Der demografische Wandel ist ein viel diskutiertes Thema (siehe auch Seite 40 in dieser Ausgabe). Dass gerade in der heutigen Zeit dieser Begriff viele und unterschiedliche Disziplinen beschäftigt und sich die Besorgnis um die wirtschaftliche Entwicklung zusätzlich durch den demografischen Wandel verstärkt, könnte kaum passender sein. In Zeiten von Unsicherheit und Ängsten fällt es schwer, eine gesunde Ambiguitätstoleranz beizubehalten.
Auf den Wandel vorbereiten
Die Demografie befasst sich mit der Veränderung der Bevölkerungsstruktur. Die Überalterung in der modernen Gesellschaft ist auf verschiedene Ursachen zurückzuführen. Durch den hohen Standard in der Medizin werden die Menschen immer älter, gleichzeitig nimmt jedoch die Geburtenrate ab. Immer weniger Menschen verrichten eine körperlich schwere Arbeit, was die Lebenserwartung und damit die Verschiebung der Alterspyramide weiter beeinflusst. Die Alterszusammensetzung der ständigen Wohnbevölkerung, welche durch das Bundesamt für Statistik veröffentlicht wird, zeigt die Verschiebung deutlich auf (siehe Abbildung).
Die Zahl der erwerbstätigen Personen sinkt im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung, während der Teil der Personen im Rentenalter deutlich zugenommen hat. Weiter ist zu erkennen, dass sich die zahlenmässig stärkste Altersklasse in der sogenannten Baby-Boomer-Generation der heute 45- bis 55-Jährigen befindet. Die BfS-Grafik Dezember 2010 lässt erkennen, dass sich spätestens mit dem Erreichen des Rentenalters der Baby-Boomer-Generation die Schere zwischen den erwerbstätigen Personen und denjenigen im Ruhestand weiter öffnen wird. Da die über den Arbeitsmarkt gesamthaft betrachtete Gruppe der heute zwischen 35- und 55-Jährigen weitaus am stärksten vertreten ist und mit den in den kommenden Jahren in den Arbeitsmarkt tretenden Personen kein gleichwertiges Gegengewicht entsteht, ist folgender Trend ableitbar: Zunächst wird das Durchschnittsalter in der Belegschaft stark zunehmen und sich später in einem Überhang an Pensionierungen, bzw. Rentenempfängern niederschlagen.
Wirtschaft und Gesellschaft
Ungleichgewichte bringen ein System in eine Schieflage – bewährte Mechanismen werden ausgehebelt und es müssen neue Wege gefunden werden, um ein funktionierendes System schaffen zu können. Dies gilt sowohl für staatliche als auch für privatwirtschaftliche Organisationen. Es ist daher nicht erstaunlich, dass sich verschiedene Disziplinen wie Politik (Migration etc.), Wirtschaft (Sozialversicherungs- und Gesundheitskosten etc.) und Wissenschaft mit dem demografischen Wandel auseinandersetzen und Lösungen gefunden werden müssen, um der Überalterung in der Gesellschaft zu begegnen.
