Mensch & Arbeit

Arbeitsmarkt im Umbruch (Teil 4 von 4)

Coaching: Der bewährte Wecker für schlummernde Ressourcen

Coaching ist eine intensive Beratung und Begleitung in beruflichen und persönlichen Fragen. Es geht für den Ratsuchenden darum, einen Überblick über die eigene Situation zu erhalten und gegebenenfalls Konsequenzen zu ziehen. Coaching bedeutet somit Hilfe zur Selbsthilfe. Aufgabe des Coachs ist in erster Linie, Dinge zu hinterfragen und nicht fertige Lösungen anzubieten. Gerade in konjunkturell schwierigen Zeiten kann geschicktes Coaching Gold wert sein.
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Coach ist eigentlich das englische Wort für Kutsch: Kutsche = Mittel zur Erreichung eines Ziels. Der Coachee (Klient) formuliert das Ziel, das er erreichen will. Der Coach ist sein Wegbegleiter in den Phasen der individuellen (Weiter-)Entwicklung. Der Coach hält nicht die Problemlösungen parat, er ist neutraler Gesprächs- und Interaktionspartner und funktioniert als Wegweiser für seinen Coachee. Als Vertrauensperson führt der Coach seinen «Schützling» dorthin, wo dieser hin will, wo er seine Fähigkeiten optimal entwickeln und einsetzen kann.

Antworten auf Veränderungen

Es werden immer komplexere Anforderungen und Erwartungen an die Führungskräfte gestellt. Die Bedeutung «weicher» Faktoren wie Kommunikation oder emotionale Intelligenz in der Führung nimmt ständig zu. Hier ergibt sich für Vorgesetzte zunehmend ein Bedarf an externer Unterstützung. Die Organisation von Beratung und Hilfe ist kein Eingeständnis von Schwäche, sondern ein Zeichen dafür, dass jemand herausfordernde Situationen und Probleme eigenverantwortlich in den Griff bekommen will. So können in einem Coaching-Prozess beispielsweise erstarrte und hemmende Wahrnehmungs- oder Denkmuster aufgebrochen und neue Verhaltensweisen herbeigeführt werden.

Auslösende Momente

Auslöser für ein Coaching können ganz unterschiedliche Situationen sein. Häufig ist einer der folgenden vier Punkte Auslöser:

  • Äussere Umstände, z.B. Konflikte mit einem Mitarbeiter.
  • Neue berufliche Situation, die mit einer unabhängigen Fachperson besprochen werden soll.
  • Persönlichkeitsentwicklung, z.B. Nein sagen zu lernen.
  • Wunsch, immer besser zu werden.

Coaching ist ein lösungsorientierter bzw. erfolgsorientierter Lernprozess. Der Coach gibt dem Ratsuchenden die Gelegenheit, über seine Probleme zu sprechen. Er leistet Unterstützungen beim Abbau von inneren Blockaden, bei der Freisetzung von Potenzialen oder bei der Realisierung von Verhaltensänderungen. Sichtbare Resultate eines Coaching-Prozesses sind etwa eine Stärkung des Selbstbewusstseins, eine verbesserte Fähigkeit, Ziele setzen zu können, oder ein erfolgreiches Stressmanagement.

Einzel-Coaching

Im Mittelpunkt steht die Analyse der verschiedenen Verhaltensweisen bei sich selbst und den anderen. Ziel ist, das eigene Potenzial auszuschöpfen und möglichst situationsgerecht umzusetzen. Der Einzel-Coaching-Prozess umfasst:

  • Kennenlernen der eigenen Stärken, Fähigkeiten, Begabungen und Neigungen, aber auch der Schwächen und Grenzen.
  • Erkennen sowohl von äusseren als auch von inneren Barrieren, welche die Selbstentfaltung behindern.
  • Sich bewusst werden von Wünschen, Bedürfnissen und Visionen.
  • Erforschen der körperlichen und psychischen Wechselwirkungen.

Coaching braucht Zeit

An die Durchführung eines Coachings sind einige Voraussetzungen geknüpft, ohne die ein von der Beziehung zwischen Coach und Klient getragener Beratungsprozess nicht gelingen kann:

1. Freiwilligkeit

Das Coaching ist freiwillig gewünscht. Der Gecoachte hat ein eigenständiges und begründetes Interesse an einer Beratungsbeziehung. Wer nicht beraten werden will, kann nicht beraten werden. Ein Coaching kann daher ohne eigene Einsicht nicht «von oben verordnet» werden.

2. Persönliche Akzeptanz

Bedingung ist, dass der Gecoachte sowohl die Beratungsbeziehung als auch die Person des Coachs akzeptiert. Anderseits muss ein Coach unabhängig und neutral sein. Das ist besonders wichtig, wenn es sich dabei nicht um einen aussenstehenden Berater, sondern um eine firmeninterne Fachperson, beispielweise aus der Personalabteilung, handelt.

3. Diskretion

Die im Coaching thematisierten Inhalte müssen vertraulich bleiben. Auf keinen Fall dürfen sie zur Beurteilung des Gecoachten verwendet werden. Ohne Offenheit und Vertrauen, aber auch Verschwiegenheit gibt es keinen erfolgreichen Coaching-Prozess. Diese drei Grundvoraussetzungen müssen zwingend an der ersten Sitzung vereinbart werden. Im Durchschnitt erstreckt sich ein Coaching über fünf bis acht Sitzungen, die regelmässig, zum Beispiel im 14-Tage-Rhythmus, stattfinden. Der Coaching-Prozess ist somit zeitlich und thematisch eng begrenzt, kosteneffizient und auf die individuellen Bedürfnisse des Klienten zugeschnitten. Häufig lassen sich Klienten später in unregelmässigen Abständen punktuell weitercoachen.

Porträt