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Stress Übergewicht Rückenschmerzen

Gesundheit und Motivation in KMU nicht länger dem Zufall überlassen

Obwohl betriebliche Gesundheitsförderung und deren positiven Effekte in aller Munde sind, spielt sie in vielen KMU noch eine untergeordnete Rolle. Besonders im Bereich der Gesundheitserhaltung und Prävention steckt noch viel ungenutztes Potenzial. Massnahmen für Mitarbeitende wirken erst dann so richtig, wenn auch Führungskräfte mit gutem Beispiel vorangehen und Gesundheitsförderung in die Unternehmenskultur integriert wird. Deshalb gibt es hier erste Tipps zum Umgang mit Stress und Bewegungsmangel.
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Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) ist in vielen Schweizer Klein- und Mittelunternehmen ein Fremdwort, und zwar bei rund zwei Dritteln aller KMU. Die Gründe dafür sind mannigfaltig: Andere Prioritäten, zu wenig Zeit oder fehlende finanzielle Mittel werden oft an erster Stelle genannt. Deshalb nichts zu unternehmen, ist aber falsch, denn eine Reihe von Studien hat gezeigt, dass Massnahmen zur BGF innerhalb von drei bis vier Jahren eine Verringerung der Krankheitskosten bewirken.

Wettbewerbsvorteile

Leistungsfähige und motivierte Mitarbeitende bringen zahlreiche Wettbewerbsvorteile mit sich. So gibt der Schweizerische Verband für Betriebliche Gesundheitsförderung zu bedenken, dass eine Firma, die sich nachhaltig für BGF engagiert, mittel- und langfristig einen Rückgang der unfall- und krankheitsbedingten Fehlzeiten im Personalbereich, eine höhere Arbeitszufriedenheit auf allen Stufen, eine geringere Personalfluktuation, eine Steigerung der individuellen Produktivität und Arbeitsqualität und/oder ein besseres Unternehmensimage und Betriebsklima aufweist.

Entwickeln und entfalten

Massnahmen zur Förderung der Gesundheit im Betrieb können, müssen aber nicht teuer und aufwendig sein. Ein umfangreiches Gesundheitsmanagement zu implementieren, stellt zwar den Idealfall dar, ist aber für Klein- und Kleinstunternehmen in einem ersten Schritt oft nicht realisierbar. Zwingend jedoch sind eine klare Zieldefinition und der Einbezug der Angestellten: Was will die Geschäftsleitung mit einer oder mehreren Massnahmen zur BGF bewirken? Was soll nach einem, zwei oder drei Jahren besser sein? Was würden die Angestellten verbessern? Welche Krankheitssymptome und Gesundheitsbeschwerden treten am häufigsten auf? Dies sind einige der zentralen Fragen, die sich ein Unternehmen stellen sollte, wenn passende Massnahmen zur Förderung der betrieblichen Gesundheit gefunden werden wollen. Das hat einerseits den Vorteil, dass gestressten Mitarbeitenden nicht plötzlich voller Stolz die neue, gesunde Kantinenverpflegung präsentiert wird oder Schmerz geplagte Angestellte einen Workshop zum Umgang mit Stress und Burnout besuchen dürfen. Anderseits bewirken die frühe Information und der Einbezug der Mitarbeitenden vor der Einführung gesundheitsfördernder Massnahmen, dass sie sich ernst genommen und als wichtiger, unersetzbarer Bestandteil des Unternehmens fühlen.

Vorausschauend handeln

Nicht nur ein Unternehmer muss bei seinen Entscheidungen stets künftige Entwicklungen einbeziehen, sondern auch die Angestellten können dazu angeleitet werden. Und zwar, wenn es darum geht, frühzeitig etwas für ihre Gesundheit zu tun. Eine Zusammenstellung der wissenschaftlichen Evidenz für Verhaltensmassnahmen und -prävention der betrieblichen Gesundheitsförderung hat ergeben, dass mit gezielten Massnahmen bereits kurzfristig Verbesserungen der Gesundheitssituation im Unternehmen bewirkt werden können. So können Krankheitskosten verringert und der Absentismus reduziert werden.

Tipps zur Bewegung

Bewegung ist in gemässigter und regelmässiger Form immer sinnvoll. Aber was genau ist damit gemeint? Sportwissenschaftler der San Diego State University in Kalifornien liefern folgende Definition: Jemand bewegt sich «moderat oder mässig intensiv», wenn er in einer Minute 100 Schritte zurücklegt – und zwar möglichst 30 Minuten lang. Viel Denken verhindert zudem sportliche Höchstleistung, denn ein geistiger Kraftakt beeinträchtigt die körperliche Leistungsfähigkeit. Das Gehirn signalisiert «Erschöpfung». Wer sich bei einer mental anspruchsvollen Tätigkeit verausgabt, empfindet eine anschliessende körperliche Belastung als deutlich anstrengender und fühlt sich rascher erschöpft.

