«Neue Arbeitswelten im Praxistest», «Schöne Neue Arbeitswelten», «Flexible Offices», «Arbeitswelten der Zukunft» titeln in den letzten zwei Jahren vermehrt auch Schweizer Zeitschriften. Mit «Work Hard Play Hard» kam eine Verfilmung hinzu, in dem das Zeitalter des non-territorialen Büros beschrieben wird. Aber ist das Konzept der neuen Arbeitswelten schon in den Köpfen der Schweizer angekommen und wird es in diesem Zusammenhang mit Innovation verknüpft? Aus unserer Erfahrung und der Literaturrecherche eines fünfjährigen Forschungsprojektes über neue Arbeitswelten definierten wir acht Merkmale, die eine innovative Arbeitswelt beschreiben und offerierten diese den Befragten zur Beurteilung.
Nicht erstaunlich ist, dass die Experten (in den Abbildungen durch einen roten Punkt dargestellt) die von uns genannten Merkmale allesamt als wichtiger einstufen als der erweiterte Kreis der Befragten.
Eine Ausnahme ist die Ästhetik, die die Repräsentanten grosser und kleiner Unternehmen als für genauso wichtig erachten wie die Experten. Interessant ist, dass die KMU (in den Abbildungen durch einen gelben Punkt dargestellt) den einzelnen Merkmalen grundsätzlich mehr Relevanz zusprechen als die grossen Unternehmen (in den Abbildungen durch einen grünen Punkt dargestellt). Dies untermauert die in der Einleitung beschriebene Innovationsintension der Schweizer KMU.
Als wichtigstes Merkmal werden von allen Befragten kreative Zonen innerhalb einer Arbeitswelt erachtet, wo kreatives Denken alleine oder mit anderen möglich ist. Danach folgt das Multi-Space-Büro mit seinem Zusammenspiel von unterschiedlichen Bürolandschaften wie Schreibtisch- und Laborzonen, Bibliotheken und Besprechungsarealen, aber auch den wichtigen Kaffeezonen. Auch die Flexibilität des Arbeitsplatzes nimmt in der heutigen schnelllebigen Zeit einen hohen Stellenwert ein. Möglicherweise muss der Laborarbeitsplatz morgen schon wieder woanders stehen oder anders gestaltet werden.
Für alternative Arbeitsorte zusätzlich zum persönlichen Arbeitsplatz steht das Merkmal Alternativen. Ähnlich wie Multi-Space und kreative Zonen schaffen Alternativen die Möglichkeit zur Inspiration in anderen Räumen, aber auch erweiterten Austausch mit Kollegen anderer Disziplinen.
Daher ist auch das letzte Merkmal «Interdisziplinarität» für innovative Arbeitswelten als wichtig bewertet. Als etwas weniger wichtig wird die offene Bürolandschaft angesehen, die vor wenigen Jahren noch als das Erfolgskonzept eines innovativen und effizienten Arbeitsprozesses galt. Mehr und mehr lernt man, dass Rückzugs- und Gemeinschaftszonen auch wichtig sind. Im Gegensatz dazu wird Desk-Sharing, ein Konzept mit nicht zugewiesenen Arbeitsplätzen, eher nicht als Eigenschaft einer innovativen Arbeitswelt gesehen. KMU-Vertreter der Befragung sahen das Desk-Sharing und alternative Arbeitsorte kritischer als die Vertreter der grossen Unternehmen. Ein möglicher Grund ist, dass bei einer geringen Mitarbeiteranzahl nicht über Desk-Sharing nachgedacht werden muss. Ausserdem bringt ein ständiger Arbeitsplatzwechsel viel Unruhe mit sich. Bei den Merkmalen des offenen Büros und der Alternativen sind sich KMU-Vertreter sowie Repräsentanten der grossen Unternehmen weitgehend einig.