Auch und gerade für mittelständische Unternehmen stehen im Vertrieb alle Zeichen auf Veränderung. Denn Internet und Social Economy durchdringen, ja bestimmen das Business immer stärker. Bereits heute laufen erhebliche Warenströme über mobile Tools. Dieser Trend wird sich im B2B wie im Endkundengeschäft verstärken. Aber nicht allein deshalb müssen KMU-Chefs im Rahmen ihrer Unternehmensführung ihre Vertriebsstrategien überdenken: Social-Media-Plattformen wie Facebook, Google+, Xing, Twitter sowie Test- und Bewertungsplattformen oder Vertriebskanäle und Couponing-Dienste ändern das Verhalten von Kunden: das Nachfrageverhalten, das Informationsverhalten, das Kaufverhalten und das Verhalten nach dem Kauf. Letzteres mit dem Abgeben von Bewertungen und der selbstverständlichen Erwartung, dass «nach dem Kauf» gleich «mitten im Service» ist. Zudem hinterlassen die Kunden freiwillig eigene Konsumentendaten in den sozialen Netzwerken. Diese Daten können für Vertriebszwecke automatisiert zusammengeführt werden. Letztlich bedeutet das neue Herausforderungen, aber auch neue Chancen für die Vertriebsabteilung.
Der «neue» Kunde
Das Thema Kundenorientierung muss dabei neu überdacht werden. Denn im Zuge der Social Economy hat sich ein neuer Kundentypus entwickelt: der Kunde 3.0: Der Mensch, der als Endkunde oder auch als Unternehmensentscheider Kaufentscheidungen trifft. Dieser Kundentypus steht für sich. Er gehört nicht automatisch der Generation der sogenannten Digital Natives an, und er lässt sich auch nicht nach den üblichen Kriterien wie Alter, Einkommen oder Bildungsniveau klassifizieren. Der Kunde 3.0 ist anders als die Kunden früher: selbstbewusst, präsent, kritisch im Umgang mit Konsum. Er fordert nicht nur Produkte ein, er will sie auch mitgestalten. Und er wendet sich von allem ab, was an alte Rollenschemata erinnert: Marken, die sich auf ihrem ehemaligen Erfolg ausruhen, Unternehmen, die darauf vertrauen, dass der Kunde alten Produkten gegenüber loyal ist, und Manager, die nach dem Motto «Das haben wir immer schon so gemacht» führen. Der Kunde 3.0 ist nicht mehr der alte König, er ist eine medienverwöhnte Prinzessin. Er will verwöhnt und umworben werden.
Den Kunden 3.0 erreichen
Fest steht: Agieren die Unternehmen weiterhin so wie bisher, müssen sie aufpassen, dass sie ihren Kunden in naher Zukunft nicht hinterherrennen. Die Herausforderung besteht für sie in Zukunft darin, den Kunden 3.0 zu erreichen, um in Sachen Vertrieb nicht den Anschluss zu verlieren. Einer aktuellen Studie von Detecon Consulting zufolge kommen die Firmen dabei nicht mehr umhin, Social Media als Servicekanal zu integrieren. Denn Vertrieb findet nicht mehr ausschliesslich im persönlichen Gespräch statt, sondern auch über neue, digitale Kommunikationsformen – und das quasi rund um die Uhr von jedem Ort aus. Wenn nicht schon jetzt, so wird es in Kürze ganz selbstverständlich sein, Kundenanfragen über Blogs zu beantworten sowie Produkte und ihre Nutzung via Podcast zu erklären. Erfolgreiche Grossunternehmen und praktisch alle Dienstleister wie Fluglinien, Reiseanbieter oder Telekommunikationsunternehmen machen das bereits heute so.
So ist das Einbeziehen sozialer Netzwerke in die Vertriebstätigkeit auch für KMU keine Frage des «ob», sondern vielmehr des «wie genau?» Unter anderem müssen sie sich überlegen, wie sie offene Kommunikation in Echtzeit organisieren. Fest steht: Kundenanfragen dürfen nicht erst morgen, sie müssen sofort beantwortet werden. Mit kritischen Beiträgen muss professionell umgegangen werden. Und nicht zuletzt ist die richtige Ansprache via Facebook, Google+ und Twitter wichtig. Erfolgsunternehmen dienen hier wiederum als Best Practice. Der Computer-Hersteller Dell etwa fordert seine Mitarbeiter dazu auf, eigenständig in sozialen Netzwerken zu posten, zu twittern und zu bloggen – unter eigenem Namen und mit Hinweis auf Dell. Ziel ist es, den Kunden Hilfe anzubieten, mit ihnen ins Gespräch kommen. Für diese professionelle Ansprache via Facebook schult Dell seine Mitarbeiter in speziellen Akademien, denn Vertrieb 3.0 ist kein Selbstläufer.
