Bereits Anfang des Millenniums prägten Berater von McKinsey rund um Ed Michaels den Begriff des «War for Talents». Ihre These lautet, dass es vor dem Hintergrund der geburtenschwachen Jahrgänge und der Komplexität der Arbeitsaufgaben zunehmend zu einem Krieg um Talente kommt. Der Mitarbeiter wird zur entscheidenden Stellgrösse für unternehmerisches Wachstum. Hinzu kommen aktuell Schlagworte wie Work Life Balance und Generation Y bzw. digital natives. Entwicklungen, die das Personalmanagement und Massnahmen des Recruting in den Rang eines strategischen Erfolgsfaktors heben. Doch wie gut meistern Banken und Sparkassen diese Aufgabe?
Karriereperspektive bieten
Das Consultingunternehmen «emotion banking» führt seit nunmehr neun Jahren die umfassende Standortanalyse «victor» durch und zeigt hierbei, wie die Bank von Kunden, Mitarbeitern und Führungskräften gesehen wird. Mithilfe dieser Analyse wird auch die Zufriedenheit und Loyalität der Mitarbeiter bestimmt. Dabei zeigen sich klare Handlungsfelder. Die Analysen zeigen, dass in vielen Häusern transparente Karriereperspektiven fehlen. So strebt jeder sechste Mitarbeiter einen Karriereschritt in den kommenden drei Jahren an, jedoch ohne konkrete Chance in der eigenen Bank. Hinzu kommen eine teils intransparente Ausschreibungs- und Besetzungspolitik, mangelnde Kommunikation rund um den Besetzungsprozess sowie (seltener) eine gefühlte Ungleichbehandlung der Geschlechter. Im Betriebsbereich stockt die Personalentwicklung noch einen Schritt früher; hier wird in den Mitarbeitergesprächen das Thema «Karriere» gleich gar nicht angesprochen, weil ohnedies keine Optionen vorhanden sind.
Gerade in diesen Fällen wäre eine gezielte Personalarbeit erforderlich – unabhängig von der Grösse der Bank, denn Mitarbeiter sind von einer hohen Ungeduld geprägt; drei Jahre am Schalter stehen, das war einmal. So meinte schon Peter Drucker: «Wir müssen uns an den Gedanken gewöhnen, dass Unternehmen weit mehr von ihren besten Mitarbeitern abhängen als die guten Leute vom Unternehmen.»


