Immer wieder werden in Zeitschriften für Personalverantwortliche und mittelständische Unternehmer Artikel veröffentlicht, die den Fachkräftemangel bestätigen und dringenden Handlungsbedarf anmahnen. Vereinzelt werden auch Handlungsempfehlungen abgegeben. Viel konkreter lässt sich die Rekrutierungsstrategie für Absolventen und Young Professionals allerdings mit einem neuen Praxistool optimieren, welches im vorliegenden Beitrag vorgestellt wird. Das Tool soll KMU helfen, die eigene Situation und aktuelle Aktivitäten im Hochschulmarketing zu analysieren, Zielsetzungen und Anforderungen an den künftigen Instrumentenmix zu formulieren, um am Ende eine individuelle Empfehlung zu erhalten. Dieses Excel-basierte interaktive Praxistool ist das Resultat eines Forschungsprojekts der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) Chur. Es steht Unternehmern ab sofort kostenlos zum Download zur Verfügung.
Individuelle Empfehlungen
Die Funktionsweise des Praxistools folgt einer einfachen Logik: Als erster Schritt erfolgt die Erfassung der Ist-Situation, indem bereits bestehende Aktivitäten des Hochschulmarketings angegeben werden. Anschliessend werden die Ziele erfasst, welche künftig mit dem Hochschulmarketing erreicht werden sollen. Dies können beispielsweise eine grössere Anzahl oder eine bessere Passgenauigkeit der Bewerber sein. Schliesslich werden die Rahmenbedingungen für die künftige Hochschulmarketing-Strategie festgelegt, indem Anforderungen und Restriktionen erfasst werden. Dabei kann es sich zum Beispiel um finanzielle und zeitliche Einschränkungen handeln.
Nach dem Ausfüllen des Fragenkatalogs wertet das Praxistool die Eingaben automatisch aus und generiert eine individuelle Empfehlung von Instrumenten des Hochschulmarketings, welche sich aufgrund der Zielsetzung und den Anforderungen besonders gut für das Unternehmen eignen. Zusätzlich erhalten die Unternehmer einen Vergleich ihrer Ist- mit der Soll-Situation und können somit den Match zwischen den jetzigen Hochschulmarketing-Aktivitäten und den empfohlenen Instrumenten überprüfen.
Diese Auswertung erfolgt als übersichtliche Grafik. Das Bedienen des Praxistools ist einfach; es sind keinerlei technische oder fachliche Vorkenntnisse erforderlich.
In KMU wird Hochschulmarketing häufig nicht explizit und entsprechend nicht mit der Professionalität betrieben, wie man sie von den Grosskonzernen her kennt. Wie die Online-Befragung «Hochschulmarketing bei KMU im Alpenrheintal» (vgl. Teil 1 dieser Serie, «KMU-Magazin», Ausgabe 4/12) gezeigt hat, verfolgen nur wenige Unternehmen eine ausformulierte Strategie im Hochschulmarketing. Das heisst aber nicht, dass nicht trotzdem verschiedene Instrumente des Hochschulmarketings eingesetzt werden.
Die Basis des Praxistools ist deshalb so gestaltet, dass sich die Unternehmer zuerst bewusst mit dem Thema Hochschulmarketing befassen, in dem sie ihre aktuellen Aktivitäten im Hochschulmarketing angeben, aber auch Ziele für das künftige Hochschulmarketing und die Rahmenbedingungen definieren. Das ist wichtig und nimmt den üblicherweise nicht im Personalwesen ausgebildeten Geschäftsführern die Scheu davor, das Thema Hochschulmarketing ernsthaft voranzutreiben. Denn tatsächlich ist Hochschulmarketing kein Hexenwerk, das nur von Spezialisten betrieben werden kann. Im Gegenteil: Es gibt viele Instrumente, die gerade von kleinen und mittleren Unternehmen viel effizienter eingesetzt werden können, als von einer professionellen Personalabteilung in Grossunternehmen.

