Mensch & Arbeit

Mitarbeiterentwicklung

Profi-Coaching gegen Burn-outs

Stress am Arbeitsplatz hat markant zugenommen. In der Schweiz geraten Angestellte zunehmend an ihre Grenzen. Die Folgen: Immer mehr Mitarbeiter werden krank und fallen teilweise sogar längere Zeit aus. Ein vielversprechender Lösungsansatz ist das Profi-Coaching für Mitarbeiter.
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Die Nöte der Schweizer Arbeitnehmer haben sich in den letzten 20 Jahren radikal verändert. Arbeitsunfälle werden zwar immer seltener – drastisch zugenommen hat hingegen der Stress am Arbeitsplatz. Immer mehr Angestellte leiden unter starker nervlicher Anspannung oder beklagen gar stressbedingte Beschwerden. Das geht aus der Schweizerischen Gesundheitsbefragung des Bundesamts für Statistik hervor.

Anonyme Betreuung

Die Wirtschaftskrise und anspruchsvolle Marktverhältnisse haben die angespannte Situation am Arbeitsplatz verschärft. Ob Leistungsdruck, Streit mit dem Vorgesetzten oder Angst um den Arbeitsplatz: Chronische Sorgen machen krank. Immer mehr Mitarbeiter erleiden ein Burn-out. Sie werden durch die hohe psychische Belastung arbeitsunfähig – für Monate, manchmal für Jahre. Die Rechnung zahlt die Gesellschaft. Stress im Job verursacht hierzulande volkswirtschaftliche Kosten von jährlich vier Milliarden Franken – Tendenz steigend.

Sind wir dieser Entwicklung hilflos ausgeliefert? Keineswegs. So wie die Zahl der Arbeitsunfälle durch geeignete Massnahmen kontinuierlich eingedämmt wurde, so gibt es auch wirkungsvolle Lösungen, um den Folgen von Stress am Arbeitsplatz entgegenzuwirken: professionelle Coaching-Begleitung für Angestellte. Dabei begleiten geschulte und erfahrene Berater stressgeplagte Arbeitnehmer und unterstützen sie in schwierigen Situationen.

Grosse, international tätige Dienstleistungsunternehmen wie Zurich bieten ihren Mitarbeitern seit rund zehn Jahren ein professionelles Coaching. Die sogenannten «Care Points» sind als interne Anlaufstelle ein gros­ser Erfolg. Die Angestellten schätzen es ungemein, in entscheidenden Momenten qualifizierte Begleiter an ihrer Seite zu wissen. Die Dienstleistung wird rege genutzt – sei es für Gespräche in schwierigen Arbeitsphasen, für Standortbestimmungen bei der beruflichen Neuorientierung oder als Coaching für Führungsleute.

Vom Arbeitgeber bezahlt

Aufgrund des grossen Erfolgs bei den eigenen Angestellten beschreitet das Unternehmen neue Wege und stellt die etablierte Profi-Dienstleistung über ein externes Profi-Netzwerk auch Unternehmen und deren Mitarbeitern zur Verfügung – hierzulande sind das rund zwei Millionen Arbeitnehmer. Und ins­gesamt sind es 25 Coaches an 18 Standorten in der Schweiz.

Mitarbeiter von Unternehmen, die solche Care-Point-Angebote in Anspruch nehmen, können sich online anmelden und ein Coaching buchen. Dies ist in der Regel innert zwei Arbeitstagen möglich und kann während der Arbeitszeit oder an Randzeiten stattfinden. Fachleute evaluieren im Gespräch, wie dem Mitarbeiter am besten geholfen werden kann – dies auch für private Belange. Für die Coachings kommt der eigene Arbeitgeber auf. Das Care-Point-Netzwerk kann aber auch ohne geschäftliche Beziehung zu Zurich genutzt werden.

Ziel ist es, dass sich Angestellte frühzeitig Unterstützung holen, damit es erst gar nicht zu einer Langzeiterkrankung kommt. Denn die Folgen eines Burn-outs sind für die Betroffenen selbst und das Umfeld eine grosse seelische Belastung.

Tabu-Thema aktiv angehen

Auch für den Arbeitgeber stellen solche Krankheitsbilder letztlich eine grosse Herausforderung dar. Ein einziger Burn-out-Patient, der zwei Jahre arbeitsunfähig ist und ein Jahresgehalt von rund 100 000 Franken bezieht, verursacht schnell einmal Kosten von 250 000 Franken oder mehr, wenn man neben den Taggeldern noch die Heilungskosten berücksichtigt. Wird dieser Angestellte gar zum IV-Bezüger, gehen die Kosten für die Allgemeinheit sofort in die Millionenhöhe.

Es gibt viele gute Argumente, dieses Tabu-Thema aktiv anzugehen, zumal die Erfahrungen mit Care Points sehr positiv sind: Angestellte schätzen die Hilfestellung bei beruflichen und persönlichen Problemen. Gesprächsangebote werden sehr gern angenommen. Und sie sind äusserst wirksam: Bis zu 40 Prozent aller stressbedingten Arbeitsausfälle könnten durch geeignete Präventionsmassnahmen vermieden werden – so manches persönliche Schicksal gelindert oder verhindert werden.

Auch für ganze Teams

Die Care-Point-Profis beraten zunehmend auch ganze Teams und Führungskräfte. Gerade Personen mit Leitungsfunktion kämpfen derzeit oft an zwei Fronten: Zum einen sollen sie richtig reagieren, wenn sie merken, dass Mitarbeiter die Belastungsgrenze erreicht haben. Zum anderen stehen diese Führungskräfte selbst unter starkem Leistungsdruck. In diesem Spannungsfeld erfüllen Coaching-Berater eine wertvolle Doppelfunktion.

Fazit: Professionelles Coaching ist ein Gewinn für alle Beteiligten. Arbeitnehmern hilft es, gesund, leistungsfähig und motiviert zu bleiben. Arbeitgeber müssen weniger Produktivitätsverluste durch fehlende Mitarbeiter hinnehmen. Und die Versicherer können die stark ansteigenden Ausgaben für Krankheit und Arbeitsausfälle eindämmen und eine Prämien­explosion im Taggeldbereich verhindern.