Da unser Körper ein ausgeklügeltes System von miteinander arbeitenden Muskelketten, stabilisierenden Bändern und verschieden aufgebauten Gelenksystemen ist, die sich in ihrer Funktion abwechseln und ergänzen, muss der Körper regelmässig bewegt werden. Sonst entstehen rasch Haltungsschäden und Muskelverspannungen. Auch eine ungünstige und vor allem gleichförmige Arbeitshaltung mindert die Arbeitsleistung massiv. Kurzfristig helfen folgende Übungen:

  1. Zur Seite neigen des Kopfes entspannt den Nacken, besonders wenn dabei die Schulter der Gegenseite Richtung Boden zieht.
  2. Sitzend kann der Oberkörper nach vorne gebeugt und der Rücken dabei ganz rund gemacht werden, um den Oberkörper zu dehnen. Noch intensiver wirkt diese Übung durch Umfassen der Fussknöchel mit den Händen.
  3. Damit sich der Rücken entspannt, hilft eine gerade Sitzhaltung mit angezogenen Beinen. Dabei sollen die angewinkelten Beine mit beiden Händen umfasst werden, um beim Versuch gegen den Widerstand der Hände die Beine zu strecken, Entspannung zu erzeugen.

Auch für die Angestellten

Die meisten Angestellten schätzen regelmäs­sige Gesundheitstipps. Ein einfach umsetzbares und trotzdem effizientes Angebot stammt von den Schweizer Drogerien. Alle Details zu den «besser gsund»-Gesundheitstipps sind zu finden auf bessergsund.ch

Politische Ebene: Aktuelles zum Präventionsgesetz

Der Schweizerische Drogistenverband (SDV) setzt sich für die Gesundheitsförderung und Prävention am Arbeitsplatz ein. Der SDV schlägt beispielsweise vor, im Präventionsgesetz (www.bag.admin.ch) als Ergänzung zu den bestehenden Sicherheitsbestimmungen und Gesundheitsschutz im Arbeitsgesetz ein geschicktes Anreizsystem zu integrieren, das Arbeitgeber motiviert und unterstützt, sich freiwillig in ihren Betrieben für die physische und psychische Gesundheit der Angestellten einzusetzen. Der Entwurf des neuen Präventionsgesetzes sieht nichts in dieser Richtung vor. Deshalb wurde im Oktober 2008 eine Stellungnahme zur Vernehmlassung des Präventionsgesetzes eingereicht.

Ebenfalls hat sich der SDV in seiner Stellungnahme zur Vernehmlassung der Gesundheitspolitischen Gesamtplanung des Kantons Aargau im Juni 2010 eingebracht.

«Besser gsund» – konkrete Tipps für Unternehmen

Gesunde Mitarbeitende sind motivierter, leistungsfähiger, glücklicher und damit ein wesentlicher Erfolgsfaktor für das Unternehmen. Deshalb bieten die Schweizer Drogerien ab Januar 2011 wieder Gesundheitstipps für Firmen jeder Grösse und aus allen Branchen an. Insbesondere für KMU haben sich die Tipps als erste oder ergänzende Massnahme zur Förderung der betrieblichen Gesundheit bewährt. Mit praktischen Ratschlägen und nützlichen Gutscheinen aus der Drogerie werden die Angestellten ermuntert, präventiv und selbstverantwortlich etwas für ihre Gesundheit zu tun.

Mehr als 80 Prozent der Mitarbeitenden, die bei einer ersten Evaluation der Aktion «Besser gsund» mitgemacht haben, wünschen die Gesundheitstipps auch weiterhin. Die Umfrage hat auch gezeigt, welche Themen bei den Mitarbeitenden auf grosses Interesse stossen. Deshalb werden 2011 unter anderem Kopfschmerzen, Ernährung im Arbeitsalltag, Rücken- und Schlafprobleme thematisiert.

Firmen können ab sofort die Gesundheitstipps online auf www.bessergsund.ch bestellen. Alles zum Angebot, den Themen und Tipps, den Kosten und der Aktion «Besser gsund» sind auf dem Webauftritt zu finden.

Bei Fragen zur Aktion «Besser gsund»: Schweizerischer Drogistenverband, Anania Hostettler, Tel. 032 328 50 30, a.hostettler@drogistenverband.ch.