Forschung & Entwicklung

Wissenstransfer organisieren

Wie Kundenveranstaltungen wirklich gelingen

Der Dialog mit der Kundschaft ist zentral wichtig. Diese Erkenntnis führt dazu, dass immer mehr KMU und Verbände für ihre Kunden oder Mitglieder Tagungen, Seminare oder Workshops durchführen. Wirkungsvoll sind solche Fach-Events aber nur, wenn sie professionell konzipiert sind. Hier einige Tipps aus der Praxis.
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Die Einladungen zu Kundenanlässen kommen zahlreich daher. Vor allem Banken, Versicherungen, Treuhänder und andere Dienstleistungsunternehmen verwenden diese Form der Kommunikation mit dem Kunden, um Marktleistungen zu erläutern oder Know-how aus ihrem Bereich an Kunden und Marktpartner weiterzugeben.

Bei der Veranstaltung von Kunden-Events achten erfolgreiche Organisatoren sehr darauf, dass erstens der Informations- und Kommunikationsaspekt und, zweitens, auch das «Edutainment» richtig abgemischt sind. Beides ist wichtig, um den verwöhnten Kursbesuchern gerecht zu werden. Die folgenden Tipps helfen, den Informations- und Kommunikationswert von Kundenanlässen zu optimieren. Schon das Beachten grundlegender Richtlinien bringt erstaunliche Verbesserungen in der Qualität.

Zielgruppe definieren

An wen richtet sich die geplante Schulung: an Unternehmer, an Unternehmergattinnen, an Führungskräfte, an Juniorchefs oder an bestimmte Funktionsträger? Weiter: Ist die Zulassung zum Kurs von gewissen Voraussetzungen (z.B. bestimmte Ausbildung, Erfahrung oder Funktion) abhängig zu machen? Die Bedeutung solcher Fragen erhellt spätestens dann, wenn man merkt, dass der Kurs «falsch zusammengesetzt» ist.

Tipp

Zielgruppen sorgfältig bestimmen und in der Einladung aufführen. Das erleichtert Interessenten die Selektion aus dem breiten Weiterbildungsangebot und der Kurs selbst wickelt sich im richtigen Personenkreis ab.

Lehrform bestimmen

Die Ambiance eines grossen Kongresses beeindruckt zwar, die passende Lehrform dürfte er aber bestimmt nicht in allen Fällen sein. Beispielsweise eignet sich die Behandlung des Themas «Die Lösung der unternehmerischen Nachfolge» eher für einen kleineren Rahmen als für eine grosse Tagung, weil die Teilnehmenden bestimmt gerne ihre eigenen Anliegen vortragen möchten. Das bedingt eine gewisse Intimität.

Alle Lehrformen – Seminar, Workshop und Tagung – bewähren sich in der Praxis durchaus nebeneinander. Wichtig ist im konkreten Fall aber, dass sie entsprechend der Kursthematik und des Lernziels eingesetzt werden.

Tipp

Die Wahl der geeigneten Lehrform kann für den Kurserfolg ausschlaggebend sein. Deshalb ist vor der Programmgestaltung zu überlegen, ob der zu behandelnde Stoff eher auf die Vermittlung von Wissen, Anregungen für die Praxis, Informationen und Denkanstössen ausgerichtet ist (Tagung geeigneter) oder ob Probleme fallweise diskutiert und gelöst werden sollen (Workshop oder Seminar geeigneter).

Lernziele setzen

In vielen Kursprogrammen suchen Interessenten vergeblich nach Angaben, ob und wie aus dem jeweiligen Kurs Nutzen gezogen werden kann. Damit hat der Kursveranstalter die Weichen gestellt, mindestens einen Teil der Teilnehmer nach dem Seminar enttäuscht zu sehen («Der Kurs hat nicht das gebracht, was ich mir erhofft hatte.»). Lernziele helfen, solchen Enttäuschungen vorzubeugen.

Lernziele sind in der Aus- und Weiterbildung eigentlich längst Standard, gelangen aber oft nicht konsequent genug zum Einsatz. Worum geht es? Gemäss HSG-Professor Rolf Dubs beschreiben Lernziele ein Endverhalten des Lernenden. Mit operationalen Lernzielen umschreiben wir, was der Lernende tun können muss, wenn er zeigen will, dass er das Lernziel erreicht hat. Das Niveau des Endverhaltens wird am besten durch aussagekräftige Verben definiert: (vgl. Tabelle 1). Das angestrebte Endverhalten kann sich auf verschiedenen Anspruchsebenen einpendeln, je nachdem, ob der Kurs bloss Wissen vermitteln oder zu Handlungen führen soll.

Tipp

Keine Schulung ohne Lernziele, weil diese

  • die Erwartungen der Kursteilnehmer kanalisieren,
  • dem Teilnehmer eine objektive Erfolgskontrolle überhaupt erst ermöglichen,
  • die Referierenden zwingen, das vorgegebene Ziel auch zu erreichen.

