Kunststoffbauteile mit Oberflächen so beständig wie Diamant – wer eine solche Beschichtungstechnologie beherrscht, dem steht ein grosser Markt in den verschiedensten Branchen offen. Das Tessiner KMU Argor Aljba hat ein solches Verfahren für amorphe Diamantbeschichtungen entwickelt. Einmalig an ihrer Technologie ist, dass sie bei tiefen Temperaturen funktioniert. Dadurch wird es möglich, Bauteilen aus Plastik oder faserverstärktem Kunststoff die Eigenschaften von Diamant zu verleihen: Die Härte schützt vor Verschleiss, die tiefen Reibungsverluste verbessern die Laufeigenschaften. Kriterien, die in der Werkzeugfertigung ebenso gefordert sind wie bei Motorenherstellern oder in der Uhrenindustrie. Doch gerade für ein kleines Unternehmen ist es schwierig, die richtigen Partner zu finden: Das bestehende Netzwerk ist bescheiden, es gilt das Potenzial in mehreren Branchen abzuschätzen und internationale Märkte anzupeilen. «Mit 20 Mitarbeitern haben wir kaum die Ressourcen, um unsere Technologie bekannt zu machen und zu verbreiten», bemerkt Thomas Aebischer, CEO von Argor Aljba. «Wir brauchen ein Netzwerk mit Multiplikatoreneffekt.» Doch wie lässt sich dies effizient aufbauen?
Verschiedene Vorgehensweisen
Messen und Veranstaltungen zu besuchen ist zeitraubend. Zudem ist fraglich, ob die gesuchten Ansprechpersonen auch vor Ort sind. Unternehmen zu recherchieren und den direkten Kontakt zu suchen, ist oft nur dann erfolgreich, wenn man zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort ist: Idealerweise trägt die angebotene Technologie zur Lösung eines aktuellen Problems oder passt in die bestehende Innovationsstrategie des Unternehmens. Entscheidend ist zudem, dass man die Person im Unternehmen an den Draht bekommt, die sich mit diesen Fragen auseinandersetzt. Vor dieser Herausforderung stand auch Thomas Aebischer. Per Zufall stiess er auf das Enterprise Europe Network (EEN), an dem mehr als 40 Länder hauptsächlich aus Europa angeschlossen sind. Die Plattform bietet über nationale Anlaufstellen Unterstützung, um geeignete Technologie-partner zu finden, Innovationen zu vermarkten oder neue Geschäfts- und Absatzmöglichkeiten in und ausserhalb Europas zu finden.
Zusammen mit Euresearch, der Schweizer EEN-Anlaufstelle, verfasste Aebischer ein Technologieangebot und veröffentlichte es im Netzwerk des EEN. Im anonymen Angebot waren die Eigenschaften von einem Beschichtungstyp beschrieben, die Prozesse sowie mögliche Applikationen. Innerhalb weniger Wochen erhielt er 14 Anfragen von interessierten Firmen aus ganz Europa, mit zehn von ihnen hatte er direkt Kontakt. Daraus sind mehrere Entwicklungskooperationen entstanden sowie ein Auftrag einer Hochschule aus Berlin im Rahmen eines Forschungsprojekts. «Durch diese Zusammenarbeit gewinnen wir viel neues Know-how über unsere Schichten», so Aebischer. Über das Netzwerk dieser Hochschule kam zudem eine konkrete Technologiekooperation mit einem Unternehmen im Bereich Mikrowerkzeuge zustande. «Wir hatten die Branche schon länger im Visier, hatten aber erst wenige Kontakte», erklärt Aebischer.