Mensch & Arbeit

Veloförderung im Betrieb

Der lustvolle Weg zu einer velofreundlichen Unternehmung

Die betriebliche Veloförderung hat sich aus einem verletzlichen Mauerblümchendasein, die in wirtschaftlich schwierigen Zeiten einfach gestrichen wird, zu einer ernst zu nehmenden Aufgabe in vielen Betrieben gemausert. Der Weg dazu ist vielfältig. Er kann von motivierten Mitarbeitenden ausgehen oder durch die Geschäftsleitung in der Firmenstrategie verankert werden.
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Der Patron einer KMU im Emmental nutzt das Velo wenn immer möglich, um seinen Weg von seinem Wohnquartier zum Geschäft mit dem Velo zurückzulegen. Das Velo nimmt in seiner Lebensgestaltung seit jeher einen wichtigen Platz ein, und die tägliche Bewegung tut ihm gut. Umsomehr ist er enttäuscht, dass Mitarbeitende, die einen kürzeren Arbeitsweg haben als er, trotz mehrmaliger persönlicher Gespräche immer noch aufs Auto setzen und seine Vorbildfunktion kaum Wirkung zeigt.

Auszeichnung für Firmen

Welche Möglichkeiten hat ein Betrieb, das Velofahren bei Mitarbeitenden auf dem Weg zur Arbeit, innerhalb des Betriebs und damit – nicht zuletzt – auch für Kundinnen und Kunden zu fördern? Pro Velo Schweiz, die Dachorganisation der Velofahrenden, schreibt seit 1998 den Prix Velo (für velofreundliche) Betriebe aus und belohnt die Gewinner des Hauptpreises mit einem E-Bike der Marke Flyer. Weiteren Betrieben wird das Prädikat «Prix Velo – velofreundlicher Betrieb» verliehen, das diese während zwei Jahren in ihrer Kommunikation nutzen dürfen. Die Ausschreibung für den 7. «Prix Velo Betriebe» erfolgte im Sep­tember 2010, der Einsendeschluss für die Bewerbungen läuft am 31. Januar 2011 ab.

Die Beispiele der Hauptpreisgewinner «Prix Velo Betriebe 2009» zeigen, wie sich die Betriebe Schritt für Schritt, zum Teil in mehrjährigen Prozessen, der betrieblichen Veloförderung verschrieben haben und nun damit punkten. Da bislang alle Hauptpreise an Betriebe mit mehr als 250 Mitarbeitenden gingen, hat Pro Velo Schweiz eine neue Kategorie für KMU innerhalb des «Prix Velo Betriebe 2009» geschaffen und wertet damit in Zukunft rund einen Drittel der Eingaben in Zukunft separat.

Praxisbeispiel 1: Clariant

Clariant (Produkte) Schweiz AG in Muttenz ist ein Paradebeispiel, wie man Veloförderung auch in wirtschaftlich schwierigen Zeiten professionell betreiben kann. Sowohl für den Berufsverkehr als auch für den Verkehr auf dem Firmengelände stehen mehr als 120 Velos und E-Bikes zur Verfügung. Die Velo-Infrastruktur ist mit 340 Veloabstellplätzen auf dem neuesten Stand, und auch bezüglich Aktionen bleibt bei Clariant kaum noch etwas zu wünschen übrig: jährliche Helmaktionen, Velosicherheitschecks und Betriebsausflüge per Velo sind nachahmenswert. Im Rahmen des Mobilitätsmanagements «Mobil zum Ziel» wurden bisherige Massnahmen analysiert, weiterentwickelt und besser verankert. So ist das Thema Mobilität – und ganz zentral darin dem Veloverkehr als gesundes, effizientes und umweltfreundliches Verkehrsmittel – in den Konzernrichtlinien im Bereich Gesundheit und Umweltschutz integriert. Das Projekt «Mobil zum Ziel» ist innerbetrieblich sehr gut abgestützt, da Mitglieder der Geschäftsleitung im Steuerungsausschuss sitzen und das Projekt begleiten. Besonders hervorzuheben ist die breite und gute Kommunikation über Intranet und Mitarbeiterzeitschrift. Die Wirkung der Massnahmen wird anhand von Erhebungen des Modalsplits überprüft (eine jährliche Zunahme des Veloanteils von ein bis zwei Prozent wird ausgewiesen).

Beispiel 2: Flughafen Genf

Bei der Betreiberfirma des internationalen Flug­hafens Genf erhalten alle Angestellten eine Prämie (prime d’écomobilité), wenn sie ihre Pendlerwege hauptsächlich zu Fuss oder mit dem Velo zurücklegen. Die Prämie in der Höhe von 440 Franken wird denjenigen Angestellten ausbezahlt, die weder ein Parkplatzabonnement noch ein vom Betrieb subventioniertes Abonnement des öffentlichen Verkehrs beanspruchen. Mit der Unterzeichnung der Vereinbarung für die Prämie verpflichten sich die Mitarbeitenden, höchstens sechs Mal im Monat individuell motorisiert zur Arbeit zu kommen. Auf dem Intranet thematisiert die Firma das Thema Velo mit empfohlenen Veloanfahrtsrouten, die auch das Höhenprofil und den Zeitbedarf für die einzelnen Strecken sowie die Veloinfrastrukturen am Flughafen wiedergeben und weitere nützlichen Informationen für die Nutzung des Velos. Weiter setzt sich die Betreiberfirma des Aéroport de Genève bei weiteren Flugplatzgemeinden für eine vernetzte Veloförderung und das Eliminieren von Schwachpunkten auf den verschiedenen Zufahrtsstrecken zum Flugplatz ein.

  • Engagement für eine gute Veloinfrastruktur ausserhalb des Betriebs:
  • Engagement bei Behörden, um die Veloinfrastruktur (Veloweg, Strassenübergänge, Signale) für Pendler zu verbessern.

Verändern des Verhaltens der Mitarbeitenden

  • Schaffen von finanziellen Anreizen, für Mitarbeitende, die den Arbeitsweg mit dem Velo zurücklegen:
  • Belohnung mit einer Prämie in der Höhe eines ÖV-Pendlerabonnementes.
  • Vergütung des Halbtax-Abos.
  • Ausrichten eines Ökobonus.
  • Erheben einer Gebühr für das Benutzen eines Autoabstellplatzes.
  • Aktionen:
  • Teilnahme bei der Aktion «bike to work».
  • Gratis-Velo-Reparaturtage.
  • Organisation von Elektrovelo-Probefahrten.
  • Velohelm-Aktionen.
  • Durchführen des Geschäftsausflugs per Velo.
  • Abgabe von Velotourenführern an die Mitarbeitenden zur Motivation der Nutzung des Velos auch in der Freizeit.
  • Organisation eines Velofahrkurses mit einem Regionalverband von Pro Velo Schweiz.

Welche Wirkungen hat die Veloförderung im Betrieb?

  • Gesundheit:
  • Menschen, die sich regelmässig bewegen, sind erwiesenermassen weniger krank.
  • Eine körperliche Aktivität von mindestens 20 Minuten täglich reduziert das Risiko einer Herz- oder Kreislauferkrankung erheblich.
  • Physisch aktive Menschen sind ausgeglichener, leistungsfähiger und resistenter gegen Stress.
  • Imagegewinn:
  • Die Veloverkaufszahlen boomen. Mit einem velofreundlichen Klima im Betrieb lässt sich auch in der externen Kommunikation punkten.
  • Mitarbeiterbindung:
  • Ein Arbeitsplatz mit einer guten Veloinfrastruktur kann mit ein Grund sein, warum Mitarbeitende einem Unternehmen treu bleiben.
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