Lernziele zu setzen, ist nicht Aufgabe allein des Referenten, sondern in erster Linie auch des Kursorganisators. Also: Im Idealfall die Lernziele zusammen mit dem Referenten erarbeiten.

Lernziele im Programm bekannt geben und am Schluss des Kurses oder Kursabschnitts wiederholen, damit der Teilnehmer eine direkte Kontrollmöglichkeit hat.

Zusammenarbeit mit Referenten

Hat man sich für ein Arbeitsthema entschieden und den Referenten ausgewählt, so gilt es, die eigenen Vorstellungen über die geplante Weiterbildungsveranstaltung zu konkretisieren. Es lohnt sich, bereits in dieser Phase die Erfahrungen des Referenten (Kursaufbau, Zeitbedarf, Ablauf) durch eine enge Zusammenarbeit mit ihm zu nutzen.

Tipp

  • Arbeitsthema zusammen besprechen und gemeinsam die gültige Themenfassung festlegen.
  • Lernziel(e) der Veranstaltung zusammen mit dem Referent formulieren.
  • Vom Referenten ein verbindliches Programm für seinen Teil erbeten (Zeitplan und Inhalt, Methodik, erwünschte technische Hilfsmittel).
  • Auftrag bestätigen (Thema, übrige Referenten, Kursdatum und Ort, Dauer und Zeitpunkt des Referates, Honorar: mit oder ohne Spesen und Kursunterlagen, Zielgruppe des Anlasses, maximale Teilnehmerzahl, Tagungssprache, visuelle Hilfsmittel, Kursunterlagen). Macht der Veranstalter die Durchführung des Anlasses von einer Mindestteilnehmerzahl abhängig, so ist eine Rückzugsklausel in die Bestätigung einzubauen (Achtung: Referent schon bei der ersten Kontaktnahme über diese Praxis informieren, damit er dazu Stellung nehmen kann.).
  • Vor Versand: Dem Referenten den Entwurf der gesamten Kursausschreibung vorlegen (vielleicht hat er noch Verbesserungsvorschläge).
  • Dem Referenten einige Exemplare der gedruckten Kursausschreibung zustellen (er verwendet sie gerne als Beleg oder macht gar «Promotion in eigener Sache»).
  • Vor dem Kurs dem Referenten nach Möglichkeit die Teilnehmerliste senden oder übergeben, damit er sich über das Spektrum der Teilnehmenden ein Bild machen kann. (Ein erfahrener Referent wird an einem kleinen Anlass versuchen, sich Namen und Branchenzugehörigkeit der Teilnehmer bereits vor dem Kurs zu merken).

Das Kursprogramm

Die Weiterbildungsverantwortlichen professionell schulender Organisationen haben es längst erkannt: Sie «verkaufen» ihre Kurse mit inhaltlich vollständigen und äusserlich attraktiv aufgemachten Einladungen. Erstaunlich hoch ist jedoch der Anteil jener Veranstalter, die sich mit bemerkenswert lückenhaften Programmangaben begnügen.

Tipp

Kurse wie ein Produkt verkaufen (Inhalt mit Verpackung).

Zum Inhalt: Ein gutes Kursprogramm sollte die folgenden Angaben enthalten:

  • Attraktiver Kurstitel
  • Problemstellung (weshalb dieses Kursthema?)
  • Lernziele
  • Lehrmethoden (Referate, Gruppenarbeit, Diskussion, Podium, Fallstudie)
  • Referierende (Vorname, Name, Funktion, Firma/Institution))
  • Ort und Datum der Durchführung
  • Detailliertes Programm mit Zeitplan
  • Angabe der Kursgebühren
  • Anmelde- und Abmelde-Modalitäten
  • Teilnehmerkreis und max. zugelassene Teilnehmerzahl
  • Weitere organisatorische Hinweise (z. B. Parkplätze, öffentlicher Verkehr, Unterkunft)
  • Zur Verpackung: Eine im wörtlichen Sinn «einladende» Gestaltung des Programmes motiviert zur Teilnahme und muss nicht
    teuer sein!

Kursdatum und Kursort

Mit verkehrstechnisch ungünstig gelegenen Kursorten und der ungeschickten Wahl des Durchführungszeitpunktes programmieren Sie Ihre Veranstaltung auf schwachen Besuch.

Tipp

Vor der Bestimmung von Ort und Datum des Weiterbildungsanlasses in Betracht ziehen:

  • Bereits bekannte Kurs- und Event-Agenden
    (inkl. Feste und Grossanlässe)
  • Branchenspezifische Präferenzen
  • Ferienzeit
  • Verkehrslage
  • Infrastruktur und «Atmosphäre» des Kurs­ortes

Kursräumlichkeiten

Bestuhlung wie an der Hochzeitstafel, ungenügende Lichtverhältnisse, Lärmimmissionen von nebenan: Wer hat solche Kurse im «heimeligen Säli» des Gasthofes X nicht schon miterlebt? Die Folgen: Der äussere Rahmen ist dem Kurserfolg abträglich. Kursteilnehmer und Referent arbeiten unter nicht optimalen Bedingungen.

