Im letzten Beitrag wurde dargelegt, dass zahlreiche Unternehmen in der Schweiz die Bedeutung von nachhaltigem Handeln heute und in der Zukunft klar erkennen. Viele Unternehmen wollen Nachhaltigkeit konkret umsetzen und nutzen dafür etablierte Managementinstrumente. Diese sind aber nur begrenzt geeignet, denn nachhaltiges Handeln setzt ein erweitertes Verständnis von Unternehmen voraus. Der Begriff der «Nachhaltigkeit» wird zudem von Unternehmen häufig nur wenig spezifisch und klar besetzt und es werden noch recht unterschiedliche Dinge damit in Verbindung gebracht.
Offene Eckpunkte
Eigenständige Auslegungen von Nachhaltigkeit sind aktuell noch selten. Ob bzw. inwiefern unternehmerisches Handeln grundlegend anders gestaltet werden muss, scheint bislang kaum Gegenstand der Auseinandersetzung. Vielmehr stellen Erfolgserwartungen, die sich an traditionellen ökonomischen Denkweisen orientieren, eine stark begrenzende Nebenbedingung für ein Nachhaltigkeitsengagement dar. Das heisst, nachhaltiges Handeln ist für Unternehmen interessant, wenn es sich finanziell bezahlt macht: «Nachhaltigkeit hat in der Unternehmensstrategie nur dann eine Zukunftsperspektive, wenn der Nachweis eines positiven Beitrags zu den wirtschaftlichen Zielen des Unternehmens geführt werden kann.» (Müller-Christ, 2010).
Während Nachhaltigkeit in den Medien meist mit ökologischem Verhalten verknüpft wird, steht für Unternehmen diese Dimension der sogenannten «Triple-Bottom Line» meist an letzter Stelle nach ökonomischen und sozialen Interessen. Die grosse Bedeutung gut ausgebildeter Mitarbeiter als Bestandteil der sozialen Dimension wird erkannt. Sie sind eine wichtige Grundlage, um zu ökonomisch guten Ergebnissen zu kommen. Hingegen wird die ökologische Dimension vermutlich eher mit Kosten in Verbindung gebracht und ein klarer Beitrag zur Erreichung ökonomischer Zielsetzungen oft nicht erkannt. Für Unternehmen sind unmittelbare Auswirkungen unökologischen Handelns selten direkt spürbar. Wenn überhaupt, dann vielfach in Form von Sanktionen, auf die reagiert werden muss, auch wenn dies vom aktuellen Tagesgeschehen weit entfernt ist.
Grosses Potenzial
Ein klares Commitment zu nachhaltigem Verhalten, das sich in Zukunft positiv für das Unternehmen und für sein Umfeld auswirken wird, ist hingegen schwieriger vorstellbar. Eine solche Sichtweise auf Nachhaltigkeit erfordert beispielsweise, sich gegenüber dem Verhältnis zwischen Kurzfrist- und Langfristorientierungen neu zu positionieren, sowie möglicherweise das eigene Verhältnis zum Umfeld und zur Konkurrenz neu zu definieren. Dazu knüpft man am besten an den bestehenden Werten in Unternehmen an und entwickelt diese weiter.
Da die Realisierung neuer Orientierungen nur dann relativ zügig funktioniert, wenn sie nicht allzu weit von bestehenden Werten entfernt sind, bietet nachhaltiges Denken und Handeln gerade für KMU grosse Chancen. Denn im Kern setzt dieses an den traditionellen Stärken und Charakteristika von KMU an, wie beispielsweise moderates Wachstum, eine grosse Verantwortung für die oft langjährigen Mitarbeiter und für weitere Geschäftsbeziehungen oder eine langfristig orientierte Denkweise. Diese Stärken gilt es künftig bewusst für die eigene Unternehmensentwicklung zu nutzen sowie auch nach innen und aussen zu kommunizieren.







