Die Wichtigkeit der Backoffice-Mitarbeitenden als Rückgrat des operativen Geschäfts setzt hohe Ansprüche an die Gestaltung, Lenkung und Entwicklung dieser Berufsgruppe. Diesen Ansprüchen werden Unternehmen nicht immer gerecht. Oft fehlen klar formulierte Job-profile und Schnittstellen. Im Weiteren sind Stellvertretungen nicht geklärt und es mangelt an Entwicklungsmöglichkeiten. Das Berufsbild des Backoffice-Mitarbeitenden kämpft zudem mit Akzeptanz- bzw. Imageproblemen. Aussagen wie «… jeder, der das Schreibmaschineschreiben und die Standard-Office-Produkte beherrscht, kann im Backoffice arbeiten» sind keine Seltenheit. Diese Konstellation führt nicht selten zu einem hohen Frustrationsniveau der betroffenen Mitarbeitenden.
Mögliche Ursachen
Obwohl fast jedes grössere Unternehmen mit der gleichen Problematik konfrontiert ist, fehlt es an pragmatischen Lösungen. Es gibt kaum bereichsübergreifende Projekte zum Thema Sekretariate. Dies mag drei Ursachen haben: Erstens gilt es, drei unterschiedliche Interessen unter einen Hut zu bringen: die der Back-office-Mitarbeitenden, der Linienverantwortlichen und des Gesamtunternehmens. Zweitens sind die Erwartungen und Anforderungen an Aufgaben im Backoffice sowohl unternehmens- als auch personenspezifisch. Und drittens gibt es in der Schweiz kein «Berufsbild» Backoffice, das ausreichend Orientierung bieten könnte.
Zentrale Problemfelder
1. Qualitativ hochstehende KV-Ausbildung
Backoffice-Mitarbeitende in der Schweiz verfügen in der Regel über eine qualitativ hochstehende und etablierte kaufmännische Grundausbildung. Es stellen sich jedoch zwei Fragen: Inwieweit bereitet der Generalistenansatz des Schweizer KV-Ausbildungssystems auf spezifischer Sekretariats- bzw. Assistenzaufgaben in der Praxis vor? Und wie werden die in der KV-Ausbildung geweckten Erwartungen in Richtung Selbstständigkeit und eigenverantwortliches Arbeiten im Berufsalltag tatsächlich erfüllt?
2. Breites Spektrum an Aufgaben im Backoffice
Viele der Backoffice-Mitarbeitenden arbeiten in einer durchschnittlichen Arbeitswoche an mehr als 30 unterschiedlichen Aufgaben: Von Koordination und persönlichem Zuarbeiten über Arbeiten der Datenpflege bis hin zur eigenverantwortlichen Sachbearbeitung. Möglichkeiten zur Effizienzsteigerung durch Spezialisierung werden kaum genutzt. Alle arbeiten an allem – dies oft entgegen dem Bauchgefühl der Betroffenen.
3. Verwässerung der Aufgabenbereiche und hohe Erwartung an Flexibilität
Eine strikte Aufgabenzuordnung in die Bereiche klassisches Sekretariat und Sachbearbeitung ist heute nicht möglich. Koordinierende Aufgaben dominieren zunehmend den Tagesablauf: Koordination von Meetings und Reisen, Koordination innerhalb von Projekten und vieles Weitere mehr. Damit steigt die Gefahr von Schein- oder Non-Jobs: Der «Beitrag zum Ganzen» ist weder für die Backoffice-Mitarbeitenden noch für die Linie transparent, Resultate sind schwierig mess- bzw. beurteilbar. Gemeinsam mit der oft fehlenden Definition von Schnittstellen (wer macht was?) erfordert der Job eines Backoffice-Mitarbeitenden eine extrem hohe Anpassungsbereitschaft und Flexibilität.
4. Diffuse Jobprofile
Systematisches Job-Design, verbunden mit Qualifikationsanforderungen und Kompetenzprofilen, liegt selten vor. Koordinierende Aufgaben, die einen Grossteil der Kapazität beanspruchen, werden in den Stellenprofilen oftmals vergessen. In ausführlichen Prozess- und Projektbeschreibungen der Linie tauchen die Aufgaben des Backoffice nicht einmal auf. Betroffene müssen somit tagtäglich die hohe Diskrepanz zwischen der Stellenbeschreibung und dem Tagesgeschäft meistern.
5. Teilzeitarbeit und Jobsharing
Teilzeitarbeit und Job-Sharing gewinnen als Modelle zur flexiblen Gestaltung der Arbeitszeiten bei Backoffice-Mitarbeitenden zunehmend an Bedeutung. Jobs im Backoffice-Bereich bieten sich grundsätzlich für Teilzeitarbeit an. Dazu müssen aber die Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortlichkeiten sowie die Schnittstellen klar definiert werden. Dem Management in Unternehmen fällt es immer noch schwer, diese strukturellen Anforderungen im Alltagsgeschäft organisatorisch umzusetzen. Damit wird die Chance von Teilzeitarbeit vergeben.
6. Perspektivenlosigkeit
Backoffice-Mitarbeitende schliessen eine firmengestützte Weiterbildung erfolgreich ab, um kurz darauf das Unternehmen zu verlassen. Die Entwicklungsmöglichkeiten in Back-office-Funktionen sind bislang sehr eingeschränkt: Entweder erhält eine im Backoffice tätige Person einen grösseren Kompetenzbereich bei einer Beförderung des Chefs oder aber sie wechselt in eine andere Abteilung. Eine eigentliche Karriere ist zumeist nur mit einem Sprung aus dem Beruf heraus in die Sachbearbeitung oder in eine Linienfunktion möglich. Die Weiterbildung ist damit vielfach nicht direkt mit einem Karrierepfad verbunden. Sie dient lediglich der Wahrung des Status quo – und dies wird von den Betroffenen nicht immer akzeptiert. Damit verwundert auch nicht, dass die wenigen Möglichkeiten einer kaufmännischen Weiterbildung in Back-office-nahen Bereichen kaum wahrgenommen werden.
7. «Missfit» zwischen Qualifikation, Erwartungen und Berufsleben
In der Praxis sind in der Regel Personen mit kaufmännischer Ausbildung auf hohem Niveau (z. B. mit Berufsmaturität) gesucht. Zudem gibt es eine wachsende Anzahl sehr gut ausgebildeter Wiedereinsteigerinnen. Die Wahrscheinlichkeit, dass im realen Arbeitsleben die Erwartungen nicht erfüllt werden, man unter- oder überfordert ist, tatsächliche Arbeitszeiten nicht den versprochenen entsprechen, ist gross. Dieses «Missfit» belastet das tägliche Arbeitsleben und die persönliche Zufriedenheit.
8. Wertigkeit und Fluktuationsraten
Das Ansehen und die Wertigkeit dieses Berufsbildes sind immer noch eher niedrig. Die geringe Wertigkeit des Berufsbildes führt zu einer geringeren Zufriedenheit und Motivation in diesen Funktionen, gepaart mit der mangelnden Systematik der Jobprofile und Karrierepfade erhöht dies die empfundene Unsicherheit. Perspektive wird damit oft nur in einem Wechsel des Unternehmens gesehen.
