Marketing & Vertrieb

Marketing und Architektur

Ausstellungsräume im Zeichen der Corporate Architecture

In der jüngeren Vergangenheit ist Corporate Architecture auch in der Schweiz zu einem beachteten Trendthema geworden. Zahlreiche Firmen beziehen ihren dreidimensionalen Auftritt verstärkt in strategische Marketingüberlegungen ein. Und immer mehr Architekten haben verstanden, dass diese Form von Architektur keine Abwertung oder Banalisierung der Raumgestaltung, sondern eine sinnvolle und anforderungsreiche Disziplin darstellen kann.
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Während die Architekten das Thema auf breiter Front aufgenommen oder wenigstens wahrgenommen haben, ist bei den Unternehmern und ihren Marketingverantwortlichen noch ein grosses Potenzial vorhanden. Aber bei Firmensitzen, Produktionsstätten, Filialen oder Bürogebäuden sind die gestalterischen Differenzierungsmöglichkeiten aus verschiedenen Gründen eingeschränkt. Dazu zählen Vorgaben aus Produktionsabläufen, hohe Ausnutzungsziffern der Räume, Offenhaltung zur späteren Umnutzung oder die potenziell höheren Kosten individualisierter Architektur.

Aus diesem Grund bieten Ausstellungsräume eine ideale Plattform, um die Werte eines Unternehmens vorbildhaft und einzigartig darzustellen.

Die Fassade ist nicht das Ende

Für viele bedeutet Corporate Architecture, oder Architektur im Allgemeinen, die äussere Erscheinung eines Gebäudes in Form, Farbe und Material, vielleicht auch noch mit Berücksichtigung der Konstruktion. Aber Architektur spielt sich nicht nur in der Fassadengestaltung ab, auch im Innenbereich sind die Herausforderungen gross und facettenreich. Hier geht es um behagliche Arbeitsräume, um Zonen des Austausches – und damit sind nicht nur Sitzungsräume gemeint. Werkstätten können ebenso einbezogen werden wie Toiletten oder eben Verkaufs- oder Ausstellungsräume.

Werteplattformen

Wenn Gäste einen Ausstellungs- oder Showraum betreten, sehen und fühlen sie sofort, in was für einem Unternehmen sie sich befinden. Ist der Raum angenehm temperiert, riecht die Luft frisch und rein oder ist das Gegenteil der Fall? Dies zeigt in Sekundenbruchteilen, welche Bedeutung der Kunde geniesst. In einem Showroom sind aber auch noch weitere Elemente zentral: Sind die Produkte nur ausgestellt oder sind sie sorgfältig inszeniert? Daran kann sofort erkannt werden, ob das Unternehmen stolz auf seine Erzeugnisse ist. Wird mit sinnlichen Elementen wie beispielsweise Licht, Ton oder Klang, manchmal sogar mit Duft gespielt? Dann wird in diesem Haus eine Kultur gelebt, in der auch das Detail als wichtig erachtet wird. Bewusst oder unbewusst nimmt jeder Mensch, der einen detailliert inszenierten Raum betritt, diese Zeichen wahr. Man fühlt sich wohl und es lädt zum Verweilen ein. Dass in einer solchen Umgebung der Wille um ein Vielfaches höher ist, ein Produkt zu kaufen oder eine Dienstleistung in Anspruch zu nehmen, müsste jedem Unternehmer bewusst sein.

Den Rohstoff symbolisiert

Ein Beispiel ist die Firma Cosentino in Schmerikon am Zürichsee. Das Unternehmen, das auf die Verarbeitung von Natursteinen spezialisiert ist, hat sich zum Ziel gesetzt, seine Natursteinprodukte durch eine klare Formensprache und hochwertiges Design in Szene zu setzen. Schon der Anblick der Fassade verspricht keine 08/15-Ausstellung im Inneren des Gebäudes. Während die Aussenhaut den Stapeleffekt eines Natursteinblocks symbolisiert, wie er beim Zersägen des Steinblocks entsteht, findet man sich im Innern in einem introvertierten und homogenen Raum aus edlem Stein. Auch Sitzbank und Badewanne sind aus demselben Material und demonstrieren eindrücklich den Stolz zu dem, was hier produziert wird.

In Beton gegossenes Postulat

Beim zweiten Beispiel handelt es sich um das Laufen Forum, das neue Ausstellungsgebäude der Keramik Laufen AG. Mit dem Neubau wurde eine bauliche Ikone geschaffen, die als Zentrum und damit auch als Headquarter für das Unternehmen dient. Es entwickelt eine hohe Ausstrahlung und setzt die Produkte von Laufen gekonnt in Szene. Die Formgebung und die Materialisierung unterstützen den Brand von Laufen nonverbal. Das ovale Gebäude lehnt sich an die neuen Designentwicklungen von «Laufen bathrooms» an, der Beton symbolisiert die Produkte aus einem Guss. Das Besucher- und Ausstellungszentrum unterstützt eindrücklich und erfolgreich den «Premium-Brand» und steigert den Bekanntheitsgrad und die Kundenbindung. Die Themen «Fliessen» und «Homogenität» lassen den Zusammenhang zwischen Produkt, Produktion und Architektur spürbar werden.

Es gelingt mit dem Neubau in signifikanter und nie anbiedernder Weise, den Anspruch der Firma nach hoher Qualität und zeitlos funktionalem Design zu vermitteln. Alle gesteckten Ziele sind mit diesem Bauwerk des Architekturbüros Nissen + Wentzlaff mehr als nur erreicht worden.