Mensch & Arbeit

Fallbeispiel: Gesundheitsmanagement

Ökonomisch sinnvoll und imagefördernd

Schätzungen zufolge machen arbeitsbedingte Erkrankungen rund 30 Prozent der Mitarbeiter-Absenzen aus. Wie Betriebliches Gesundheitsmanagement dem entgegenwirken kann, zeigt ein Beispiel aus der Unternehmenspraxis.
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Als Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) bezeichnet man Interventionen am Arbeitsplatz, die die Gesundheit der Mitarbeitenden fördern, einen gesunden Lebensstil unterstützen und ein gesundes Arbeiten ermöglichen. BGM hat zum Ziel, gesundheitsrelevante Belastungen am Arbeitsplatz zu minimieren und gleichzeitig gesundheitsfördernde Elemente zu integrieren. BGM setzt einerseits beim Verhalten der Mitarbeitenden an, betrifft aber zu einem grossen Teil Veränderungen in der Arbeitsorganisation, in der Zusammenarbeit und in der Kommunikation.

Was sich in der Theorie klar und motivierend anhört, bedeutet für die Praxis, über die Ziele klar zu werden, unterschiedliche Kompetenzen aus dem Betrieb in die Planung zu integrieren und den Prozess BGM unter Einbezug der Mitarbeitenden zu planen.

Der Druck nimmt zu

Damit BGM zum Erfolgserlebnis wird, sollte ein Unternehmen wissen, warum es BGM umsetzen möchte und welche übergeordneten Ziele es damit erreichen will. Gründe dafür, der Gesundheit der Mitarbeitenden Beachtung zu schenken und professionell in diese zu investieren, gibt es einige. Die Bedeutung der Gesundheit hat sich über die letzten Jahre stark verändert. In alten und in neuen Berufen, in Produktions- und Dienstleistungsunternehmen müssen Menschen mit einer grös­seren Unsicherheit und mit den betrieblichen Anforderungen an höhere Produktivität und Flexibilität umgehen.

Diese strukturellen Veränderungen verlangen von uns allen ein effizienteres Arbeiten und die Bereitschaft, immer für das Unternehmen da zu sein. Der Druck wird erhöht und gleichzeitig werden die Folgen dieser Veränderung wie Erschöpfungszustände, Zeitnot und Burnout als individuelles Problem oder Versagen aufgefasst. Insgesamt wird der Anteil an arbeitsbedingten und arbeitsausgelösten Erkrankungen an der Gesamtsumme aller Absenzen auf 30 Prozent aller Absenzen geschätzt.

Gemeinsam Ziele klären

Einige Schweizer Unternehmen haben daraus bereits Konsequenzen gezogen und sich zum Ziel gesetzt, im eigenen Betrieb einen nachhaltigen Beitrag zur Minimierung von arbeitsbedingten Absenzen und zur Förderung der Gesundheit zu leisten. Die Investition in die Gesundheit der Mitarbeitenden kann zudem auch ihrer Attraktivität als Arbeitgeber und Zufriedenheit der Mitarbeitenden steigern.

Welche dieser übergeordneten Ziele sich ein Unternehmen auch setzt, wichtig ist, dass diese Grundlagendiskussion vor einer Investition geführt wird. So können Missverständnisse über Sinn und Zweck des BGM aus dem Weg geräumt und wichtige Akteure ins Boot geholt werden. Teilnehmende der Diskussion auf dieser strategischen Ebene sind je nach Unternehmen ein Mitglied der Geschäftsleitung, der oder die Personalverantwortliche, der Sicherheitsbeauftragte und/oder eine Vertretung der Mitarbeitenden.

Mitarbeitende beteiligen

Um die übergeordneten Ziele zu erreichen, ist eine sorgfältige Planung und strategische Prozessführung besonders wichtig. Idealerweise wird die konzeptionelle Arbeit in einer Projektgruppe gemacht. So können verschiedene Ansichten und Ideen berücksichtigt werden.

Steht die Geschäftsleitung hinter dem BGM, geht es darum, die Mitarbeitenden zielgruppengerecht für das BGM zu begeistern. Die Einführung von BGM bringt Veränderungen in ein gewohntes Umfeld. Es kann durchaus sein, dass die Mitarbeitenden auf diese Veränderungen skeptisch oder gar mit Ablehnung reagieren. Damit BGM zum Erfolg wird und von den Mitarbeitenden mitgetragen wird, sind zwei Punkte zentral: Einerseits die Kommunikation und anderseits die Partizipation der Mitarbeitenden.

