Forschung & Entwicklung

Knowledge Management

Optimierter Wissenstransfer: Methodik in Theorie und Praxis

Verlässt eine Schlüsselperson für längere Zeit (z.B. Krankheit, Urlaub) oder für immer (Pensionierung, interner Jobwechsel, Kündigung) ihren Arbeitsplatz, stehen Führungskräfte vor dem Problem, eine neue Arbeitskraft zu rekrutieren. Zum Glück ist da noch der Stellenbeschrieb der Vorgängerin – aber ist dieser noch aktuell?
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Was machte die Vorgängerin genau? In welchen Projekten war sie wie beteiligt? Wie hies­sen die Ansprechpartner in den unterschiedlichen Bereichen schon wieder – da gab es doch diesen …?

Primär Wissensverlust

Mitarbeiterwechsel bedeutet primär Wissensverlust: Wenn ein Mitarbeiter das Unternehmen verlässt, geht wertvolles Erfahrungswissen (implizites Wissen) verloren. Darüber hinaus kann dokumentiertes (explizites) Wissen nicht mehr genutzt werden, weil nicht bekannt ist, wo es festgehalten wurde, wofür es angewendet werden kann oder wer die entscheidenden Schlüsselkontakte sind. Der Nachfolger beginnt seine Arbeit mit Information ohne Kontext, die teilweise nicht mehr aktuell ist bzw. komplett fehlt. Arbeitskollegen helfen so gut als möglich, Wissenslücken zu schliessen, was sehr zeitintensiv ist und hohe Kosten durch vermeidbare Meetings und andere Aktivitäten verursacht. Wie der Vorgänger, so wird auch der Nachfolger einen Lernprozess in seiner Einarbeitungszeit durchlaufen, der viele Wiederholungen und ineffiziente Arbeitsabläufe enthält: Das Rad wird dabei oft neu erfunden. Wie kann der neue Mitarbeiter möglichst rasch Fuss fassen und sich ein fundiertes Bild verschaffen? In dieser Situation kann der optimierte Wissenstransfer die Einarbeitungszeit eines neuen Mitarbeitenden verkürzen und wesentlich dazu beitragen, dass er schneller Verantwortung übernehmen und wichtige Entscheide fällen kann. Die Wissenstransfer-Methodik zeigt auf, wie die Transparenz der Arbeitsabläufe, die Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitenden, eine effektive Risikobeurteilung sowie ein darauf aufbauender Wissens­transfer effizient im Arbeitsalltag integriert werden können (siehe unten stehende Grafik).

Optimierter Wissenstransfer

Die Methode des optimierten Wissenstransfers sieht eine Projektinitialisierung vor, in der gemeinsam mit dem Vorgesetzten und dem Vorgänger geklärt wird, welche Aktivitäten und Funktionen für den Nachfolger relevant sind: Strategie der Organisationsentwicklung, Zielsetzung des Wissenstransfers aus Sicht des Vorgesetzten, Ausgangslage, Ressourcen, an die Umstände und an die Personen angepasste Vorgehensweise. Alle Beteiligten verpflichten sich anschliessend zum vereinbarten Vorgehen, und der Nachfolger lädt zu den Transfersessionen, der tatsächlichen Wissensweitergabe, ein. Er selbst zieht den grössten Nutzen daraus und wird daher um einen organisatorisch korrekten Rahmen bemüht sein. Birgt das Projekt Potenzial, wird der Wissenstransfer mittels der in drei Phasen gegliederten Methodik umgesetzt.

Vorteile des optimierten Wissenstransfers

Vorteile aus Sicht des Unternehmens

  • Verkürzung der üblichen Einführungszeit des Nachfolgers um durchschnittlich 30 Prozent.
  • Bewahren des Erfahrungswissens des Vorgängers.
  • Keine ineffizienten und unnötig langen Einarbeitungszeiten mit den bekannten «Leerläufen».
  • Effiziente und transparente Übergabe mehrerer Projekte oder eines Arbeitsbereichs.
  • Erhöhte Motivation der Mitarbeitenden durch transparente Expertise: Das ist die Basis für wirkliche Wertschätzung und persönliche Entwicklung.
  • Transparenz in Funktion und Arbeitsabläufen der Mitarbeitenden und der Organisation.
  • Potenziale für Verbesserungen in Prozessen und Kundenorientierung können erkannt und in entsprechendem Mass ausgeschöpft werden.
  • Mitarbeiter- und Organisationsentwicklung auf der Basis von Transparenz und Fakten.
  • Lücke zwischen Unternehmensvision und Arbeitsalltag schliessen.

Vorteile aus Sicht des Nachfolgers

  • Effizientere, kürzere und motivierende Einarbeitungszeit.
  • Motivation durch schnellere Entscheidungsfähigkeit: fundierte und tragfähige Entscheidungsgrundlagen.
  • Aufrechterhalten und Nutzen des persönlichen Netzwerks des Vorgängers.
  • Mit den Arbeitskollegen schneller auf «Augenhöhe» sein.

Vorteile aus Sicht des Vorgängers

  • Arbeitszeugnis mit den «echten» Projekten, Fertigkeiten und Fähigkeiten.
  • Wertschätzung und Motivation: «Man interessiert sich für meine Arbeit.»
  • Unterstützung in der Laufbahnplanung durch mehr Transparenz in Wissensgebieten und Funktionen.

Vorteile aus Sicht des Teams

  • Keine extrem erhöhte Arbeitslast in Change-Situationen.
  • Der «Neue» ist schneller handlungsfähig und ins Team integriert.
  • Aufbau von echten Stellvertretungen, die in Tat und Wahrheit Entscheidungskompetenzen haben.