Was ist, wenn Selbstzweifel auftauchen, wenn Beruf und Privatleben einfach nicht mehr zu vereinbaren sind oder wenn sich kein Partner zum beruflichen Austausch findet? Dann genügt die in den vielen Ausbildungen erworbene Management-Theorie oft nicht mehr. Eine Auszeit ist nötig, um wieder Kraft zu schöpfen. Dabei sollte sich nach dem Kräftetanken Substanzielles verändern. Die Globalisierung macht ja nicht Halt, ebenso wenig Kostendruck, Produktivitätssteigerung und gesättigte Märkte. Etwas muss geschehen, fragt sich nur, was. Diese bekannte Situation treibt Chefs und Kader die Wände hoch. Hilfe wird gesucht und Sofortmassnahmen sollen Remedur schaffen.
Blick in die Praxis
Aktuelle Bedürfnisse und Problemstellungen: Diese leiten sich in der Regel aus einem wahrgenommenen Defizit innerhalb des Unternehmens ab. Häufige Szenarien sind:
- Die Verkaufsmannschaft bringt nicht die erwarteten Resultate und eine genauere Analyse bringt Schwächen in der Akquisition und in der Verhandlungsführung an den Tag. Die ganze Vertriebsorganisation wird mit internen oder externen Trainern geschult. Auch Innendienst und Sachbearbeiter werden einbezogen.
- Innere Kündigung und allgemeine Unzufriedenheit der Mitarbeiter wird als Defizit in der Kommunikation der Führungskräfte mit ihren Mitarbeitenden geortet. Das Unternehmen führt Mitarbeitergespräche ein, die Verantwortungsträger erhalten einen Leitfaden zum Beurteilungsbogen und werden in dessen Handhabung geschult.
- Die Kundenzufriedenheit ist in den letzten Monaten abgesackt. Alle Mitarbeiter mit Kundenkontakt, von der Telefonistin bis zum Auslieferungschauffeur, werden in einem Programm auf Kundenfreundlichkeit getrimmt. Es gibt Aufkleber und Aufsteller für den Arbeitsplatz, Plakate hängen in den Betriebsräumen und verkünden die Regeln der Kundenorientierung. Besonders engagierte Mitarbeiter werden ausgezeichnet und in der Mitarbeiterzeitung werden Briefe von zufriedenen Kunden publiziert. Eine Informationskampagne appelliert an den Berufsstolz der Mitarbeiter und erinnert sie daran, dass Freundlichkeit zur Pflicht erhoben wurde.
Tüchtige Portion Ernüchterung
Diese drei Fälle sind nur beispielhaft für viele andere und nicht ganz frei erfunden, wie jeder Berufstätige bestätigen kann. Alle haben sie in den vergangenen Jahren ihre Dosis abbekommen. Doch Hand aufs Herz: Hat sich wirklich etwas verändert? Lässt sich aus Überzeugung sagen, «bei uns ist es besser geworden», sprechen die Resultate und die erhobenen Daten eine deutliche Sprache? Für die meisten Unternehmen enden diese Aktivitäten in einer gehörigen Portion Ernüchterung. Die Folge ist Abbruch der Übung und Mittelkürzung.
Das zentrale Problem
Ein immer wieder gehörter Vorwurf in Richtung Personalentwicklung ist: zu teuer, zu theoretisch, bringt nichts. Geradezun gebetsmühlenhaft wird dies wiederholt, und dem kritischen Beobachter stellt sich natürlich die Frage, ob die Fingerzeiger nicht einen wesentlichen Anteil zu dieser beklagten Praxisferne beitragen. Tatsächlich ist die Hauptschwierigkeit in diesem Geschäft, eine nachhaltige, messbare oder beobachtbare Wirkung zu erreichen. Der Transfer aus der «heilen» Seminar- und Schulungswelt in den beruflichen Alltag ist und bleibt der «Acid-Test» aller PE-Massnahmen (Persönlichkeitsentwicklung). Viele Instrumente des Transfers wie Entsendungs- und Rückkehrgespräche, Umsetzungs-Commitments, Log- oder Lerntagebücher, Transfer-Workshops, Transfergruppen und Network-Transfergroups sind hinlänglich bekannt. Zu selten unterstützt von den Programmverantwortlichen (weil sehr arbeitsintensiv) und zu wenig gefordert und in Leistungsbeurteilungen besprochen durch die Vorgesetzten, frönen sie ein Mauerblümchen-Dasein.
In der Wahrnehmung der Autoren dieses Artikels ist der Hauptgrund für die Umsetzungspleite in den Einstellungen und Erwartungen der Führungskräfte zu suchen. Viele Unternehmen geben sich fehlertolerant: «Man darf bei uns Fehler machen, allerdings nur einmal denselben, denn schliesslich müssen ja daraus auch Konsequenzen gezogen werden.» Diese Aussage widerspricht allem Wissen um das Lernen. Kaum eine Erfindung hätte je die Serienreife erreicht, wenn nach dieser Methode vorgegangen worden wäre und kaum ein Erfolg, der diesen Ausspruch nicht Lügen straft.
Lernen entsteht durch wiederholtes Fehler-machen, und Erfolg ist nur durch Misserfolg möglich.