Was vor Jahrzehnten noch als sinnvolles Mitarbeiterauskunftssystem taugte, verkommt heute vielerorts zum angestaubten Nebenschauplatz, da die wichtigsten Informationen aus dem Bereich Human Resources (HR) jederzeit in modernen HR-Management-Systemen online abrufbar sind. Doch die Papierakte lebt in ihrer Rolle als juristisch unanfechtbares Beweismaterial tapfer weiter. Auch wenn in den vergangenen Jahren ein Grossteil der HR-Prozesse modernisiert und auf IT-gestützte Lösungen umgestellt wurde, fristet das Personaldossier nach wie vor ein Dasein, wenngleich mittlerweile etwas stiefmütterlich. Es endet auch heute so mancher perfekt durchgestylte, automatisierte und digitale HR-Prozess wie die Zielvereinbarung oder die Mitarbeiterbeurteilung mit ausgedrucktem, von Hand unterschriebenem und in der Personalakte abgelegtem Papier. Aus der Traum vom papierlosen Büro?
Papier noch im Vordergrund
Das Thema Personaldossier präsentiert sich von zwei Seiten: der Aktenzugriff auf der einen und die Aktenpflege auf der anderen Seite. Häufig aber wird, wenn es um eine digitale Lösung geht, das Thema nur vom ersten Aspekt her betrachtet. Um den Arbeitsalltag von HR und Linie zu vereinfachen, wird ein ortsunabhängiger Aktenzugriff gefordert, um damit auch den «Schattendossiers» – zu finden in Schreibtischschubladen oder lokalen Dateiablagen der Führungskräfte – den Garaus zu machen. Nichts einfacher als das: Man nehme alle Papierdokumente, scanne sie ein und stelle sie elektronisch und webbasiert zur Verfügung. Dafür genügt ein simples Dokumenten-Management-System (DMS), mit einer gewissen Intelligenz, was Zugriffe und Berechtigungen angeht. Wer nun aber denkt, über ein digitales Personaldossier zu verfügen, liegt weit daneben. Denn dieser Ansatz lässt zu viele Wünsche offen. Zunächst einmal schafft er Redundanzen, da alle oder zumindest viele Dokumente sowohl papierbasiert als auch in elektronischer Form vorliegen. Und was von Führungskräften sicher als Arbeitserleichterung wahrgenommen wird, schafft beim Human Resources Management (HRM) leider vor allem eines: Mehrarbeit. Wirkliche Effizienzsteigerung und Kostenersparnis sind so nicht zu bewirken. Eine auf diese Weise geschaffene digitale Personalakte ist zunächst einmal eine elektronische Dokumentenablage und nicht zwangsläufig auch ein rechtsgültiges digitales Dossier. Das Papier hat hier nach wie vor den «Lead».
Das «echte» E-Dossier
Liebäugelt ein Unternehmen mit einem echten digitalen Personaldossier, müssen die HR-Prozesse unter die Lupe genommen werden. Am Ende vieler HR-Prozesse entstehen aktenpflichtige Dokumente als Prozessresultat, andere wiederum werden durch einen Akteneintrag ausgelöst. Es ist somit eine detaillierte Analyse des Status quo nötig: Wo überall entstehen Dokumente, und auf welchen Kanälen finden sie ihren Weg in das Personaldossier? Wie sehen diese Prozesse heute aus, wie können sie sich in Zukunft abspielen? Anstatt beispielsweise ein Dokument zu erzeugen, auszudrucken, zu unterschreiben und wieder einzuscannen, kann der Prozess selbst direkt ein digitales Dokument generieren, das automatisch in die digitale Personalakte des Mitarbeiters wandert. Also ohne Papier. Andere Dokumente erreichen das Unternehmen auf dem Postweg und müssen gescannt und abgelegt werden: zentral oder dezentral. Häufig werden diese Abläufe mithilfe von Barcodes organisiert.
Hinter all diesem Bestreben stehen Kosten, Raum und Zeit als wichtigste Treiber. Doch echte Einsparungen entstehen am Ende nur, wenn man sich von den Papierakten komplett trennen kann, was in der Tat möglich ist. Die gesetzliche Situation in der Schweiz erlaubt dies, sofern bestimmte Richtlinien streng eingehalten werden. So muss unter anderem durch Dateiformate wie PDF/A und TIFF G4 die Unveränderbarkeit der Dokumente gegeben sein. Weiterhin müssen die Dokumente auf einem unveränderbaren Medium gespeichert werden. Dazu zählen unter anderem Hightech-Speicherlösungen der Anbieter Ixos oder NetApp, die die rechtssichere Archivierung und Datenverschlüsselung garantieren, oder natürlich die guten alten CD und DVD. Ist die Speicherung auf veränderbaren Medien erfolgt, muss die Herkunft mittels digitaler Signatur sichergestellt werden. Neben der Speicherung am richtigen Ort und im korrekten Format müssen weiterhin alle Zugriffe nachweisbar protokolliert sein.