Tipp

Unbedingt für geeignete Kursräumlichkeiten besorgt sein. Das Angebot an professionell eingerichteten Tagungs- und Seminarorten ist gross. Entsprechende Dokumentationen von Tourist- und Event-Services oder Tagungszentren und Hotels sind äusserst hilfreich. Auch Fachzeitschriften und Wirtschaftsmagazine enthalten sehr informative Zusammenstellungen.

Wichtig: Kurs-Location rekognoszieren und alle Details schriftlich bestätigen lassen (inkl. Skizze der gewünschten Raumaufteilung).

Event-Marketing

Das Angebot an Einladungen zu Events ist riesig, die Agenden potenzieller Teilnehmer sind voll. Deswegen gilt: Attraktive Einladungen zum richtigen Zeitpunkt machen das Rennen! Dem Event-Marketing kommt also erhebliche Bedeutung zu.

Tipp

Schlagkräftige Kurswerbung durch

  • Nutzung und sorgfältige Pflege des Adressmaterials (Adressmanagement)
  • Wahl eines vorteilhaften Versandzeitpunktes (bewährt: ca. 5 bis 8 Wochen vor Kursbeginn)
  • attraktive Programmgestaltung

Kursdokumentation

Gesagt: «Die Tagungsunterlagen werden wir Ihnen am Schluss des Kurses verteilen lassen.» Gedacht: «Damit während dem Kurs nicht geblättert wird.» Und ähnlich: «Unsere Seminarreferentin hat sich freundlicherweise bereit erklärt, ihre Ausführungen in unserer Verbandszeitung zu publizieren.» (Der Redaktor hat dann wieder etwas «Stoff».)

Beide Varianten nützen natürlich dem Kursteilnehmer wenig.

Tipp

Zu jedem Kurs gehört eine professionelle und nutzbringende Dokumentation, entweder mit Kurzfassungen der Referate oder – vor allem bei Seminaren – mit den vollständigen Arbeitsunterlagen. Der Kursteilnehmer schätzt es, wenn er die Dokumentation bei Kursbeginn erhält, damit er die Papiere auch bearbeiten kann. Professionelle Kursdokumentationen sind ein Qualitätsmerkmal für den Veranstalter.

Visualisieren mit Mass

Charts in Power Point und eingespielte Filmsequenzen machen Schulungsinhalte in jedem Fall augenfällig. Sie steigern den Lerneffekt aber nur, wenn die Visualisierung mit Mass eingesetzt wird und dem Lernziel wirklich dient. Die verantwortliche Kursorganisation kann entscheidend dazu beitragen, dass visuell unterstützte Schulung zum Tragen kommt und damit der Merkwert des Gehörten gesteigert wird.

Tipp

Für angemessene und vor allem einwandfrei funktionierende Visualisierung und Akkustik sorgen. Deshalb:

  • Referierende schon beim Engagement ausdrücklich auf die zur Verfügung stehenden optischen und technischen Möglichkeiten hinweisen (minimale Schriftgrössen bekannt geben).
  • Die Funktionstüchtigkeit der Technik vor den Auftritten überprüfen und, falls sinnvoll, die Referierenden im Gebrauch unterstützen.

Erfolgskontrolle

«Der Event hat nicht gehalten, was er versprach.» «Leider wurden keine Unterlagen abgegeben.» «Der Referent sprach zu leise.» «Viel zu viel Stoff in zu kurzer Zeit oberflächlich behandelt.» «Kurs gut, Ambiente ungenügend». Solche und ähnliche Bemerkungen stehen immer wieder auf den Feedback-Blättern von Kursveranstaltern. Kritische Äusserungen von Teilnehmenden kann man nicht ernst genug nehmen. Sie sind ein guter Gradmesser dafür, ob ein Kurs als Erfolg oder Misserfolg zu werten ist, und man lernt daraus, was bei der nächsten Veranstaltung besser gemacht werden kann.

Tipp

Kurse, ungeachtet allfälliger Vorbehalte seitens Referierender, systematisch auswerten, indem den Teilnehmenden die Chance geboten wird, die Veranstaltung bezüglich Inhalt, bezüglich Art der Darbietung und bezüglich Nutzen für die praktische Tätigkeit zu beurteilen. Dies gelingt am besten mit einem einfachen Frageblatt (Beispiel in Tabelle 2), das der Kursdokumentation beigelegt und am Schluss des Kurses eingesammelt wird. Erfahrungsgemäss schätzen die Teilnehmer diese Mitsprachemöglichkeit.

Die ausgewerteten Teilnehmerbewertungen reichen für eine abschliessende Erfolgskontrolle natürlich nicht aus. Ebenso wichtig ist es, wenn der Veranstalter den Kurs selbst daraufhin überprüft, ob die gesetzten Ziele (Lernziele) erreicht worden sind.