Mensch & Arbeit

Persönlichkeitsentwicklung

Mentoring: Der Schlüssel zum Erfolg

Um die Zukunft, privat wie auch beruflich, möglichst nach seinen eigenen Vorstel­lungen zu gestalten, müssen bereits frühzeitig und gezielt die entsprechenden Weichen gestellt werden. Ein wirksames, wenn auch wenig genutztes Tool hierzu ist das Mentoring. Der Beitrag zeigt, welche Art der persönlichen Entwicklung notwendig ist, um erfolgreich zu sein.
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Nachfolgend werden vier Dimensionen vorgestellt und skizziert, die Aufmerksamkeit und einen speziellen Fokus im Hinblick auf das Managen der persönlichen Zukunft benötigen. Sie lauten wie folgt:

  • Balance
  • Stärken und Werte
  • Netzwerk und
  • Reflexion

Im letzten Teil des Artikels werden der Begriff des lebenslangen Lernens erläutert und der Wert von Mentoring sowie die damit gemachten Erfahrungen erörtert. Der Beitrag zeigt auf, dass Mentoring als wichtiger Hebel und Werkzeug für die persönliche und berufliche Entwicklung eingesetzt werden kann, um die eigene Zukunft noch erfolgreicher zu meistern.

Balance

Zunächst einmal muss man sich bewusst sein, dass der Beruf oder die Karriere nicht das Einzige sind, was es zu managen gilt. Stellen Sie sich ein Quadrat vor, das in vier Bereiche unterteilt ist. Das Quadrat – oder anders ausgedrückt die Balance Matrix – (Abbildung 1) ist die erste Dimension, die im Folgenden besprochen wird. Die Matrixachsen können beschrieben werden als: a) Beteiligung nach innen und aussen sowie b) Handeln als Individuum oder in einer Gruppe.

Zur Erklärung: Im ersten Bereich befinden Sie sich als Individuum/Person, im zweiten Bereich Sie als Manager oder Unternehmer, im dritten Bereich Sie als Familienmitglied (Vater, Mutter, Onkel, Tante, Cousin etc.) und im vierten Bereich Sie als Mitglied der Gesellschaft. Die eigentliche Herausforderung besteht darin, diese vier Bereiche in ein Gleich­gewicht zu bringen. Wenn Sie sich zum Beispiel zu sehr auf Ihren Karriereweg konzentrieren, kann die Aufmerksamkeit in den anderen drei Bereichen zu gering sein und als Folge davon sogar eine Beziehung beschädigen. Sicherlich ist es nicht einfach, eine gesunde Balance zu halten. Dennoch muss eine persönliche Strategie entwickelt werden, um mit Ihren Ressourcen, Ihrer Energie, Ihrem Talent und Ihrer Zeit zurechtzukommen und sie dementsprechend zu verwalten.

Stärken und Werte

Es gibt viele berufliche Möglichkeiten im Lauf eines Arbeitslebens. Der Management-Guru Peter F. Drucker (Managing oneself, 2007) empfahl jedoch, sich der folgenden Kriterien bewusst zu sein:

  • Was sind meine Stärken
  • Was leiste ich
  • Was sind meine Werte und
  • Wo gehöre ich hin

Dies ist die zweite Dimension, die angesprochen werden sollte. Arbeiten Sie an Ihren Stärken. Holen Sie sich persön­liches Feedback, um die Leistung zu ana­lysieren und kritische Bereiche zu ver­bessern. Fragen Sie sich, was Ihre beruflichen Werte sind. Haben Sie zum Beispiel gerne mit Geld oder eher mit Menschen zu tun? Wenn Sie sich darüber im Klaren sind, was wichtig ist, werden Sie den geeigneten Weg finden, um im Beruf und im Leben die richtige Leistung zu bringen. Setzen Sie sich Ziele, aber probieren und experimentieren Sie auch mit neuen Ideen. Lassen Sie sich auf keinen Fall von einem Misserfolg enttäuschen. «Umwege erhöhen die Ortskenntnisse», wie Goethe schon sagte.

Netzwerk

Was Sie brauchen – und ist die dritte Dimension –, ist ein regionales, nationales und internationales Netzwerk. Getreu dem Motto: «Es ist nicht so wichtig, was man weiss, sondern wen man kennt». Dies ist einer der Schlüssel zum Erfolg. Ergo ist es empfehlenswert, sich aktiv zu vernetzen, aber nicht nur im virtuellen Raum, zum Beispiel mit Xing oder Linkedin, sondern auch persönlich und im internationalen Kontext. Dabei sollte die Qualität der jeweiligen Beziehung und nicht die Quantität der Kontakte im Vordergrund stehen. Das Netzwerk ist einer der wichtigsten kritischen Erfolgsfaktoren. Arbeiten Sie daran, aber achten Sie darauf, alle Bereiche einzubeziehen: persönlich, privat, sozial und beruflich.

Reflexion

Die Strategie- und Managementvordenker, Henry Mintzberg und Jonathan Gosling (The five Minds of a Manager, 2003), meinten: «Handeln ohne Reflexion ist gedankenlos, Reflexion ohne Handeln ist passiv». Reflexion ist in allen Lebensbereichen wichtig und gilt als die vierte Dimension. Lehnen Sie sich zurück und nehmen Sie sich Zeit, betrachten Sie den Weg mit klaren Zielen, gleichen Sie Ihre Erfahrungen ab und seien Sie offen für neue Horizonte und Denkmuster. Es empfiehlt sich, regelmässig zu reflektieren sowie Veränderungen und Fortschritte kritisch zu betrachten.

