Der Grund für dieses Verhalten liegt darin, dass der eigentlich trivialste und wichtigste Teil des Services ausser Acht gelassen wird: Die Befähigung eines jeden einzelnen Mitarbeitenden, die situativen Rückmeldungen von Kunden zu erheben und damit einen exzellenten Service zu unterstützen.
Kunden gewinnen und halten
Schach hat viel mit dem Service gemeinsam. Die Bezeichnung des Spiels kommt aus dem Persischen und bedeutet König. Ein oft gehörtes Sprichwort besagt, dass der Kunde der König sei. Schach ist ein strategisches Brettspiel, dessen Ziel es ist, durch Einsatz der verschiedenen Figuren und deren Fähigkeiten, die als König bezeichnete Spielfigur des gegnerischen Spielers unabwendbar anzugreifen. Oft spielen mehrere Spieler in einem Turniermodus, und folglich ist das Ziel, alle Könige der Gegenspieler nacheinander zu erobern.
Ähnlich verhält es sich mit dem Service: Ziel muss sein, durch die strategische Ausrichtung, das Bereitstellen der notwendigen Mittel und die Befähigung der Mitarbeitenden, die eigenen Kunden sowie jene der Mitbewerber für sich gewinnen und halten zu können.
Was ist Service?
Vielfach wird unter Service der Dienst am Kunden nach dem Verkauf eines Produkts oder einer Dienstleistung verstanden. Diese Reduktion der Serviceleistung ist nicht mehr zeitgemäss. Kunden erwarten eine kompetente, freundliche und zuvorkommende Beratung bereits vor dem Kauf. Beim Schach beginnt das Spiel oft mit einem Zug eines Bauern. Erster Bezugspunkt zu einem Unternehmen für den Kunden sind – unabhängig von Branche und Geschäftstätigkeit – die Mitarbeitenden der unteren Hierarchiestufe. Mit diesem ersten Kontakt beginnt der Serviceprozess als eine Abfolge von Ereignissen. Guter Service bedeutet, jede dieser Situationen mit einem für den Kunden zufriedenstellenden Resultat zu meistern. Service hat also kein Enddatum, es sei denn, der König (Kunde) – und somit das Spiel – geht verloren.
Leider sind sich viele Unternehmen dieser Vernetzung nicht bewusst. Es liegt auf der Hand, dass eine strategische Vernachlässigung des Services langfristig dem Unternehmen erheblichen Schaden zufügt, der nur mit einem enormen Kraftakt sowie grossem finanziellen Aufwand behoben werden kann. Es fällt auf, dass viele Unternehmen, die in wirtschaftlich florierenden Zeiten den Service als notwendiges Übel betrachten, in Krisenzeiten dessen Wichtigkeit erkennen. Als erste Gegenmassnahme werden Serviceleitsätze ins Marketingkonzept eingebunden und gegebenenfalls hohe Summen investiert, was meistens die Freigabe von Mitteln etwa für ein CRM-System (Customer Relationship Management/ Kundenbeziehungsmanagement) bedeutet. Wo aber merkt der Kunde den Unterschied und was bringt es ihm für einen Mehrwert?