In der Schweiz herrscht in verschiedenen Branchen ein Mangel an Fachkräften. So hat erst jüngst eine Studie im Auftrag des Staatssekretariats für Bildung und Forschung gezeigt, dass gerade in den MINT-Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik der Fachkräftemangel nicht nur ein konjunkturelles, sondern auch ein strukturelles Problem darstellt (Gardiol & Gehrig, 2010), von dem vor allem kleinere und mittlere Unternehmen (KMU) besonders stark betroffen sind (Gehrig, Gardiol & Schaerrer, 2010).
Studienansatz
Das Hochschulmarketing ist ein wichtiger Teilbereich einer umfassenden Personalrekrutierungsstrategie (Bröckermann & Pepels, 2000) und bietet zahlreiche Instrumente und Methoden, um Studierende und Absolventen bereits frühzeitig für das eigene Unternehmen zu gewinnen und so einer Fachkräftelücke vorzubeugen. Unter Hochschulmarketing werden dabei alle Aktivitäten von Unternehmen zur Gewinnung von (Fach-)Hochschulabsolventen bezeichnet, angefangen beim Aufbau einer
Arbeitgebermarke über die Betreuung von Studienarbeiten bis hin zur Teilnahme an Absolventenmessen. Bislang existieren für die Schweiz allerdings kaum Studien zu den Hochschulmarketingaktivitäten von Unternehmen.
Hier setzt die Untersuchung «Hochschulmarketing von KMU der Region Alpenrheintal» der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Chur an. Sie verfolgt das Ziel, die Aktivitäten des Hochschulmarketings von KMU in der Region Alpenrheintal zu analysieren und die damit verbundenen Herausforderungen und Bedürfnisse der Betriebe zu erfassen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurden in einem ersten Schritt mit Vertretern aus KMU im Bündner und St. Galler Rheintal sowie dem Fürstentum Liechtenstein persönliche Experteninterviews geführt. In einem zweiten Schritt wurde eine Online-Befragung durchgeführt. Von den rund 2000 angeschriebenen Unternehmen in der Region Alpenrheintal beteiligten sich knapp 400 Betriebe an der Befragung, was einem erfreulichen Rücklauf von fast 20 Prozent entspricht.
Ingenieure dringend gesucht
Die befragten Unternehmen suchen vor allem Absolventen der Ingenieurwissenschaften, gefolgt von Absolventen der Wirtschaftswissenschaften und der (Wirtschafts-)Informatik. Für rund ein Drittel der befragten Unternehmen gestaltet sich die Besetzung offener Stellen als schwierig. Besondere Rekrutierungsschwierigkeiten haben dabei diejenigen Unternehmen, die Absolventen der Ingenieurwissenschaften suchen. Das Gleiche gilt für Absolventen der (Wirtschafts-)Informatik und der Naturwissenschaften, während Wirtschafts- und Rechtswissenschaftler relativ einfacher zu finden sind (vgl. Abbildung 1).

