Jährlich wiederkehrend definieren Unternehmen ihre Strategien zur Kundengewinnung und Kundendurchdringung, die dann durch eine Vielzahl von Verkaufskampagnen und -initiativen konkretisiert werden. Oftmals werden davon unabhängig und sogar unter anderer personeller Verantwortung Produktstrategien und Kampagnen zur Steigerung des Markterfolgs einzelner Produkte entwickelt. Dies führt oft zu Ad-hoc-Lösungen ohne gezielte Ausrichtung auf eine Gesamtstrategie.Potenzial ausschöpfen
Das geschilderte Vorgehen hat zur Folge, dass Verkaufs- und Produktschwerpunkte unter den verschiedenen Involvierten (Verkaufsleiter, Marketingleiter, PM, Promotion) nicht sorgfältig aufeinander abgestimmt sind. So verpufft die Wirkung der unterschiedlichen Kampagnen rasch, ohne dass die vorhandenen Marktpotenziale wirklich ausgeschöpft werden. Um die gewünschten Akzente im Markt zu setzen und eine nachhaltige Wirkung zu erzielen, muss bei der Planung der Marktbearbeitung eine systematische Abstimmung von Produktpotenzialen und Verkaufsschwerpunkten erfolgen (siehe Grafik).
Auf die Produkte abstimmen
Je breiter das Produktsortiment eines Unternehmens ist, desto wichtiger wird die Segmentierung der einzelnen Produkte oder Produktgruppen in unterschiedliche Produktkategorien. Unterschiedliche Produkte nehmen unterschiedliche Rollen wahr und sollen in der Marktbearbeitung differenziert eingesetzt werden. In der Praxis hat sich zur Kategorisierung des Produktsortiments ein Marktbearbeitungsportfolio entlang der Dimensionen «Wahrgenommene Differenzierung» und «Potenzielle Bestellhäufigkeit» bewährt (siehe Grafik unten).
Produkte mit hohem Differenzierungsgrad tragen zur Profilierung der Marke und des Unternehmens bei und eignen sich insbesondere zur Neukundengewinnung. Produkte mit hoher Bestellhäufigkeit sollen insbesondere zur Erhöhung der Kundenbindung genutzt werden. Bezogen auf die Felder im Marktbearbeitungsportfolio lassen sich vier Produktkategorien mit unterschiedlichen Rollen in der Marktbearbeitung unterscheiden:
1. Fokus-Produkte
Bei den Fokus-Produkten handelt es sich um differenzierende Volumentreiber, die bis 60 Prozent des Umsatzes und bis zu 80 Prozent des Deckungsbeitrags bringen. Sie sind die Stars im Produktportfolio und stehen im Zentrum der Marktbearbeitung. Mithilfe produktspezifischer Kampagnen und einer aktiven Steuerung des Verkaufs über produktbasierte Zielsetzungen bis zum einzelnen Verkäufer wird damit die grösste Wirkung am Markt erzielt.
2. Flaggschiff-Produkte
Sie sind trotz geringem Umsatzanteil die Vorzeigeprodukte. Sie werden an Messen ausgestellt und sind prädestiniert für Branding- und Werbekampagnen. Flaggschiff-Produkte wecken durch den hohen Differenzierungs- und Neuigkeitsgrad die Aufmerksamkeit und das Interesse der Kunden und sind somit ideale Tür- und Augenöffner in der Neukundengewinnung.
3. Brot- und Butter-Produkte
Die Brot- und Butter-Produkte bilden das meist unspektakuläre Basisgeschäft. Dieses ist jedoch von zentraler Bedeutung für die nachhaltige Kundenbindung. Im Zentrum der Marktbearbeitung steht deshalb bei diesen Produkten das taktische Pricing, das durch zusätzliche Dienstleistungen unterstützt wird, die zum Beispiel den Bestellprozess und die Lagerhaltung vereinfachen.
4. Portfolio-Produkte
Bei diesen Produkten handelt es sich oft um die Stiefkinder im Produktsortiment. Sie bringen wenig Umsatz und generieren gleichzeitig vergleichsweise viel Aufwand. Berechtigterweise wird deshalb die Existenzberechtigung dieser Produkte immer wieder hinterfragt. Werden diese Produkte jedoch aktiv in Ergänzung und in Kombination mit den anderen Produktkategorien vermarktet (durch intensives Up- und Cross-Selling), kann auch ihr Potenzial entfaltet und genutzt werden.