Marketing & Vertrieb

Fussballrhetorik

Von Trapattoni & Co. lernen für Vorträge und Präsentationen

Der schottische Fussballspieler und Trainer Bill Shankly sagte einmal: «Manche Leute halten Fussball für eine Sache von Leben und Tod. Ich bin von dieser Einstellung sehr enttäuscht. Ich kann Ihnen versichern, es ist sehr viel wichtiger als das!» Und weil Fussball derart wichtig ist, reicht es natürlich niemals, ihn nur zu spielen. Nein, man(n) muss vor allem auch darüber sprechen. Zum Glück auch, denn aus den Weisheiten und Ergüssen von Fussballgrössen lässt sich eine ganze Menge für die Rhetorik im Businessalltag ableiten.
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«Mein Problem ist, dass ich immer sehr selbstkritisch bin. Auch mir selbst gegenüber.» So tiefgründig sinnierte der ehemalige deutsche Internationale Andreas Möller. Doch wo er das Problem sah, da liegt eigentlich genau der Schlüssel zum Erfolg: Wer vor Publikum tritt – ob als Fussballer oder als Redner, sollte eben gerade eine gute Portion Selbstkritik mitbringen. Wer nicht bereit ist, sich zu reflektieren, kann sein rhetorisches Geschick kaum verbessern. Es empfiehlt sich daher, nach jedem Auftritt kurz innezuhalten und sich zu überlegen, was gut funktioniert hat und wo es zu korrigieren gilt. Da es oftmals schwierig ist, sich diesbezüglich selbst objektiv einzuschätzen, ist es empfehlenswert, auch aus dem Umfeld Feedbacks einzuholen.

Genauigkeit

Vielfach ist man als Redner bei Präsentationen und Referaten auf Zahlenmaterial angewiesen, um Aussagen zu belegen und zu illustrieren. Dabei gilt zu beachten, dass diese Zahlen nicht nur korrekt sein müssen, sondern dass auch die mathematische Logik nicht zu kurz kommt. Der Bosnier Aleksander Ristic macht es vor mit der Aussage: «Wenn man ein 0:2 kassiert, dann ist ein 1:1 nicht mehr möglich.» Und auch Prozentrechnen will gelernt sein! Nicht wie Roland Wohlfahrt aus Deutschland, der genau hier ins Offside lief mit seinem Kommentar: «Zwei Chancen, ein Tor – das nenne ich hundertprozentige Chancenauswertung.»

Genauigkeit ist beim Sprechen vor Publikum in jeder Hinsicht wichtig – nicht nur im Zusammenhang mit Zahlen. Und da präsentiert sich gleich nochmals Andreas Möller als schlechtes Beispiel, wenn er kurz und bündig meinte: «Mailand oder Madrid – Hauptsache Italien!» Der Fussball-Kaiser Franz Beckenbauer bewies etwas mehr Geografiekenntnisse, denn er wusste: «Die Schweden sind keine Holländer.» Bei Reden, Referaten und Präsentationen haben kleine Falschaussagen schon ganze Auftritte komplett versalzen. Die Zuhörerinnen und Zuhörer nehmen bei Ungenauigkeiten nämlich automatisch an, dass es der Redner wohl auch beim Rest der Ausführungen nicht so genau nimmt mit der Wahrheit.

Simple Kernaussage

Ein Referat oder Vortrag sollte sich immer auf eine knackige Kernaussage reduzieren lassen. Je einfacher diese ist, desto erfolgreicher lässt sie sich übermitteln und im Sinn der Zuhörer verankern. Der ehemalige deutsche Fussballer Reinhold Fanz nahm sich das zu Herzen mit der Bemerkung: «Wenn man keine Tore macht, ist es ganz schwer, ein Spiel zu gewinnen.» Simpel und doch absolut zutreffend! Genau wie die Worte des Sportkommentators Marcel Reif: «Je länger das Spiel dauert, desto weniger Zeit bleibt.»

Viel umständlicher und schwerfälliger formulierte sich die Trainerlegende Erich Ribbeck bei einem Interview: «Muss ich das jetzt als Frage verstehen oder die Antwort so beantworten, wie Sie sie in Ihre Frage reingelegt haben? Sie haben Ihre Frage so gestellt, dass ich das Gefühl haben muss, als wenn ich das, was Sie gerade gesagt haben, vorher schon gesagt hätte. Das habe ich aber nicht gesagt. Dem was ich gesagt habe, möchte ich nichts hinzufügen.» Da gibt es wirklich nichts mehr hinzuzufügen ausser: Einfach und klar formulieren, bitteschön!

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