Die Markenartikler tun täglich genau das: Sie machen ihre Produkte begehrenswert – und im besten Fall unentbehrlich. Was aber ist eine Marke, wie entsteht sie, wie verschwindet sie manchmal auch wieder? Der vorliegende Fachartikel gibt die Antworten.
Zusatznutzen schaffen
Der Hauptnutzen eines Schlagbohrers besteht in der Funktionstüchtigkeit. Er soll zunächst mal taugen zum Bohren von Löchern. Und zwar oft und lang, also über Jahre hinweg. Neben der langen Lebensdauer erwartet der Handwerker Betriebssicherheit und geringe Störanfälligkeit. Damit sich aber der Kunde im Laden genau für diesen Schlagbohrer entscheidet und nicht für das Konkurrenzprodukt, sind oft zusätzliche Vorteile ausschlaggebend. Der Bohrer lässt sich beispielsweise mit anderen Geräten koppeln, sodass er auch als Schleif- und Rührmaschine Verwendung findet. Nicht zu unterschätzen ist auch die griffigere Präsentation als das Konkurrenzprodukt, beginnend bei der Verpackung: ansprechend gestaltet, mit nützlichen Informationen, Verwendungstipps usw. Weitere Zusatznutzen liegen möglicherweise in einem tieferen Gewicht, im geringeren Stromverbrauch, in der minimalen Staubentwicklung, in der geräuschloseren Anwendung. Womöglich läuft die Garantie mit zwei Jahren unüblich lange. Der Kunde kriegt seinen Bohrer nach dem Kauf nach Hause geliefert und zur Revision holt man ihn beim Kunden ab. Und weil alles Wertvolle nicht ganz billig ist, unterstützt ein Finanzierungsmodell die Kaufentscheidung.
Neben materiellen Vorteilen fallen auch rein emotionale Nutzen ins Gewicht. Die im Vergleich zu Konkurrenzprodukten formschönere und ergonomischere Gestaltung begünstigt den Verkauf. Zwar arbeitet es sich mit einem schönen Bohrer nicht besser. Aber es ist ein besseres Gefühl. Trägt der Bohrer auch noch einen klangvollen Markennamen, den jeder kennt, ist das Produkt noch einmal wertvoller. Mit diesem kleinen Beispiel ist bereits gesagt, was ein gutes Produkt braucht: Beachtung. Es braucht Beachtung von der ersten Idee beim Hersteller bis zum Gebrauch beim Käufer.
Erscheinung formt das Image
Jedes Kind erkennt diese Packung: ein lang gezogenes Dreieck, darauf der rotgoldene Schriftzug auf dem gelben Hintergrund – Toblerone. Und alle wissen, was innen auf sie wartet: die in einem Stück zu hintereinanderstehenden Dreiecken gegossene Milchschokolade mit Honig-Mandel-Nougat. Oft sind es das Aussehen und die Verpackung, die einen ersten Eindruck über das Produkt vermitteln. Und somit einen Grossteil des Images prägen. Das Produktdesign und die Verpackung helfen, das Produkt von jenen der Konkurrenz unterscheidbar zu machen. Die Scheren der Marke Fiskars erkennt man sofort am Design. Wenn dann noch ein Zusatznutzen hinzukommt, eine Halterung, um die Schere griffbereit an die Wand zu hängen, dann ist der Kaufentscheid massiv gefördert. Wenn schliesslich in der Werbung noch der Slogan «Snips, die erste Schere mit Garage» folgt, ist die Sympathie für das Produkt so gross, dass fast jeder zugreift. Bei Produkten des täglichen Bedarfs, bei Produkten mit häufiger Wiederkaufsrate ist die Verpackung das wichtigste Kennzeichen. Cornflakes verschiedener Hersteller sehen sich auf dem Teller zum Verwechseln ähnlich. Sichtbar unterscheiden lassen sie sich jedoch durch verschieden gestaltete Beutel und Kartons. Je grösser die Wiedererkennung durch die Verpackung, desto hilfreicher für den Verkauf. Toni-Joghurt hatte jahrelang nicht das Joghurt als solches beworben, denn die Qualität dieses Joghurts war bekannt, man warb mit dem Slogan «Toni, das im Glas». Für die unübliche Glasverpackung übernahmen die Hersteller am Anfang sogar das ganze Recycling selbst.
Marke macht den Unterschied
Natürlich können grosse Markenartikler wie Bayer, Procter & Gamble, Unilever usw. mit viel Geld eine Marke aufbauen und dann in die Pflege des Markenartikels noch einmal zig Millionen investieren. Das Geld kommt – meistens – wieder reichlich zurück. Dank hoher Stückzahlen und weltweiter Vermarktung. Aber selbst ein Schreiner, der unverwechselbare Küchen herstellt und einbaut, kann «eine Marke hinterlassen», indem er sein Signet als Brandzeichen auf eine Innenseite drückt. Versicherungs- und andere Berater können eigene Ordner herstellen lassen, auf deren Rücken diskret ihr Logo eingeprägt ist. Diese Ordner, beim Kunden abgegeben, machen die Dienstleistung ein Stück weit zum Markenartikel. Es gibt für KMU viele Möglichkeiten, einen guten Eindruck zu hinterlassen und dies auch mit dem eigenen Logo zu dokumentieren.
