Mensch & Arbeit

Frauen in der Wirtschaft

Networking – eine weibliche Erfolgsstrategie

Mehr Unbescheidenheit, mehr Selbstvertrauen, mehr Tagesstätten braucht die Frau von heute für eine steile Karriere. Ob in Wirtschaft, Wissenschaft oder Politik: Frauen entdecken, dass sie auf dem Weg nach oben Hilfe haben – andere Frauen.
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In der Wirtschaft herrscht eine gravierende Unterrepräsentanz von Frauen in Führungspositionen. In den 87 nach Beschäftigungszahlen grössten Unternehmen der Old Economy nehmen sie nur ein Prozent der Sitze im Vorstand ein. «Frauen haben Höhenangst», titelte «Die Zeit» vor drei Jahren.

Vorbilder fehlen

Was sind die Gründe, weshalb die meisten Managerinnen ihre Karriere abbrechen, bevor sie ganz oben angekommen sind? Ungenügende Kinderbetreuungsangebote, aber auch das Fehlen alternativer Arbeitsmodelle wie Teilzeitarbeit im Kader. Ann-Kristin Achleitner, Professorin für Entrepreneurial Finance in München, sieht einen weiteren Hauptgrund: «Wenn Frauen nicht aufsteigen, liegt das daran, dass positive Vorbilder fehlen.»

«Old Boys Network»

Positive Vorbilder, die Männer nicht erst suchen müssen. Sie haben sie. In Netzwerken, Seilschaften und Patronagen, von denen sie seit jeher profitieren – im Erwerbsleben ebenso wie im Militär. Das «Old Boys Network» ist praktisch, um Geschäfte anzubahnen, Kontakte zu vermitteln und Informatio­nen einzuholen. Untersuchungen über die urzeitlichen Männerbünde bis zu ihren heutigen Formen gibt es viele. Seit den 1930er-Jahren befasst sich die Betriebswirtschaftslehre mit informellen Netzwerken, in den 1950er-Jahren galten sie als subversiver Weg, um sich in Organisationen nicht durch Leistung, sondern durch soziale Kontakte Einfluss zu verschaffen. Mittlerweile ist längst erwiesen, dass die soziale Kontaktpflege zum Kern dessen gehört, was Leistung ausmacht.

Mentale Barrieren

Die in den späten 1970er-Jahren von Amerika aus startende Feminismusbewegung hat dafür gesorgt, dass Frauen heute bei Ausbildung und Erwerbstätigkeit auf wesentlich bessere Bedingungen stossen. Heute sprechen die Bildungserfolge für die Frauen: Längst verlassen sie die Hochschulen mit besseren Abschlüssen. Und erhalten in den Assessment-Centern der Unternehmen auch die besseren Bewertungen. Dass dennoch so viele Frauen auf dem Weg nach oben verloren gehen, hat mit Tiefenpsychologie zu tun und nicht mit Vernunft.

In der kürzlich erschienenen Befragung von 1700 Angestellten der Verwaltung des Kantons Zürich waren sich die Männer und Frauen beim Thema Vereinbarkeit von Familie und Beruf mehrheitlich einig. Der Unterschied zwischen den Geschlechtern zeigte sich erst bei den Erklärungen für den tiefen Frauenanteil in Führungspositionen. Die Männer betonten vor allem die traditionellen Rollenbilder. Zudem waren sie in erstaunlichem Ausmass der Meinung, dass Frauen die Familie einer beruflichen Karriere vorziehen. Die Frauen dagegen erachteten die unterschiedliche Leistungsbeurteilung von Frauen und Männern als wichtigstes Hindernis. Zudem unterschätzten Frauen ihre Fähigkeiten und machten zu wenig auf sich aufmerksam.