Unternehmen sind vielfältigen und zunehmend disruptiveren Markt- und Umweltveränderungen ausgesetzt. Die Hochschule Luzern – Wirtschaft hat deshalb mit dem Business Transformation Survey 2022 untersucht, wie die Fähigkeit zur Transformation in Unternehmen in der Schweiz ausgeprägt ist und was erfolgreiche Business-Transformationen ausmacht. Dabei zeigte sich, dass in erster Linie ein starkes Führungsteam für erfolgreiche Business-Transformationen unerlässlich ist. Zudem wird der Anspruch an rasches Erkennen von Veränderungen sowie schnelles Umsetzen unterstrichen. Die meisten Unternehmen sind aber bei Transformationsprozessen mit dem Fortschritt nicht zufrieden.
Vielfache Misserfolge
In vielen Märkten und Branchen sind Unternehmen heute ständigen Veränderungen ausgesetzt – seien es der technologische Fortschritt (Digitalisierung), veränderte Rahmenbedingungen (Energie, Lieferkette) oder neue Kundenanforderungen (Gen Z). Wer nicht genügend schnell und gekonnt auf solche Veränderungen reagiert, wird von der Konkurrenz abgehängt. Unternehmen sind folglich gefordert, die Art und Weise der Geschäftsführung grundlegend zu verändern. Dies betrifft in der Regel mehrere Elemente wie das Geschäftsmodell, Prozesse, Kompetenzen oder die Kultur der Organisation.
Hier wird von Business-Transformationen (BT) gesprochen, die gemäss internationalen Studien zwischen 50 bis 80 Prozent zu Misserfolgen führen (Isern & Wilson, 2009; Jacquemont, Maor & Reich, 2015). Einen zentralen Grund dafür sehen Experten in unpassenden organisationalen Rahmenbedingungen und mangelnder Veränderungsfähigkeit der Unternehmen (Combe, 2014; Kotter, 1995).
Der Maturity Score
Wie erfolgreich sind Unternehmen in der Schweiz beim Umsetzen weitreichender Transformationsvorhaben? Um diese Frage zu beantworten, hat die Hochschule Luzern – Wirtschaft in Zusammenarbeit mit der Schweizerischen Gesellschaft für Organisation und Management (SGO) den Business Transformation Survey 2022 – eine Erhebung zur Beurteilung laufender Business-Transformationen in der Schweiz – durchgeführt. Darin wurden neben Relevanz, Zufriedenheit und Zielerreichung die unterschiedlichen Dimensionen von Business-Transformationen erhoben und analysiert, woraus ein Business Transformation Maturity Score (kurz BTMS) abgeleitet wurde. Diese Kennzahl zeigt, wie gut die teilnehmenden Unternehmen aufgestellt sind, um weitreichende Transformationen erfolgreich umzusetzen.
Die Komponenten der BT
Der Untersuchung liegt das Business-Transformation-Maturity-Modell (Schlüchter & Nussbaum 2022) zugrunde (siehe Abbildung 1), welches drei zentrale Komponenten umfasst: 1. die Transformationsbereitschaft (engl. Business Transformation Readiness), 2. die Umsetzungsstärke im Transformationsprozess (engl. Business Transformation Capacity) und 3. die organisationalen Transformationsfähigkeiten (engl. Business Transformation Capabilities).
Die Transformationsbereitschaft widerspiegelt die grundlegenden Voraussetzungen, die für Transformationen benötigt werden: finanzielle und personelle Ressourcen («können»), Kultur für Veränderungen («wollen») und Führung, die Transformationen tatkräftig unterstützt und mitträgt («dürfen»).
Die zweite Komponente, der Transformationsprozess, setzt sich aus fünf Phasen zusammen, die für erfolgreiche Transformationen notwendig sind. Diese sind: a. das Erkennen und Bewerten relevanter (interner und/oder externer) Veränderungen, b. das Entwickeln und Planen von Transformationen, c. das Aufsetzen und Vorbereiten der Transformationen, d. das Umsetzen der Vorhaben und e. das Verankern der Veränderungen, damit der Transformationserfolg auch nachhaltig gesichert ist.
Die organisationalen Transformationsfähigkeiten umfassen zentrale Disziplinen, die für das professionelle Management von Business-Transformationen unerlässlich sind. Diese enthalten das Change-, das Capability- und das People-Management, das Prozess- und Projekt(Portfolio)-Management wie auch das Strategische Management.