Die Kommunikation im BGM hat mehrere Aufgaben. Sie trägt zum Beispiel dazu bei, Unsicherheit abzubauen. Sie erlaubt es, den Mitarbeitenden aufzuzeigen, dass das Management das Thema Gesundheit ernst nimmt und sie ist ein wichtiges Instrument, um die Bedeutung von BGM und den Nutzen für jeden Einzelnen aufzuzeigen. Zudem trägt die Kommunikation dazu bei, das Thema Gesundheit bei den Mitarbeitenden zu vermarkten. Damit das gelingt, ist es sinnvoll, seinem BGM-Programm einen Namen und ein Logo zu geben. So wird BGM fassbar und schafft es, zu begeistern.

Strategisch kommunizieren

Das erneuerte Programm «Antalis fit&gsund» wurde mit einer Kick-off-Veranstaltung lanciert. Dabei wurde das Konzept den Mitarbeitenden vorgestellt und ein Workshop zum Thema Bewegung durchgeführt. Seit der Kick-off-Veranstaltung werden die Mitarbeitenden kommunikativ mit einem Newsletter begleitet. Die Kommunikation hat für «Antalis fit&gsund» einen wichtigen Stellenwert. «Der Newsletter ist ein zentrales Instrument der Kommunikation. Diese werden flankierend unterstützt mit Plakaten, welche im Intranet und an den Anschlagbrettern platziert werden. Vorträge mit einem hohen Praxisbezug dienen der Festigung der vermittelten Inhalte», sagt Hug.

Alle Massnahmen der Kommunikation sind in drei Themengebiete unterteilt. Zum einen gehe es darum, die Mitarbeitenden zu informieren (Antalis informiert), weiter sie zu einem ersten Schritt zu motivieren (Antalis macht mit) und zur Wiederholung zu animieren (Antalis bleibt dran). Diese Slogans seien grafisch unterstützt und garantierten damit einen hohen Wiedererkennungswert, so der Personalleiter.

Förderung ohne Zwang

Eine Frage, die Unternehmen und die Verantwortlichen für die Gesundheitsförderung immer wieder beschäftigt, ist, ob gewünschte Veränderungen auch erreicht werden können. Hug erlebt die Veränderungsbereitschaft der Mitarbeitenden als durchzogen. Seine Einschätzung: «Es gibt viele Mitarbeitende die sich sehr intensiv um ihre eigene Gesundheit kümmern. Andere hingegen sind sich ihrer gesundheitlichen Risiken bewusst, ohne etwas dagegen zu unternehmen und wiederum andere kennen ihre Risiken überhaupt nicht. Dazu kommt die unternehmerische Grundsatzfrage: Wie weit ist der Arbeitgeber verantwortlich für die Gesundheitsförderung seiner Mitarbeitenden?»

Per Gesetz ist er verpflichtet, keine gesundheitsschädigende Arbeit anzubieten. Aber Gesundheitsförderung, auch wenn sie Kosten spart, wird nicht gefordert. Sie ist in der Verantwortung eines jeden Arbeitnehmers und somit für den Arbeitgeber unmöglich als Zwang durchzusetzen. Gesundheitsförderung auf freiwilliger Basis wird dann wieder geprägt durch die eingangs erwähnten drei Personengruppen. Misserfolge und Rückschläge sind somit vorprogrammiert, dürfen für die aktive Gesundheitsförderung aber keine Bremse darstellen.

Optimistisch

Durch eine im März durchgeführte Mitarbeitendenbefragung sowie die Lancierung eines Gesundheitszirkels erhofft sich Daniel Hug wichtige Anhaltspunkte für die zielorientierte Umsetzung des Programms. Einen wichtigen Grundstein hat er letzten Sommer mit dem Einbezug der Geschäftsleitung gelegt: «Das klare Bekenntnis der Geschäftsleitung ist eine Voraussetzung, dass BGM langfristig zum Erfolg wird. Bei Antalis wurde das Projekt vor dem Roll-out der Geschäftsleitung präsentiert und nach einigen klärenden Fragen freigegeben.»

Das Projekt «Antalis fit&gsund» befindet sich mitten in der Umsetzung. Es wird sich zeigen, ob mit der Neulancierung des Programms ähnliche Erfolge erzielt werden können, wie mit dem bereits vor zehn Jahren eingeführten Absenzenmanagement. Hug ist davon überzeugt, dass mit dem Projekt die angestrebten Ziele erreicht werden können. Mit der Bedingung, dass jedes Unternehmen seine Ausgangslage und Situation genau prüfen sollte, empfiehlt er die Einführung eines BGM-Programms gerne weiter.