hinweg her. Es respektiert die Autonomie der Klientinnen und Klienten, nutzt und schont die Ressourcen im Klient- sowie im Unterstützungssystem.» (Quelle: Netzwerk CM Schweiz)
Eine Anfrage beim Krankentaggeldversicherer von Sporty zeigt: Herr A erhält kein Krankentaggeld, da er nicht krank geschrieben ist. Also kein Fall für das Case Management des Krankenversicherers. Deshalb gelangt Sporty an einen unabhängigen Anbieter von CM. Dieser sieht ein Case Management in diesem Fall als angebracht.
Denn: Case Management ist eine Koordinationstätigkeit zum Nutzen aller Beteiligten. Dabei ist der Case Manager ein «Bindeglied zwischen Klient/Patient, dessen Umfeld und dem professionellen System sowie den Kostenträgern und dem Gemeinwesen in einem hochgradig arbeitsteiligen und komplexen Gesundheits-, Sozial- und Versicherungswesen. Der Klient/Patient sowie bei Bedarf das ihn umgebende Umfeld wird in die Entscheidungsprozesse als Kontraktpartner mit einbezogen (Partizipation). Case Management orientiert sich am Prinzip des Empowerment (Menschen stärken) und zeichnet sich aus durch eine ressourcenorientierte Haltung.» (Quelle: Netzwerk CM Schweiz)
Komplexes Problem
Im vorliegenden Fall geht es darum, dass die verschiedenen Interessen auf den Tisch gelegt werden. Die Situation ist sowohl für das Unternehmen Sporty, den Auftraggeber des Case Managements, als auch Herrn A, den Klienten, komplex: Unternehmen Sporty fühlt sich gegenüber seinem Mitarbeiter A verpflichtet. Man ist sich auch bewusst, dass man Herrn A eine Aufgabe gegeben hat, für die er nicht qualifiziert ist. Aber man wollte ihn nicht vor fünf Jahren entlassen, insbesondere da Herr A noch zwei Kinder in Ausbildung hatte. Inzwischen hat sich die Situation aber so geändert, dass man Herrn A eine Teilkündigung ausgesprochen hat – man wird ihn nur noch zu 50 Prozent anstellen, da er den Aufgaben nicht gewachsen ist. Insgeheim hofft man, dass Herr A von sich aus eine neue Stelle suchen wird.
Herr A weiss, dass er für die Aufgabe nicht qualifiziert ist; er hat denn auch in den vergangenen fünf Jahren keine Aus- oder Weiterbildung bezüglich IT besucht. Er spürt auch die allgemeine Unzufriedenheit, sucht aber die Schuldigen immer bei den anderen. Ausserdem ist ihm bewusst, dass er bei einer Neuanstellung wohl seinen bisherigen Lohn nicht halten kann. Inzwischen ist seine private
Beziehung auch noch in eine Krise gefallen, insbesondere da eines der Kinder Probleme bereitet. Deshalb fühlt er sich rundum überfordert; er hat denn auch bereits einen Psychotherapeuten aufgesucht.