Würde man dem Volksmund folgen, hielte man die beiden Atteste «So gut wie möglich» und «So gut wie nötig» für einen Widerspruch. Doch auf den Themenkreis Qualität – Entwicklung – Verkauf angewandt, stellt sich die Frage nach den Konsequenzen des «Möglichen» wie auch nach den Auswirkungen des «Nötigen/Notwendigen» – den jeweiligen Grenzbetrachtungen beider Attestpole.
Qualität als Charakterfrage
Bekanntlich entstehen Produkte und Leistungen bereits im Geiste, in den Gedanken der jeweiligen Ingenieure und Entwickler. Dabei begegnen wir der Denkweise «Alles möglich Machbare – technisch alles Mögliche» dem Kunden anzupreisen und zur Verfügung stellen zu wollen.
Begeben wir uns auf eine Spurensuche nach dem hierzulande unbändigen Drang, Maximalprodukte/-leistungen hervorbringen zu müssen, und weshalb das auf den Markt ausgerichtete Notwendige die kaufmännisch tragfähigere Produkte- und Leistungsstrategie darstellt.
Qualität für eine Unternehmung ist einerseits eine Frage nach der eigenen Unternehmenspositionierung im Markt – «will ich im Premium-Segment mitmachen oder im Preiskampf des Massengeschäfts?». Ferner ist dies ebenso eine Frage der persönlichen Gesinnung – «will ich meine Aufgaben, Herausforderungen, Probleme durch eine gute, zuverlässige, nachhaltige Lösung versehen oder durch schlampiges Dahinpfuschen?». In diesem Lichte ist Qualität für ein Unternehmen und deren oberste Führung auch eine Charakterfrage. Dies, weil die Kultur einer Unternehmung von der geschäftsleitenden Person vorgegeben und vorgelebt wird.
Es ist nicht notwendig, überall Premium-Qualität zu leisten. Jedoch dort, wo es die eigens festgelegte Marktpositionierung gebietet, ist Premium-Qualität unabdingbar. Es ist für Unternehmen jeglicher Art wichtig zu erkennen, dass sie nicht überall herausragend sein können. Es zählt hierbei die eigene «business intelligence», um herauszufinden, in welchen Bereichen und Aspekten Premium-Qualität kompromisslos hervorzubringen ist. Letztlich gilt das Credo: «Wir müssen nicht alles tun – aber das, was wir tun, tun wir besser als jeder andere.»
Diese Einstellung ist vergleichbar mit derjenigen eines Leichtathletiksportlers, der sich ebenfalls grundlegend entscheiden muss – «will ich Einzeldisziplinenkämpfer oder Zehndisziplinenkämpfer» sein (siehe Abbildung)?
In der Berufspraxis neigen Ingenieure, Physiker, Chemiker aufgrund ihrer persönlichkeitskulturellen Korrektheit hierzulande dazu, naturwissenschaftlich brillante Entwickelnde, jedoch schlechte Verkaufende zu sein. Entwickelnde sind jene oftmals deshalb geworden, weil sie sich seit Kindsbeinen an mit Naturwissenschaften – namentlich mit Ratio und Verstand – auseinandersetzen konnten und nicht so sehr mit herzgeleiteter Kommunikation, weshalb sich Entwickelnde mit dem gewinnenden Umgang mit Mitmenschen eher schwertun.
