Pro Jahr verunfallen in der Schweiz 250 000 Arbeitnehmende. Es trifft jeden fünften Bauarbeiter, jeden vierten Gerüstbauer, jeden dritten Forstarbeiter und sogar jeden zweiten Forstlehrling. Besonders tragisch sind diejenigen Unfälle, bei denen Menschen ihr Leben verlieren. Jährlich sterben rund 100 Arbeitnehmende an den Folgen eines Berufsunfalls. Ebenso viele Unfälle enden mit schwerer Invalidität. Das Risiko, bei der Arbeit tödlich zu verunfallen, liegt in der Schweiz mit 2,3 Todesfällen pro 100 000 Vollbeschäftigte vergleichsweise hoch. Es besteht also dringender Handlungsbedarf.
Hauptursache
Mehr als die Hälfte aller Unfälle ereignen sich, weil die Risiken am Arbeitsplatz falsch eingeschätzt werden. Menschen sind keine Genies in der Beurteilung von Risiken. Sie nehmen sich zwar in Acht vor Schlangen und Zecken, impfen sich gegen seltene Krankheiten, versichern sich gegen alles und jedes. Andererseits gehen sie immer wieder unnötige Risiken ein, spielen den Helden und gehen an ihre Grenzen – auch am Arbeitsplatz. Man nimmt beispielsweise eine Absturzstelle wahr, sichert diese jedoch nicht, weil man denkt, dass man ja aufpassen kann. Aber niemand kann von früh bis spät aufpassen. Stress und Ablenkung führen dazu, dass Momente der Unaufmerksamkeit den Berufsalltag prägen. Deshalb sind Sicherheitsregeln für unfallfreies Arbeiten elementar. Sie stehen im Zentrum der «Vision 250 Leben».
Viele Absturzunfälle
Die Suva legt den Fokus künftig noch gezielter als bisher auf die Schwerpunkte des Unfallgeschehens. Laut Statistik lässt sich etwa die Hälfte der Schwerstunfälle auf wenige Risikoschwerpunkte zurückführen: Absturz, Krane, Instandhaltung, Stolpern, Gerüste, Leitern, Forst/Holzernte. Dies sind die Themen mit dem grössten Präventionspotenzial, auch was die Kosten anbelangt.
Um den genauen Unfallursachen auf die Spur zu kommen, klären Sicherheitsspezialisten die schweren Unfälle systematisch ab. Daraus lassen sich schliesslich die richtigen Schlüsse für die Prävention ziehen.
Betroffene als Beteiligte
Das ehrgeizige Ziel, die Anzahl schwerer Unfälle markant zu senken, ist nur in gezielter Zusammenarbeit mit Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften erreichbar. Gemeinsam werden die wichtigsten Sicherheitsregeln erarbeitet, die sich aus den Risikoschwerpunkten ergeben. Damit ist das Bekenntnis zur Förderung der Sicherheitskultur breit abgestützt und wird von den Partnern mitgetragen. Dieses Vorgehen entspricht der Philosophie der Suva, deren Führung sozialpartnerschaftlich geregelt ist. Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind zu gleichen Teilen im Verwaltungsrat vertreten und sorgen gemeinsam für ausgewogene Lösungen. Dieser paritätische Ansatz hat sich vielfach bewährt und ist ein Garant dafür, dass beschlossene Massnahmen von allen Anspruchsgruppen aus Überzeugung mitgetragen werden.