Seit dem Start der Corona-Pandemie im Frühjahr 2020 ging es für viele Unternehmen unvermittelt in die Cloud. In den kommenden drei Jahren soll eine Cloud-First-Strategie bei der Mehrheit der Betriebe vorherrschend sein – das prognostiziert der Bericht «The Future of the Cloud» von Gartner. Voraussichtlich fast alle Applikationen werden dann auf Cloud-Plattformen bereitgestellt.
Ausgabenprozess schaffen
Das liegt in erster Linie an den zahlreichen Vorteilen von Cloud-Lösungen: Daten lassen sich in der Cloud verarbeiten, Anwendungen hosten sowie Bandbreite, Applikationen, Speicher und Server mieten. Dies führt zu einem besseren Stand im Wettbewerb, da das Unternehmen produktiver, flexibler und agiler wird.
Bei dem hier beschriebenen Szenario handelt es sich jedoch um eine ideale Situation, die oftmals nicht mit der Realität übereinstimmt. Denn die Firmen haben ihre Cloud-Ausgaben laut einer Studie von Gartner aus 2021 weder im Blick noch unter Kontrolle: Die Kosten sind bis zu 70 Prozent höher als nötig. Damit es nicht so weit kommt, sollten Unternehmen klären, welche Kosten aktuell durch die Cloud-Nutzung entstehen und wer für welche Cloud-Dienste und Ressourcen verantwortlich ist. Besonders der zweite Punkt stellt häufig eine Hürde dar. Da oftmals verschiedene Abteilungen und Mitarbeiter dieselben Dienste nutzen, bleiben Verantwortlichkeiten unklar und Zahlungsprozesse unübersichtlich.
Wenn zudem eine Vielzahl an Services bei unterschiedlichen Anbietern genutzt wird, lassen sich kaum alle Kosten und Dienste rigide im Blick behalten. Eine zu starke Reglementierung wirkt jedoch kontraproduktiv: Nur mit der Flexibilität und Dezentralität von Cloud-Diensten lassen sich heutzutage Kapazitätsanforderungen von Kunden und Mitarbeitern schnell abdecken.
Verantwortlichkeiten festlegen
Um eine Struktur für den Ausgabenprozess zu schaffen, sollten Unternehmen für jede Abteilung einen Verantwortlichen festlegen – und alle Abteilungen und Mitarbeiter mit der Vorgehensweise vertraut machen und deren Einverständnis einholen. Ohne dieses Einbinden lässt sich die Verwaltung von Cloud-Diensten sowie deren Kosten kaum umsetzen. Dafür müssen die jeweiligen Abteilungen jedoch kontinuierlich miteinander kommunizieren.
Fehlendes technisches sowie kaufmännisches Wissen in der Führungsebene stellt ebenfalls häufig einen Stolperstein dar. Werden bestehende Prozesse aus Soft- und Hardware in die Cloud übertragen, können diese die flexiblen und schnellen Arbeitsprozesse der Cloud ausbremsen.
Die Herausforderung für die IT ist es demnach, Ausgaben zu managen, ohne die Agilität der Cloud einzuschränken. Um agil arbeiten zu können, brauchen Entwickler finanzielle Mittel. An dieser Stelle muss geklärt sein, welche Cloud-Kosten aktuell entstehen.
Zudem sollten die Verantwortlichen festlegen, auf welche Summe sich zukünftige Kosten belaufen und welchen Mehrwert die Cloud-Nutzung bereits generiert und generieren soll, damit sie zum Unternehmenserfolg beiträgt.
Optimierung mit Finops
Um diese Zahlen jederzeit im Blick zu haben, sollten sich Unternehmen dem Cloud Financial Management (Finops) nähern. Über die Finops-Methodik – das Betriebsmodell der Cloud – gelingt der Spagat zwischen Kontrolle sowie innovativem und schnellem Handeln.
Finops bedient sich an Daten aus aktuellen Systemen und Prozessen, Tools und Best Practices sowie Prognosen und Schwellenwertanalysen. So haben die Verantwortlichen in der IT jederzeit einen Überblick über Ausgaben, Ressourcen und ungenutzte Lizenzen.
Durch den Einsatz von Finops wird die IT dabei unterstützt, mehr und mehr zu einer Serviceabteilung zu werden, was eine effektive Zusammenarbeit mit den Bereichen Einkauf und Finanzen ermöglicht.
Zudem unterstützt Finops Betriebe bei der Kostenoptimierung. Analysen ermitteln die Ressourcen, die unzureichend genutzt werden. Anhand der gesammelten Daten wird ein optimiertes Portfolio erstellt, was dazu dient, die Balance zwischen Spielraum für Innovation, zuverlässiger Kontrolle und agiler Reaktion zu halten. Ab einem Mindestbetrag von 150 000 Euro pro Jahr für eine Cloud-Umgebung ist der Einsatz von Finops erfahrungsgemäss bereits sinnvoll.