Mensch & Arbeit

So nah an der Praxis wie möglich

Die neue eidg. Berufsprüfung für Technische Kaufleute ab 2027

Die eidgenössische Berufsprüfung für Technische Kaufleute (TK) gehört zu den beliebtesten und grössten Berufsprüfungen der Schweiz. Rund 1000 Kandidatinnen und Kandidaten treten jedes Jahr an – mit einer durchschnittlichen Bestehensquote von rund 66 Prozent. Ab 2027 wird diese Prüfung grundlegend neu gestaltet: praxisnäher, digitaler und stärker kompetenzorientiert als je zuvor.
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Im Oktober 2025 hat das Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) gemeinsam mit dem Trägerverband anavant die neue Prüfungsordnung für die eidgenössische Berufsprüfung Technische Kaufleute (TK) genehmigt. Sie wird erstmals im Jahr 2027 zur Anwendung kommen – und markiert einen wichtigen Schritt in der Weiter­entwicklung eines bewährten, aber konsequent modernisierten Berufsbildungsformats.

Eine Prüfung mit Tradition – und Innovationsbedarf

Die bisherige Prüfung bestand aus acht schriftlichen und einer mündlichen Prüfung, darunter sechs klassische Fachprüfungen wie Finanzmanagement, Personalmanagement und Führung, Unternehmensführung, Supply Chain Management, Marketingmanagement sowie Volkswirtschaft und Recht.

Alle Prüfungen wurden bisher zentral in der Messehalle Basel mit Papier und Kugelschreiber durchgeführt – ein logistisches Meisterwerk bei rund 1000 Kandidatinnen und Kandidaten pro Jahr.

Dieses Format hat sich über Jahrzehnte bewährt, stösst aber zunehmend an seine Grenzen. Die Berufswelt verändert sich rasant: Digitalisierung, Nachhaltigkeit, Kommunikation und Selbstmanagement sind heute ebenso zentrale Kompetenzen wie das klassische betriebswirtschaftliche Fachwissen. Es war an der Zeit, die Prüfung noch näher an die Realität des Berufsalltags Technischer Kaufleute anzupassen.

Handlungskompetenz steht im Zentrum

Die neue Prüfungsordnung folgt der Leitidee: «So nah an der Praxis wie möglich.»

Prüfungen sollen nicht mehr nur Wissen abfragen, sondern die Handlungsfähigkeit in komplexen, realitätsnahen Situationen prüfen. Dazu wurden die bisherigen acht schriftlichen Prüfungen auf vier moderne Prüfungselemente reduziert:

  • Grundlagenprüfung (60 Minuten)
    Eine Kombination aus Single- und Multiple-Choice-Fragen prüft das Verständnis zentraler Konzepte aus allen Themen­bereichen. Damit wird sichergestellt, dass die Kandidatinnen und Kandidaten ein solides Fundament an Wissen mitbringen.
  • Zwei integrierte Fallstudien (je 2,5 Stunden)
    Hier werden zusammenhängende Praxisfälle bearbeitet, die mehrere Themenfelder miteinander verbinden – beispielsweise eine unternehmerische Entscheidungssituation mit Personal-, Finanz- und Marketingaspekten.
    Dank der digitalen Durchführung (BYOD) können neu Videos, Rollenspiele oder Drittapplikationen wie Excel und PowerPoint integriert werden. So können Aufgaben wie das Erstellen eines Flyers, eines Stelleninserats oder einer Finanzanalyse direkt in der Prüfung umgesetzt werden – realitätsnäher geht es kaum.
  • Postkorbaufgabe (Zeitmanagement und Priorisierung, 30 Minuten)
    Eine typische Alltagssituation: Ein voller E-Mail-Posteingang, konkurrierende Aufgaben, begrenzte Zeit. Die Kandidatinnen und Kandidaten müssen priorisieren, planen und Entscheide begründen – zentrale Fähigkeiten in der heutigen Arbeitswelt.
  • Das persönliche Portfolio: Individualität in der Prüfung
    Völlig neu ist das Portfolio, das die Kandidatinnen und Kandidaten über einen Zeitraum von drei Monaten erstellen. Darin dokumentieren sie drei konkrete Projekte, Situationen oder Kompetenzbereiche aus ihrem Berufsalltag.
    Diese schriftliche Reflexion wird durch eine 45-minütige mündliche Prüfung ergänzt, die aus einer Präsentation eines dieser Themen und einem anschliessenden Fachgespräch besteht. Dadurch entsteht ein einzigartiger Einblick in die individuellen Tätigkeitsfelder – eine Premiere in dieser Form bei einer grossen Berufsprüfung in der Schweiz.
  • Zweite mündliche Prüfung: Interaktiv und situativ (30 Minuten)
    In einer weiteren mündlichen Prüfung werden sogenannte Critical Incidents, Mini Cases oder Rollenspiele bearbeitet. Diese Elemente ermöglichen es, spontane Reaktionen, Kommunikationsverhalten und Führungsfähigkeit direkt zu beurteilen – ebenfalls ein klarer Schritt in Richtung Handlungskompetenz.

Digital, sicher und skalierbar

Die Durchführung der neuen Prüfung erfolgt weiterhin zentral – jedoch vollständig digital. Dank einer sicheren Prüfungssoftware und dem Prinzip «Bring Your Own Device (BYOD)» können alle Kandidatinnen und Kandidaten ihre Aufgaben direkt am Computer lösen.

Dies schafft neue didaktische Möglichkeiten und reduziert zugleich organisatorische Aufwände, ohne die hohe Prüfungsqualität und Vergleichbarkeit zu gefährden.

Ein Prüfungsformat mit Vorbildcharakter

Mit der neuen Prüfungsordnung gelingt der Spagat zwischen Modernisierung und Bewahrung der hohen Standards der eidgenössischen Berufsbildung.

Die neue TK-Prüfung 2027 ist nicht nur ein Prüfungsformat – sie ist ein Abbild der modernen Arbeitswelt: digital, vernetzt, praxis­orientiert und individuell.