Juristisch gesehen handelt es sich bei einer Marke um ein schutzfähiges Kennzeichen. Es kann Buchstaben, Worte, Zahlen, grafische oder fotografische Elemente enthalten. Aufgabe einer Marke ist es, das Produkt oder die Leistung klar erkenntlich und eben auch wiedererkennbar zu machen. Die Marke wird durch entsprechende Werbung «aufgeladen» mit Sympathie und einem positiven Image. Der Wert der Marke wird dadurch gesteigert. Auch in der Kunst ist ein Picasso für viele erst ein Meisterwerk, wenn es seine Signatur trägt und als Picasso eindeutig wiedererkennbar ist. Die Vorstellungen, die mit einem Markenbild verbunden sind, beeinflussen nahezu alle Konsumenten – sogar Kinder. Ein Experiment in Kalifornien zeigte, dass vierjährigen Knirpsen die ihnen vorgesetzten Karotten plötzlich schmeckten, als man sie ihnen in einer Verpackung von Mc Donald’s servierte. Das Markenzeichen stellt nicht nur einen symbolischen Wert dar, für den die Konsumenten bereit sind, mehr zu zahlen als für namenlose Produkte. Namenlose Produkte fallen weder auf noch weiss jemand, was ihn bei diesem Produkt erwartet. Das Markenzeichen stellt vor allem für grosse Unternehmen auch ein Aktivposten dar. Im Jahr 2006 schätzten Experten den Markenwert von Coca-Cola auf fast 70 Milliarden US-Dollar. In einigen Ländern ist es bereits Vorschrift, den Markenwert sogar in der Bilanz auszuweisen.
Träume und gute Gefühle
Hat ein Kunde die Wahl zwischen zwei gleich aussehenden Produkten, entscheidet er sich für das bekannte, für das «sympathischere». Er entscheidet sich also für eine Marke, genauer: für das Bild, das er von dieser Marke hat. Besonders bei Produkten, die über die reine Lebenserhaltung und die reine Funktionalität hinausgehen, erwartet der Käufer eine «Aura». Damit kann das Versprechen von einem höheren Genuss verbunden sein oder ein schöneres Design, aber auch erhöhter Spass. Die Aura von Prada macht es aus, dass eine Frau ein Kleid mit dieser Marke nicht in erster Linie kauft, damit es sie vor Kälte und Nacktheit schützt. Ein Mehrwert, der die Gefühlswelt befriedigt, wird von Kunden kaum nachgerechnet. Fast alle Konsumenten lieben bekannte Marken. Viele dieser Marken vermitteln auch ein Zugehörigkeitsgefühl. Denn die Marke schafft eine Welt, mit der sich die Käufer mehr oder weniger bewusst identifizieren. Ganz deutlich ist dies bei jungen Leuten, die noch auf der Suche nach ihrer eigenen Identität sind. Sie können damit zeigen, zu welcher Gruppe sie gehören möchten. Es ist eine zutiefst menschliche Neigung, mit Gleichgesinnten Spass zu haben oder die Freude zu teilen, gleiche Orte aufzusuchen und Gemeinsamkeiten zu pflegen. Das ist die Basis für viele sogenannte Lifestylemarken.
Marken werden geboren
Viele heute bekannte Marken sind erstens erstaunlich alt und zweitens war der Beginn nicht anders als heute: irgendwo ein Küchentisch, irgendwo ein kleines Büro, eine Garage, eine Werkstatt. Aber vor allem: eine Idee und der Wille, dieser Idee zum Durchbruch zu verhelfen. Coca-Cola entstand aus dem Versuch, ein Kopfwehmittel zu produzieren. Die Leute mochten den colahaltigen Sirup. Daraus entstand bald einmal ein Süssgetränk. Bereits 1886 wurde die Firma Coca-Cola gegründet. Übrigens verkaufte der Erfinder John S. Pemperton sein Rezept wenig später an einen Mr. Candler: für 2300 US-Dollar. Dieser brachte Coca-Cola schliesslich an die Börse … Sogar noch älter ist Kikkoman, die Sojasauce aus Japan: 1623 gegründet. Da erscheint Sony wie ein junger Knabe. Dieses Unternehmen wurde 1946 von Akio Morita mitbegründet, aber erst 1958 von ihm umbenannt. Der Name Sony stammt ursprünglich vom lateinischen «sonus» für Klang ab, das mit dem amerikanischen «Sonny Boy» verschmolzen wurde. Akio Morita hatte die Vision, mit seinem Unternehmen das damals als Billighersteller bekannte Japan zu einem Hightechland zu machen. Viele grosse Markenartikel wurden im Lauf der Zeit zu Gattungsbegriffen. Pampers standen und stehen für Wegwerfwindeln, Jacuzzi für Whirlpools, Thermos für Warmhalteflaschen, Post-it für rasch lösbare Klebezettel, Scotch oder Tesa für Selbstklebebänder usw. Aber nicht alle Markennamen endeten erfolgreich. Heroin war seinerzeit der Markenname eines synthetisierten Opiumprodukts. Ein grosses deutsches Chemieunternehmen lancierte damit einen Hustenstiller für Kinder ...