Natürlich sind Karriere und Leben nur dann nachhaltig, wenn Sie sich ethisch verhalten. Es gibt in Übereinstimmung mit dem Harvard-Professor Clayton M. Christensen (Wie werden Sie Ihr Leben messen?, 2010) nur ein Verhalten, das akzeptabel ist: das richige. Ethisches Management ist schwarz-weiss. Im Zweifelsfall sollten man sich daran erinnern, dass eine Halbschwangerschaft nicht mög­lich ist. Abbildung 2 fasst die vier Dimensionen von Karriere und Leben zusammen, die es zu managen gilt.

Lebenslanges Lernen

Und was könnten Sie noch in Betracht ziehen? Eine Weiterbildung, ein MBA- oder PhD-Studium? Nicht wirklich. Es gibt viele Praktiker, die es bis zum Präsidenten oder CEO mit «Learning by doing» geschafft ­haben. Sollten Sie sich jedoch für eine Weiterbildung entscheiden und in sich selbst investieren, kann es sinnvoll sein, im Ausland zu studieren. Zum einen bringt es eine neue kulturelle Erfahrung, zum anderen eine globalere und ganzheitlichere Weltsicht und neue Denkmuster. 

Wirtschaftliches Wachstum und Entwicklung liegen im Osten. Laut dem Globalisierungsexperten Pankaj Ghemawat (Welt 3.0, 2011) ist Asien der «Place to be» in den nächsten 30 Jahren. Übrigens: Chongqing, die grösste Stadt der Welt mit 31,1 Millionen Einwohnern, liegt in China, wo es einige progressive Universitäten gibt. Es gibt aber auch viele andere Exzellenz- und Kompetenzzentren, zum Beispiel Harvard, Oxford, MIT, IMD, HSG, die zu berücksichtigen sind. Es geht darum, die Perspektive und die eigene Denkweise zu erweitern. Vergessen Sie ausserdem nicht, bescheiden zu bleiben, sich körperlich und geistig fit zu halten: durch Workouts, Trainings, Studienbesuche und Seminare. Wie wäre es zum Beispiel mit der Teilnahme an einem Workshop mit dem Thema «Management by Shaolin» oder noch besser «Management by Horses». 

Mentoring als Booster

Beim Mentoring geht es darum, eine Plattform zu schaffen, die ermöglicht, einen Erfahrungsaustausch zu gewährleisten, um eigene Potenziale zu entdecken, zu fördern und zu entwickeln. Wichtig ist es, einerseits einen persönlichen und vertraulichen Austausch zu etablieren, um neue Perspektiven und Möglichkeiten zu diskutieren, andererseits Verständnis und Einsichten zu schaffen, die zu Ver­änderungen und einer echten persön­lichen Entwicklung führen. Ein Mentor kann die Art und Weise beeinflussen, wie ein Mentee denkt und wie in Beruf und Gesellschaft zukünftig agiert wird. Es geht ebenfalls darum, eine mögliche Weichenstellung für die Karriere- und Lebensplanung zu etablieren. Dabei gilt es, die jeweiligen vier aufgezeigten Dimensionen zu berücksichtigen.

Ein Mentorship beinhaltet, das Herz, den Verstand und die Seele eines Mentees gesamtheitlich und authentisch zu formen und weiter zu entwickeln. Am wichtigsten ist, dass ein sicherer individueller Lernraum und ein Vertrauensverhältnis zwischen Mentor und Mentee geschaffen werden. Mentoring soll einen Mentee befähigen, die richtige Balance als Person, im Beruf und Mitglied der Gesellschaft zu finden, ohne dabei die Familie zu vernachlässigen. Und schliesslich kann ein Mentor als «Sounding Board» für neue Ideen, Denkansätze und Zukunftsprojekte fungieren.

Es empfiehlt sich deshalb, sich einen per­sönlichen Mentor als Booster zu suchen. Zum Beispiel, um:

  • kritische Reflexionen zu erweitern
  • einen kritischen Blick von aussen zu bekommen
  • einen neutralen Gesprächspartner zu haben 
  • Geschäfts- und Lebenserfahrungen zu teilen
  • eigene Schwächen mehr bewusst zu machen
  • einen Realitätsabgleich zu erhalten
  • das Netzwerk zielorientiert zu erweitern

Es ist einfacher, einen Mentor zu finden, als vielleicht angenommen. Es gibt viele zukunftsorientierte Business Schools und Universitäten oder auch Wirtschafts­verbände, die Mentoring anbieten. 

Fazit

«Wofür möchten Sie in Erinnerung bleiben? Es ist eine Frage, die Sie dazu veranlasst, sich selbst zu erneuern, weil sie Sie dazu drängt, sich als eine andere Person zu sehen – die Person, die Sie werden können», postulierte Peter F. Drucker (Managing the Non-profit Organization, 1990). Das Management zur persönlichen Entwicklung von Karriere und Leben ist vielschichtig. Es erfordert den Ausgleich verschiedener Interessen in unterschied­lichen Lebensabschnitten. Während der Fokus auf die vier Dimensionen wichtig ist, empfiehlt es sich, nach einem Mentor als Booster zur weiteren Entwicklung zu suchen. Dieser kann Sie sehen lassen, was Sie selbst nicht sehen können.

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