Arbeit hat für die Erwerbstätigen eine grosse und zunächst einmal positive Bedeutung. Arbeit bietet Einkommen und Identität. Interessante und abwechslungsreiche Aufgaben, genügend Entscheidungsmöglichkeiten und ein gutes und unterstützendes Arbeitsklima tragen zur Zufriedenheit und Gesundheit bei, ermöglichen Erfolge und fördern das Zugehörigkeitsgefühl zum Betrieb. Nicht zuletzt bietet Arbeit die Möglichkeit, Anerkennung zu erhalten, welche ganz wesentlich zum Selbstwert beiträgt. Arbeit ist damit entscheidend für die Lebensqualität.
Kostenverursacher
Eine mögliche Begleiterscheinung der Arbeit ist jedoch der Stress, welcher langfristig gesehen gravierende Folgen haben kann. Ungünstige Arbeitsbedingungen tragen zum Stress bei, was mittlerweile gut nachgewiesen ist. Dazu gehören ständige Überlastung und Unterbrechungen, Mangel an Anerkennung und Belohnungen, soziale Diskriminierung, eingeschränkte Entscheidungsmöglichkeiten, ungünstiges Führungsverhalten, u.v.m. Mögliche Konsequenzen von Dauerstress sind laut internationalen Studien Herz-Kreislaufkrankheiten, Rückenschmerzen, Burnout und reduzierte Arbeitsleistung. In manchen Fällen führt Dauerstress sogar zum Ausscheiden aus dem Erwerbsleben. Stress führt somit zu hohen Kosten auf individueller Ebene (z. B. persönliches Leid), betrieblicher Ebene (z. B. Absenzen oder Präsentismus) und gesellschaftlicher Ebene (z. B. Gesundheits- und IV-Kosten). Wichtig sind daher Präventionsmassnahmen. Dabei sollte vor allem auf die Schaffung gesundheitsförderlicher Arbeitsbedingungen Wert gelegt werden.
Stress nimmt zu
Stress ist ein Zustand, der unangenehm ist und mit starken Spannungsgefühlen wie Ärger, Enttäuschung oder Sorgen einhergeht. In der Stress-Studie 2010 wurde der Begriff Stress rein negativ definiert. Das bedeutet, dass Herausforderungen, die bekanntermassen auch angenehmen Nervenkitzel auslösen können, in diesem Zusammenhang nicht gemeint sind.
Auf die Frage «Wie häufig haben Sie sich in den letzten zwölf Monaten gestresst gefühlt?» antworteten vor zehn Jahren noch 27 Prozent der Erwerbstätigen häufig oder sehr häufig. Im Jahr 2010 waren schweizweit bereits 34 Prozent und in der Westschweiz sogar 50 Prozent dauerhaft gestresst (siehe Abbildung 1). Diese Zahlen zeigen mit Nachdruck auf, dass landesweit Handlungsbedarf in den Betrieben besteht.
Hochgerechnet auf die gesamte Erwerbsbevölkerung von 4 313 000 Erwerbstätigen (BfS, 2011) sind ca. 1,47 Millionen Schweizer Erwerbstätige von Dauerstress betroffen. Dabei lassen sich keine Unterschiede zwischen Wirtschaftszweigen, Geschlechtern und Bildungsstufen feststellen. Auffällig ist jedoch, dass junge Erwerbstätige häufiger unter Dauerstress leiden. Betriebe sollten daher bei Massnahmen der Stressprävention prüfen, ob junge Mitarbeitende besonders berücksichtigt werden sollen. Generell sind an erster Stelle Massnahmen der sog. Verhältnisprävention zu empfehlen, die darauf abzielen, die Arbeitsbedingungen zu optimieren. Dabei sollen unnötige Belastungen abgebaut und Entlastungsfaktoren ausgebaut werden.





