Mensch & Arbeit

Work-Life-Balance (Teil 1 von 2)

Innere Ruhe am Arbeitsplatz und im Privatleben finden

Innere Ruhe finden? Freiräume für die wirklich wichtigen Dinge im Leben schaffen? Work-Life-Balance herstellen? Eine erste Standortbestimmung hilft, die persönlichen Wünsche und Bedürfnisse und blockierende Gedanken zu erkennen. Anschliessend steht der Weg frei für die Umsetzung im Alltag.
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Unter dem Begriff «Work-Life-Balance» wird die Vereinbarkeit von Berufs-, Privat- und Familienleben verstanden. Im weiteren Sinne umfasst der Begriff das Bestreben zurück zur Balance, das heisst zur persönlichen Mitte zu finden. Ein Mensch, der ganz in seiner Mitte ruht, ist ruhig und entspannt. Er sieht die Dinge um sich herum gelassen an und kann das Geschehen und andere Menschen sein lassen.

Loslassen lernen

Ruhe findet, wer das Prinzip «Aussen so wie innen» lebt. Dies bedingt, dass die äusseren Umstände mit den inneren Wünschen übereinstimmen. Deshalb gilt es zu erkennen, was einer Person wichtig ist und wo sie mehr Zeit und Energie investieren möchte. Die grossen Steine im Leben jedes Menschen brauchen Platz. Sind die Hohlräume bereits mit vielen Kleinigkeiten gefüllt, ist es schwierig, neuen Raum zu schaffen.

Es gilt loszulassen, was unwichtig ist, und sich auf die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu konzentrieren.

Ordnung schaffen

Leider erkennen viele Menschen erst im Alter, dass sie ihr ganzes Leben nach äusseren Umständen und Personen ausgerichtet haben und ihre eigene Persönlichkeit und Wünsche in den Hintergrund geschoben haben. Die anschliessenden Übungen wirken dieser Tendenz entgegen. Sie dienen zur persönlichen Standortbestimmung. Ausserdem unterstützt sie dabei, die persönliche Work-Life-Balance zu finden und wiederherzustellen. Werden die Übungen spontan durchgeführt, helfen sie, in die Tiefe zu gehen und unbewusste Themen zu erkennen. Werden die unbewussten Anteile erkannt, kann der Mensch leichter und glücklicher durch sein Leben gehen. Nur verdrängte Themen und Impulse treiben ihr Unwesen im Unterbewusstsein. Wer weiss, was ihn bedrückt, kann etwas ändern. Er hat sein Lebensruder in der Hand und kann handeln.

Anmerkung: Laut Gehirnforschung beträgt das Unterbewusstsein 90 Prozent. Alles, was der Mensch konkret im Alltag mit seinem Verstand und seinen fünf Sinnen wahrnimmt, sind Teile seines Bewusstseins, welches nur 10 Prozent ausmacht. Bereits Albert Einstein sagte, dass der Mensch sein Gehirn als Datenspeicher verwendet und dieses viel zu wenig nutzt. Wer aktiv sein Leben in die Hand nehmen möchte, muss zwingend umdenken und dem Unbewussten und nicht immer Greifbaren (Soft Facts) Beachtung schenken. Hier liegt das ungenutzte Potenzial. Sie sind ein wichtiger Teil der Realität. Übrigens erschafft der Mensch sich laut Quantenforschung sein Leben und seine Realität selber. Woran er glaubt, wird und ist seine Wirklichkeit. Deshalb ist es so wichtig, mit alten und überholten Gedanken und Glaubenssätzen aufzuräumen.

Teil 4: Was sind meine persönlichen Work-Life-Balance-Massnahmen?

Entwickeln Sie zum Schluss persönliche Massnahmen, die Sie dabei unterstützen, von Ihrem Ist zum Soll zu kommen. Die Massnahmen sollen einfach und umsetzbar sein. Priorisieren Sie Ihre Massnahmen und starten Sie noch heute mit der Umsetzung Ihrer höchsten Priorität. Fragen zur persönlichen Reflektion:

  • Was fällt mir zu meiner Work-Life-Balance ein?
  • Was sind meine persönlichen Ziele im Bereich Work-Life-Balance?
  • Was ist mir wirklich wichtig in meinem Leben?
  • Wenn ich meine Ist-Situation mit meiner Wunsch-Einteilung vergleiche, was werde ich ab heute ändern?
  • Für welche Bereiche nehme ich mir ab heute mehr Zeit?
  • Welche Wunschvorstellungen sind realisierbar?
  • Welche Massnahmen unterstützen mich dabei, zu meiner Wunsch-Einteilung zu gelangen?

Praxisbeispiel

Herr Meier ist 22 Jahre alt, arbeitet auf einer Bank und ist auf der Suche nach einer neuen beruflichen Herausforderung. Er hat eine Banklehre mit Berufsmatura abgeschlossen. Im Moment steht er vor der Frage, ob er eine neue Stelle suchen oder eine Weiterbildung beginnen soll.

Herr Meier hat in seiner Ist-Situation sehr viel Raum für den Job eingezeichnet (siehe Grafik). Bei der Wunsch-Einteilung hat er die Zeit für den Job eingeschränkt und Platz eingeräumt für etwas Neues. Im Moment ist er sich jedoch nicht im Klaren, was diesen Raum ausfüllen soll. Mit der Zeit, die er mit seinen Freunden verbringt und in der er seinen Hobbys nachgehen kann, ist er sehr zufrieden.

Das Fragezeichen in der Wunsch-Einteilung gilt es jetzt für Herrn Meier zu füllen. Da er erkennt, dass dies für ihn alleine schwierig ist, lässt er sich durch eine kompetente Fachperson coachen. Ziel des Coachings ist es, dem Neuen Raum zu geben. Ausserdem möchte er wieder motiviert und voller Leistung durch sein Leben gehen. Herr Meier freut sich auf den bevorstehenden Neuorientierungsprozess.

Tipps und Tricks

Ein Work-Life-Balance-Exempel gibt es nicht. Jeder Mensch hat unterschiedliche Wünsche und Bedürfnisse. Die Praxis zeigt jedoch, dass viele Leute viel zu viel Zeit in ihrem Job verbringen und zu wenig Zeit für ihre eigenen Bedürfnisse und Hobbys haben. Vor allem berufstätige Väter und Mütter haben in ihrer Ist-Situation meistens keine Zeit für persönliche Erholung, Ruhe und Momente der Reflektion. Die Zeit, die ihnen neben ihrem Job bleibt, verbringen sie mit ihrer Familie und ihrem Partner. Auch Freunde haben wenig Platz in diesem Bild.

So lange die Familie und der Partner die Erfüllung sind und dort Kraft und neue Motivation getankt werden kann, ist an diesem Bild nichts auszusetzen. Schwierig wird es, wenn Familie und Partner eine Belastung werden. Was nützt den Kindern ein demotivierter Vater, der beim gemeinsamen Ausflug dauernd gedanklich abwesend ist? Was nützt eine Mutter, die ausgebrannt und unglücklich ist? Es ist allen Parteien mehr gedient, wenn qualitative Zeit miteinander verbracht wird. Es bleibt auch viel mehr Zeit für gemeinsame Momente und für ein paar ruhige Minuten alleine, wenn lästige Familienpflichten und sonstige Einladungen, die nur Zwang sind, auf ein Minimum reduziert werden. Abgrenzung und Nein-Sagen lohnt sich. Es danken die Liebsten und vor allem auch die eigene Person.

Porträt