In der Schweiz ist man es gewohnt, jedes Jahr im Januar einen Blick auf das World Economic Forum in Davos zu werfen. Auch in diesem Jahr ging es um zahlreiche Themen von globaler Bedeutung. Und doch war etwas anders: Klaus Schwab und andere profilierte Persönlichkeiten, wie etwa Ökonomie-Nobelpreisträger Joseph Stiglitz, wiesen vor den oft als «Kapitalisten» bezeichneten Teilnehmern des Forums explizit auf die Mängel unserer heutigen Gesellschaft hin. Sie bezogen sich auf die Auswirkungen des in der entwickelten Welt vorherrschenden marktorientierten ökonomischen Paradigmas, das sich immer weitreichender auf unser gesellschaftliches Leben und auf die Situation von Unternehmen auswirkt.
Zukunftsorientiert
Kritik wird insbesondere in Hinblick auf Kurzfristigkeit, dem «Immer-mehr-vom-Gleichen-Gedanken» und der Unterbewertung sozialer und ökologischer Aspekte geübt. Die Welt scheint aus den Fugen geraten zu sein. Viele Denk- und Handlungsweisen sowie Modelle, die bisher unser Verhalten selbstverständlich prägen, verlieren zusehends ihre Gültigkeit. Dies bekommen auch Unternehmen zu spüren: Viele Erfolgsrezepte der Vergangenheit greifen nicht mehr. Stattdessen braucht es für das Handeln Schweizer Unternehmen mit Blick auf eine lebenswerte Zukunft in einem Hochpreis- und Hochlohnland neue Lösungen. Auch wenn in früheren Beiträgen ein grundlegendes Verständnis von «Nachhaltiger Unternehmensentwicklung» dargelegt wurde, lohnt es sich nochmals kurz vor Augen zu führen, worum es dabei geht. Denn das Verständnis von Nachhaltigkeit ist vielfältig.
Zum Verständnis
Der Begriff «Nachhaltigkeit» entstammt der Forstwirtschaft und beschreibt, dass gerodete Wälder wieder aufzuforsten sind, um den Fortbestand des Waldes unmittelbar zu sichern und um eine Erosion der Grundlage seines Fortbestandes zu vermeiden. Dies lässt sich problemlos auf allgemeines wirtschaftliches Handeln übertragen und bezeichnet «…[Handeln, durch das] die gegenwärtige Generation ihre Bedürfnisse befriedigt […] ohne die Fähigkeit der zukünftigen Generation zu gefährden, ihre eigenen Bedürfnisse befriedigen zu können» (Hauff/Brundtland-Kommission, 1987), sowie «…[den] Zustand eines Systems, das sich so verhält, dass es über unbeschränkte Zeiträume […] existenzfähig bleibt […].» (Meadows et. al., 1992).
Im Kern geht es um das Bewusstsein, dass Ressourcen unterschiedlicher Art, also nicht nur Rohstoffe, sondern auch z.B. menschliche Arbeitskraft, limitiert und unter Umständen nicht erneuerbar sind. Wirtschaftlich angemessenes Handeln muss entsprechend verantwortungsvoll mit ihnen haushalten und dabei einen längerfristigen Zeithorizont einbeziehen.
Kaum zu imitieren
Im Bereich des Strategischen Managements spielt Nachhaltigkeit bislang vor allem aus einer Innensicht heraus eine explizite Rolle, wenn es um nachhaltige Wettbewerbsvorteile geht. Dahinter verbergen sich solche Eigenschaften und Kompetenzen von Unternehmen, die einzigartig und kaum imitierbar sind und folglich längerfristige Vorteile im Vergleich zu Konkurrenten begründen. Tatsächlich finden sich wirklich nachhaltige Wettbewerbsvorteile vorwiegend im Inneren eines Unternehmens, etwa in einer spezifischen Unternehmenskultur, in der Art und Weise, wie mit Mitarbeitern und untereinander umgegangen wird oder einem besonders gutem Wissensaustausch. Solche Charakteristika sind einzigartig und lassen sich kaum imitieren. Produktmerkmale oder Marktleistungen können hingegen schnell nachgeahmt werden, Wettbewerbsvorteile erodieren dann. Fast immer sind die Mitarbeitenden ein zentraler Bestandteil von wirklich nachhaltigen Strategien. Da soziales Verhalten auch gesellschaftlich immer stärker gefordert wird, liegen soziale Nachhaltigkeit, nachhaltiges Human Resource Management (HRM) und Strategisches Management eng beieinander, sie werden in der Praxis aber noch zu selten so behandelt.
Bestandteil der Umwelt
Eine mögliche konzeptionelle Grundlage für ein generelles Verständnis von Nachhaltigkeit sowie die Nachhaltigkeit im Umgang mit den humanen Ressourcen in Unternehmen bietet Abb. 1. Sie stellt Unternehmen in ihren vielfältigen Austauschprozessen mit ihrer Umwelt dar, die Einfluss auf die Ressourcensituation haben. Statt kurzfristiger Gewinnmaximierung ist eine nachhaltige Unternehmensentwicklung erfolgsversprechend, die auf eine längerfristige, gesunde Existenz der Unternehmen und der Pflege ihrer Grundlagen setzt. Daher ist es in einem ersten Schritt wichtig, dass sich Unternehmen als Bestandteil eines Umweltgefüges verstehen, welches sie umgibt, und die Austauschbeziehungen aktiv gestalten. Die Notwendigkeit, auch das Umfeld umfassend und vor allem in Entscheidungen systematisch zu berücksichtigen, wird noch selten aufgegriffen.
Zunehmend wird aber das aus der gesellschaftlichen Forderung erwachsende Potenzial von «Nachhaltigkeit» erkannt und es findet eine Konkretisierung unternehmerischer Nachhaltigkeit entlang der sogenannten «Triple-Bottom Line» (siehe Abb. 1, äusserer Kreis) statt. Unternehmen verpflichten sich dann, ausser ökonomischen Interessen auch soziale und ökologische Belange jenseits der Unternehmensgrenzen langfristig orientiert in ihre Entscheidungen miteinzubeziehen.





