Alleine bei Google gibt es etwa 37 Millionen Einträge zum Stichwort «Marke». Es ist gut vorstellbar, dass es genauso viele Unternehmens- und Produktmarken gibt. Irgendwo müssen die 3000 Markenbotschaften ja herkommen, denen jeder Mensch in der Schweiz täglich ausgesetzt ist. Zudem werden in Europa jedes Jahr 38 000 neue Marken angemeldet.
Die Vorzüge von Marken
Marken geben Orientierung. Sie geben Sicherheit. Und sie geben das gute Gefühl. Das sind drei Dinge auf einmal, die auch die Branchen interessieren sollten, deren Produkte und Dienstleistungen auf den ersten Blick nicht so sexy und begehrlich sind wie Automobile, Möbel und Schuhe. Am wichtigsten: Starke Marken unterstützen dabei, eine bessere Verhandlungsposition zu haben und die Nachlassdiskussion in erträglichen Grenzen zu halten. Es gibt viele Beispiele dafür, dass sich ein Auftraggeber für ein Unternehmen entscheidet, das zwar hochpreisiger ist, aber ein besseres Image bei ihm hat. Jeder kennt es aus seiner Erfahrung: Wir buchen die teurere Reise, weil der Veranstalter begehrenswert ist; wir gönnen uns diese eine teurere Schokolade, weil uns genau nach ihr gelüstet; wir gehen ins besondere Lokal, weil es einen exquisiten Ruf hat. In jedem Fall bedeutet das: Starke Marken schützen die Preise und verbessern die Stundensätze. Oder wer hat schon mal im Restaurant zu feilschen versucht oder an der Supermarktkasse ein Gegenangebot unterbreitet?
Low-Interest-Produkte
Weshalb kommen dennoch viele Unternehmen daher, als hätten sie von der Kraft der Marke noch nie etwas gehört? Diese Unternehmen brauchen wir alle, aber kaum jemand interessiert sich näher oder begeistert sich sogar für sie. Dazu zählen zum Beispiel der Maschinen- und Apparatebau, Zulieferer für die Nahrungsmittelindustrie, chemisch-pharmazeutische Betriebe und Unternehmen, die im Objektschutz oder im Agrarhandel tätig sind. Dabei arbeiten da doch auch Menschen – und die wissen in ihrem Privatleben und in ihrer Freizeit ganz genau, welche Markenprodukte sie wollen und welche nicht. Wenn man sie aber im Berufsleben wahrnimmt, erscheinen sie eher graumäusig und gramgebückt, gern auch mit dem Entschuldigung-dass-ich-geboren-bin-Ausdruck. Da hilft der schöne Firmenname nichts, genauso wenig das bunte Logo. Maschinen und Teile, Halbfertigprodukte zum Kochen und Braten, Chemikalien und Pharmabedarf, Security-Dienstleistungen und die Landwirtschaft sind vielfach immer noch schlicht und einfach unsexy; sie verkaufen sogenannte Low-Interest-Produkte. Die interessieren zwar nicht wirklich, müssen aber da sein und Maschinen wie das ganze Leben am Funktionieren halten. Am besten sind sie, so die landläufige Meinung, auch noch billig und halten sich hinter den Kulissen auf. Und wenn es mal nicht funktioniert, sind die Schuldigen schnell ausgemacht … Unterm Strich ist bei diesen Unternehmen meist ganz wenig mit gutem Gefühl, mit Begehrlichkeit und unbedingt Habenwollen. Und mit dem Schutz davor, sich billig verkaufen zu müssen.