«Key Account Management ist weit mehr als Verkauf beim Grosskunden», bestätigt Rosella Toscano, Lehrgangsleiterin CAS Sales- und Marketing-Management am Management-Weiterbildungszentrum der FHS St.Gallen (Fachhochschule). Zusammen mit Dr. Pius Küng, Dozent an der FHS St.Gallen und Inhaber des Beratungsunternehmens «Dr. Pius Küng & Partner» hat sie im Fachbuch «Key Account Management» den Nutzen und die Umsetzung eines professionellen Schlüsselkunden-Managements beschrieben.
Die «gläserne Decke»
Grundsätzlich macht Key Account Management für alle Unternehmen Sinn. Ziel des Konzepts ist es, die sogenannte «gläserne Decke» zu durchbrechen. Das bedeutet kurz gesagt: Den Schlüsselkunden nicht einfach nur Produkte und Dienstleistungen zu verkaufen, sondern umfassende Gesamtlösungen anzubieten, die für den Kunden zusätzlichen Wert schaffen. Doch bevor es so weit ist, muss das Key Account Management sorgfältig aufgebaut werden. «Zuerst sollte ein Unternehmen die notwendigen Voraussetzungen dafür schaffen», rät Toscano. Dazu zählen zum Beispiel eine sorgfältige Analyse und Kategorisierung der Kunden.
Betreuung ist Chefsache
Dank Analysen und Kategorisierungen der Kunden kann ein Unternehmen ermitteln, wer seine Key Accounts sind und wer in Zukunft dazu zählen könnte. Dazu gibt es eine altbekannte Regel: 20 Prozent der Kunden machen 80 Prozent des Umsatzes aus. Was viele aber nicht wissen: In den meisten Fällen sorgen nur gerade 5 bis 20 Kunden für 50 bis 60 Prozent des Umsatzes. Das sind die Key Accounts. Da sie auch für die Konkurrenz sehr interessant sind, ist es wichtig, sich gezielt um sie zu kümmern, ihre Bedürfnisse genau zu kennen und massgeschneiderte Massnahmen für diese zu gestalten.
Wie kann man nun seine Kunden analysieren und die Key Accounts eruieren? Zuerst einmal sollte sich der Unternehmer bewusst sein, was überhaupt unter den Begriff «Kunde» fällt. So sollten auch Zwischenhändler oder externe Beeinflusser in die Analyse miteinbezogen werden. Danach kann sich der Unternehmer die Frage stellen, wie viel Umsatz er bei welchem Kunden erwirtschaften kann. Diejenigen Kunden, die am meisten Umsatz oder den höchsten Deckungsbeitrag aufweisen, zählen zu den Key Accounts. Dabei soll man nicht nur den in der Vergangenheit erzielten Umsatz beachten, sondern auch eruieren, wie viel Potenzial der Kunde in Zukunft noch hat. Diese erste Kategorisierung lässt sich durch eine Portfolio-Methode verfeinern. Dabei werden die Attraktivität der Kunden und die Positionierung des eigenen Unternehmens beim Kunden ermittelt:
- Wie attraktiv sind die vom Kunden belieferten Märkte?
- Wie hoch ist der Umsatzanteil am Totalumsatz des Kunden?
- Wie gut ist die Beziehung zu den kaufwichtigen Personen?
- Wie attraktiv sind die Lösungen für den Kunden?
