Wann erwirtschaftet ein Unternehmen ökonomischen Wert? Eine Frage, die je nach Blickwinkel des Betrachters sehr unterschiedlich beantwortet wird. Die häufigste Antwort lautet: «Ein Unternehmen erwirtschaftet dann Wert, wenn es Gewinne erzielt!». Diese Antwort ist nicht ganz falsch, es gilt sie jedoch zu konkretisieren. Eine Kernbedingung des sogenannten Economic Value Added (EVA) Konzeptes besagt, dass ein Unternehmen dann Wert generiert, wenn die erwirtschaftete Kapitalrendite des Unternehmens grösser ist als dessen Kapitalkosten (Quelle: Stewart, 1991). Folglich besteht die Möglichkeit, dass ein Unternehmen zwar Gewinne erzielt, diese aber zu gering sind, um die Kapitalkosten des Unternehmens zu decken.
Negative Wertschöpfung
Ein fiktives Beispiel: Der Automobilzulieferer Meyer AG erwirtschaftete im Jahr 2011 eine Kapitalrendite von 6,2 Prozent; im selben Jahr betrugen die durchschnittlichen Kapitalkosten der Branche «Automobil» 7,6 Prozent (Quelle: KPMG, 2012). In diesem Fall wäre die Wertschöpfung der Meyer AG für das Geschäftsjahr 2011 mit -1,4 Prozent negativ. Was bedeutet dies? Es ist wichtig zu betonen, dass das Beispiel der Meyer AG wohl keinen akuten Sanierungsfall darstellt, jedoch der Unternehmer Meyer hier unzureichend für sein unternehmerisches Risiko entschädigt wird. Wenn dies über mehrere Jahre der Fall wäre, sollte Unternehmer Meyer entweder Optimierungsmassnahmen einleiten oder sein Geschäftsmodell überdenken.
Diagnosetool
Aber wie kann Herr Meyer seine aktuelle Wertschöpfung überprüfen? Das Zentrum für Strategie und Operations (ZSO) der ZHAW School of Management and Law hat ein Diagnoseinstrument entwickelt, den «KMU-Wertschöpfungsnavigator», mit dessen Hilfe Unternehmen in einer ersten Phase ihre Wertschöpfung auf einfache Weise überprüfen können. In einer weiteren Phase besteht die Möglichkeit, auf Basis einer fragebogengestützten Selbstdiagnose Ineffizienzen im Unternehmen entlang der Wertschöpfungskette aufzudecken. Dieser Schritt ist insbesondere dann sinnvoll, wenn die aktuelle Wertschöpfung negativ ist. Der Wertschöpfungsnavigator ermittelt aus den Daten des Unternehmens Optimierungsprioritäten und unterbreitet dem Nutzer erste Verbesserungsvorschläge, die er dann in seinem Unternehmen zur Anwendung bringen kann.
Der Wertschöpfungsnavigator
Wie ist der Wertschöpfungsnavigator aufgebaut? (s. Abbildung 1) Unter dem Link: https://navigator.sml.zhaw.ch kann sich der Unternehmer bzw. die Geschäftsleitung in das System einloggen. Auf Basis der Eingabemaske «Allgemeine Angaben» zu Beginn der Analyse ermittelt der Wertschöpfungsnavigator das spezifische Unternehmensprofil sowie die Branchenzugehörigkeit und leitet daraus den indi-viduellen Analysepfad für das Unternehmen ab.
Der Wertschöpfungs-Quick-Check gibt im zweiten Schritt Aufschluss über die bereits angesprochene ökonomische Wertschöpfung des Unternehmens. Hier wird als entscheidende Kenngrösse die Kapitalrendite des Unternehmens (ROCE: Return on Capital Employed) den gewichteten durchschnittlichen Kapitalkosten (WACC: Weighted Average Cost of Capital) gegenübergestellt.




