Etliche Produktionsunternehmungen, darunter nicht wenige KMU, beherrschen verschiedene, meistens verwandte Technologien, die sie gekonnt in unterschiedlichen Branchen einsetzen. Auf dem Wachstumsweg zu solchen Diversifikationen und nach deren Einführung sind Unternehmungen mit Herausforderungen konfrontiert, die sich zwar viele wünschen, weil sie mit Wachstum verbunden sind, jedoch ebenso viele auch überfordern, wenn sie ihnen dann tatsächlich begegnen.
Herausforderungen
Der Kern der Herausforderungen lässt sich in der Frage zusammenfassen: Wie soll man die verhältnismässig knappen Unternehmensressourcen den Initiativen zuteilen, die zur Realisierung von Wachstumschancen dienen?
Drei Faktoren spielen diesbezüglich eine wesentliche Rolle.
Unternehmer und Geschäftsleiter
Zunächst sind es die vollblütigen Unternehmer und wachstumsgeweihten Geschäftsleitenden an der Spitze erfolgreicher Betriebe. Sie weisen eine ausgesprochene Neigung auf, neue Geschäftschancen aufzuspüren und entsprechende Innovationen zu lancieren. Genauso schnell aber lassen sie von den Unterfangen ab, wenn der erwartete Erfolg nicht einsetzt, und manchmal auch schon, wenn ihnen eine attraktivere Chance zuwinkt.
Was gerne als Auszeichnung für Dynamik und gut für das Wachstum der Unternehmungen gilt, stellt die mit der Umsetzung der Innovationen betrauten Betriebsorganisationen vor Zerreissproben. Das unstete Verhalten der Geschäftsleitung erscheint vielen Mitarbeitenden erratisch: Das abrupte Liegenlassen halb fertiger Projekte wirkt demotivierend, lässt Marktchancen verpassen und Budgets zu Makulatur werden.
Kadermitarbeiter
Ein zweiter Faktor betrifft Kadermitarbeitende, spezifisch Markt- und Produktleitende. Dank ihres Charismas, ihrer Beziehungen und ihrer Überzeugungskraft finden manche besser als andere Wege, die erforderlichen Ressourcen zu erhalten, um die Initiativen umzusetzen, für die sie zuständig beziehungsweise die für ihren Markt besonders wichtig sind. Auch daraus entstehen interne Friktionen, Frustrationen und insgesamt eine Verschlechterung des Betriebsklimas, die wiederum eine Erhöhung der Fluktuation zur Folge hat.
Fehlende Kriterien und Methoden
Der dritte Faktor hängt eng mit den vorherigen zusammen und bestärkt, dass die persönlichkeitsbezogenen Faktoren überwiegen: In der Unternehmung fehlt es an Kriterien und Methoden, um die Ressourcenallokation für diese Innovationen transparent, nachvollziehbar und vor allem nicht schlicht intuitiv und subjektiv vorzunehmen. Der Einführung solcher Werkzeuge widersetzen sich manche erfolgreiche KMU-Leitende, denn sie wittern eine Drosselung der unternehmerischen Dynamik ihres Betriebs.
Einige gehen so weit, dass sie eher Doppelspurigkeiten zulassen und beispielsweise mehrere Fachkräfte anstellen, die nicht voll ausgelastet sind, als dass sie Engpässe in Kauf nehmen. Dieses Vorgehen bringt nur so weit Erfolg, bis die Unternehmung eine gewisse Dimension übersteigt und die Nachteile dieser Ineffizienzen überwiegen.
Intuition auf solider Basis
Eine strategisch passende Allokation der Ressourcen darf nicht zulasten der unternehmerischen Intuition gehen. Letztere soll vielmehr eine solidere Grundlage erhalten, die dazu dient, die Qualität der getroffenen Entscheidungen zu steigern. Ein wesentlicher Schritt dorthin besteht darin, die unternehmerischen Entscheidungen in relevante, ineinandergreifende betriebswirtschaftliche Dimensionen zu entwirren. Die fünf wichtigsten in diesem Zusammenhang sind:
- Die Technologien, die eine Unternehmung beherrscht und produktiv einsetzen kann.
- Die Anwendungsbereiche, in denen die Unternehmung mit ihren Angeboten präsent ist beziehungsweise eintreten will. Man kann noch feiner unterscheiden, indem man Branche und geografische Märkte auseinanderhält (beispielsweise Automotive in Japan, USA)
- Die Lebensphase einer Technologie in einem bestimmten Anwendungsbereich. Wie das Beispiel erläutern wird, kann dieselbe Technologie in einem Anwendungsbereich (Branche/Markt) schon in die Reifephase gelangt sein und in einem anderen erst eingeführt werden.
- Das geschätzte Potenzial in jeder Technologie und den Kombinationen der Anwendungsbereiche.
- Der Bedarf an Ressourcen (Finanzen und Spezialisten), um die Voraussetzungen zur Erschliessung des geschätzten Potenzials in einer Technologie/Anwendungskombination zu realisieren. Diese Voraussetzungen werden in Innovationsprojekten und Wachstumsinitiativen geschaffen.
Es kommt Unternehmern zugute, wenn sie diese fünf Dimensionen in einem einzigen Werkzeug in Bezug auf ihren Betrieb aufzeigen. Im Folgenden stellen die Autoren eine konkrete Anwendung des konzeptionellen Werkzeugs dar, in dem die Dimensionen grafisch dargestellt werden.

