Das Eidgenössische Institut für Geistiges Eigentum (IGE) berichtet, dass die Schweiz 2020 das zehnte Jahr in Folge das innovativste Land der Welt war – und zwar nach dem Global Innovation Index der WIPO (Word Intellectual Property Organisation), der 131 Volkswirtschaften weltweit bewertet. Im Vergleich zur EU leistete die Schweiz in allen Bereichen Überdurchschnittliches. Nach Global Innovations Index 2021 war die Schweiz führend in Europa.
Der Bericht «Forschung und Innovation in der Schweiz 2020» (F&I-Bericht), herausgegeben vom Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation SBFI, analysiert die Leistungsfähigkeit des Schweizer Forschungs- und Innovationssystems. Teil A gibt einen Überblick über das Schweizer Forschungs- und Innovationssystem (F&I-System). Er beschreibt die Rahmenbedingungen, die Akteure, die Zuständigkeiten und die rechtlichen Grundlagen. Teil B analysiert die internationale Stellung der Schweiz im Forschungs- und Innovationsbereich. Zu berücksichtigen ist weiter, dass diese Untersuchung vor der Coronazeit stattfand. Wie sich diese auf die Innovationskraft der Schweiz ausgewirkt hat, werden spätere Studien zeigen.
Zu den Erfolgsfaktoren für die Schweizer Forschung und Innovation zählen unter anderem die innovative Privatwirtschaft, das differenzierte Bildungssystem, die effiziente Forschungs- und Innovationsförderung durch die öffentliche Hand sowie die insgesamt guten politischen Rahmenbedingungen und nicht zuletzt kompetitive und innovative Unternehmen.
Hohe Investitionen
2017 wurde in der Schweiz insgesamt 3,4 Prozent des Bruttoinlandprodukts (BIP) in Forschung und Entwicklung (F & E) investiert. Davon wurden zwei Drittel von der Privatwirtschaft finanziert (2,3 % des BIP). Der Hauptteil der Finanzierung und Durchführung von Forschung und Entwicklung wurde von wenigen international tätigen Grosskonzernen der Pharma-, Chemie-, Maschinen- und Nahrungsmittelbranche geleistet. Aber auch die KMU spielten eine wichtige Rolle für die Innovationsleistung der Schweiz. Grundlegend sind auch Partnerschaften zwischen Unternehmen und die Einbindung von Kunden sowie Hochschulen in Forschungs- und Innovationsprozesse.
Trotzdem: Der Anteil der F & E treibenden Unternehmen hat sich in der Schweiz in den letzten 20 Jahren nahezu halbiert. Insbesondere bei den KMU, die 99 Prozent der Unternehmen in der Schweiz ausmachen, reduzierte sich die F&E-Tätigkeit seit dem Jahr 2000 kontinuierlich. Diese Tendenz lässt sich in verschiedenen europäischen Ländern beobachten. Die genauen Gründe sind unbekannt und sollten für die Schweiz analysiert werden.
Internationaler Vergleich
Teil B des Berichts «Forschung und Innovation in der Schweiz 2020» befasst sich mit dem internationalen Vergleich der Schweiz gegenüber Ländern mit Merkmalen wie Beherrschung von Spitzentechnologien, wichtige Bedeutung der Forschungs- und Innovationstätigkeiten und wirtschaftlichen Beziehungen zu Schweiz. Dazu zählen unter anderem kleinere Länder wie Österreich, die Niederlande, aber auch Grossmächte wie die USA und China. Das ergab folgende Resultate:
- Mit einem Anteil innovativer Produkte am Umsatz von 26,4 Prozent standen die deutschen Industrieunternehmen an der Spitze der Vergleichsländer, in der Schweiz 22,6 Prozent. Bei den Schweizer Unternehmen im Dienstleistungssektor wurden 21,9 Prozent des Umsatzes durch die Vermarktung innovativer Dienstleistungen erzielt, nur in Italien war der Anteil höher (23,1 Prozent).
- Bei den Grossunternehmen in der Schweizer Industrie (250 Angestellte und mehr) entfielen 22,4 Prozent des Umsatzes auf innovative Produkte. Damit platzierte sich die Schweiz im Mittelfeld. Die industriellen Grossunternehmen in Österreich, Deutschland und den Niederlanden verzeichneten Werte über 25 Prozent.
- Gemäss Global Entrepreneurship Monitor 2018 / 2019 hat ein Drittel der Schweizer Jungunternehmen bei ihrem Markteinstieg mindestens ein neues Produkt für den Markt oder ein von wenig Unternehmen angebotenes Produkt lanciert. Die österreichischen Jungunternehmen führten mit 37 Prozent.
- Bei den Unternehmen der Schweizer Industrie betrugen die Marktneuheiten 7,6 Prozent des Gesamtumsatzes, die Unternehmensneuheiten 15 Prozent.
- Ausser in Norwegen und Israel ist der Privatsektor in allen untersuchten Ländern die Hauptfinanzierungsquelle der F&E. In der Schweiz betrug 2017 der Anteil des Privatsektors an den gesamten F&E-Bruttoinlandaufwendungen 67 Prozent, was 15,1 Milliarden CHF entspricht.
Der Indikatorenvergleich der Schweiz mit besonders innovationsorientierten Regionen ähnlicher Grösse zeigte, dass die Schweiz in Forschung und Innovation keineswegs immer vorn lag. Beim Indikator F&E-Aufwendungen in Relation zum BIP, bei dem die Schweiz im globalen Staatenvergleich Rang drei einnimmt, liegen acht Innovationsregionen vor der Schweiz.
Mehr internationale Patente
Die Schweiz erteilt wie zahlreiche andere Länder nationale Patente, welche die Erfindungen ausschliesslich auf nationaler Ebene schützen. Immer mehr Schweizer Unternehmen melden ihre Patente jedoch direkt beim Europäischen Patentamt (EPA) an und geniessen so einen weitergehenden Schutz. Im Zeitraum 2017 bis 2018 wurde in der Schweiz der Schutz für 7304 nationale Patente und 111 172 europäische Patente verlängert.
PCT-Patente können von mehreren Erfindern gemeinsam angemeldet werden. In der Schweiz wurden 42 Prozent der 3041 PCT-Patentanträge in Zusammenarbeit mit mindestens einem ausländischen Co-Erfinder eingereicht. Über zwei Drittel dieser Co-Erfinder arbeiten in der EU und knapp ein Viertel in den USA. Die Schweiz liegt deutlich vor den Referenzländern an der Spitze. Dies zeigt ihre starke internationale Vernetzung. In den asiatischen Volkswirtschaften – mit Ausnahme Singapurs, ebenfalls ein kleines Land – bleibt der Anteil der mindestens mit einem Co-Erfinder eingereichten PCT-Patentanmeldungen unter fünf Prozent.