«Humor ist, wenn man trotzdem lacht …» Dieser Spruch des Lyrikers Otto Julius Bierbaum gegen Ende des 19. Jahrhunderts hat speziell in Krisenzeiten und Zeiten des Umbruchs eine hohe Relevanz. Denn wenn es Menschen gelingt, auf Herausforderungen gelassener zu reagieren – zum Beispiel aufgrund humorvoller Bemerkungen oder des Betrachtens des «Problems» aus einer anderen Warte –, dann entdecken sie oft neue Möglichkeiten zum Lösen des Problems oder Umgang mit ihm; und dies stärkt wiederum ihre Hoffnung und Zuversicht
«Ich …» oder «Wir schaffen das schon, wenn …».
Hilfreiche positive Emotionen
Dass Menschen mit einer positiven Einstellung zu sich selbst und ihrem Leben
- Herausforderungen leichter meistern,
- gesünder sind und
- eine höhere Resilienz beziehungsweise Widerstandskraft haben
als andere Menschen, ist eine alte menschliche Erkenntnis; eine Erkenntnis, die sich in solchen Sinnsprüchen wie «Lachen ist gesund» und «Lachen ist die beste Medizin» dokumentiert.
Auch die Medizin und Psychologie haben dies erkannt und versuchen, diese Erkenntnis wissenschaftlich zu objektivieren und gezielt zu nutzen – zum Beispiel im Rahmen der Gesundheitsförderung und -prävention. Auch in der Management- und Führungslehre wird ihr eine immer grössere Bedeutung beigemessen. Dies ist zum Beispiel beim sogenannten «Positive Leadership» der Fall, das darauf abzielt, in den Unternehmen eine
von wechselseitigem Vertrauen und Optimismus geprägte, leistungsstarke Arbeitsumgebung zu kreieren, die auch zu einer erhöhten Innovationskraft führt.
Die Broaden-and-Build-Theorie
Eine Vorreiterin dieser Entwicklung war die US-amerikanische Psychologin Barbara Fredrickson, die zu den Wegbereitern der Positiven Psychologie zählt. Sie stellte 1998 die Broaden-and-Build-Theorie vor. Diese geht davon aus, dass positive Emotionen wie Freude, Interesse, Dankbarkeit usw. (siehe Abbildung 2) unser Denk- und Verhaltensrepertoire erweitern («Broaden»). Sie fördern zudem
- unsere geistige Flexibilität und Kreativität,
- unsere Lust, Neues zu lernen und zu entdecken, sowie
- unsere Fähigkeit und Bereitschaft, soziale Beziehungen einzugehen und zu pflegen.
Durch dieses Offen-Sein sammeln wir wiederum neue, positive Erfahrungen – beispielsweise in Form kleiner Erfolgserlebnisse und erfreulicher Begegnungen. Und diese erzeugen wiederum positive Emotionen, sodass wir mit der Zeit, so Fredrickson, eine Art Vorrat positiver Emotionen und Erwartungen aufbauen, der es uns erleichtert, auch unangenehme Situationen zu ertragen und Herausforderungen zu meistern – also unsere Resilienz zu stärken.



