Die Schweiz muss trotz momentan höherer Arbeitslosigkeit gezielt Nachwuchs rekrutieren, dies ganz besonders im technischen Bereich. Fachleute gehen davon aus, dass bereits im Jahr 2009 in der Schweiz trotz Wirtschaftskrise etwa 3000 Ingenieure fehlten. Es gibt mittlerweile rund 40 Initiativen, die dieses Manko an Nachwuchskräften zu beheben versuchen. Die Initiativen sind jedoch nicht so koordiniert, dass Synergien entstehen, um das Problem zu lösen. Vor allem bei Zielgruppen vor der Berufswahl werden zu wenig Aktivitäten ausgelöst, die zumindest mithelfen, das Interesse für technische Berufe zu wecken.
Ebenfalls kann festgestellt werden, dass es in den anspruchsvollen technischen Studienrichtungen zu viele Studienabbrechende gibt, dass viele Studierende vom Gebotenen im Studium enttäuscht sind und dass sich vor allem die Frauen nicht für technische Studiengänge interessieren. Dass 2008 die Zahl der Studierenden bei den technischen Wissenschaften leicht zunahmen, hat mit der Immigration und den zunehmenden Absolventen auf der Stufe Maturität zu tun.
Innovation gefährdet
Andere Aspekte für diese Thematik sind die demografische Entwicklung oder die Bildungssystemreform. Wir wissen heute, dass immer weniger Lohnempfänger immer mehr Rentner finanzieren müssen. Das Bildungssystem Schweiz ist eine grosse Baustelle. Gemessen an den Ausbildungsstunden ist es zum Beispiel verwunderlich, dass die Fähigkeit zum Schreiben und zum Lösen von Dreisatzrechnungen deutlich abnimmt. Bei der Beliebtheit von Studienrichtungen nehmen Ökonomie, Jurisprudenz oder Medizin Spitzenplätze ein. Weit abgeschlagen rangieren (leider) die Ingenieurwissenschaften. Das beunruhigt, weil aus diesem Bereich Innovationen ausgelöst werden, nicht von den favorisierten Studienrichtungen. Die Schweizer Wirtschaft ist bezüglich Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit immer noch gut aufgestellt. Eine Grundskepsis, ob wir den erreichten Stand halten und ausbauen können, bleibt aber.
Learning by doing
Eine neue Studie (Thom: 2009) zeichnet zum Thema Nachwuchsförderung das folgende Bild: Trainee-Programme dauern in der Regel durchschnittlich 1,5 Jahre und sind international ausgerichtet. Der wesentliche Teil der Programme (45 %) ist bereichsübergreifend gestaltet, so dass das ganzheitliche Denken gefördert wird. Das Prinzip «Learning by doing» steht im Zentrum. Bei der Auswahl der «Besten» stehen Kriterien wie Eigeninitiative, Selbstständigkeit, gefolgt von praktischer Erfahrung im Blickpunkt. Das sind primär Kriterien, die unter die Bezeichnung «soziale Kompetenz» fallen und damit Persönlichkeitsmerkmale darstellen.
«Kampf um die Besten»
In der Wirtschaftskrise ergeben sich bei den Programmen bei rund einem Drittel der Firmen keine Veränderungen. Dies wird durch den Umstand begleitet, dass nach rund drei Jahren 68 Prozent der Trainees noch im Unternehmen verbleiben, allerdings mit starken Schwankungsbreiten nach oben und unten. Kurz: Gründe gibt es genügend für den «Kampf um die Besten». Wer nach der Krise gut aufgestellt sein will, darf auch in schwierigen Zeiten die Talentförderung nicht vernachlässigen.