Jelzin reist in die Vergangenheit und trifft Ludwig XIV. und Peter den Grossen. Sie sprechen über ihre Stellung. Ludwig XIV. sagt: «Der Staat bin ich.» Peter der Grosse sagt: «Ich bin der Zar und ich setze mich durch.» Und Jelzin sagt: «Ich war einmal die russische Demokratie.» Die drei genannten Persönlichkeiten sind Prototypen von Managern. Ihr Management-Stil war einerseits von ihrer historischen Situation geprägt, andererseits von ihrer Persönlichkeit. Von ihnen können wir lernen, wie sie positive Entwicklungen für ihr Land erreicht haben. Und nicht zuletzt, welche Fehler wir vermeiden müssen.
Institutions-Manager
Ludwig XIV. war ein Institutions-Manager. Frankreich stand im 17. Jahrhundert auf dem Höhepunkt seiner Kultur. Die Strukturen der Gesellschaft und des Staates waren zu Zeiten seiner Regentschaft weitgehend gefestigt. Die Dynastie hatte bereits Tradition, die Erbfolge war klar. Als Ludwig 1643 mit fünf Jahren den Thron erbte, war Frankreich allerdings noch kein einheitliches Reich. Bis der König selber die Macht übernahm, hatten seine Mutter und Mazarin die Einigung herbeigeführt. Die Aufstände der Fronde galten nicht dem König, sondern Mazarin.
Der König galt damals nicht nur als Persönlichkeit, sondern als Verkörperung des Staates und als Herrscher von Gottes Gnaden. Das war die tiefere Bedeutung von Ludwigs Worte: «L’État, c’est moi!» Den Staat zu verkörpern, sich mit ihm zu identifizieren, bedeutete auch für ihn ein Höchstmass an Unterordnung unter ein höheres Prinzip und zugleich eine grosse Verpflichtung.
Bei Ludwigs Regierungsantritt waren einige Voraussetzungen für eine kulturelle und staatliche Blütezeit gegeben. Die Institutionen waren vorhanden, sie mussten verfeinert, verbessert und vollendet werden. Vor allem aber musste der König ihnen Dauer verleihen. Das bedeutete, dass er sein Land nicht nur führen, sondern mehr noch repräsentieren musste.
Noch was anderes: Heute gilt es als Statussymbol, immer beschäftigt zu sein und nie Zeit zu haben. Ludwig XIV. regierte eine Grossmacht ohne die technischen Hilfsmittel, die wir heute haben und arbeitete acht Stunden täglich. Trotzdem besuchte er jeden Morgen die Messe – Musse ist wichtig, um nachzudenken. Abends wurden Feste gefeiert, an denen der König auch teilnahm. Ein ähnliches Zeitmanagement hatten in früheren Jahrhunderten auch andere Herrschende. Das zeigt, dass es durchaus nicht notwendig ist, 16 Stunden am Tag herumzuhetzen, um ein Unternehmen zu führen.

