Innovationen sind seit jeher einer der wichtigen Erfolgsfaktoren für mittelständische Unternehmen. Dabei fördern Innovationen nicht nur das Wachstum der Unternehmen, sondern sichern auch das erfolgreiche Überstehen von Krisensituationen. Bei Gesprächen mit vier verschiedenen Geschäftsführern mittelständischer Unternehmen beziehungsweise deren Vertretern (Architektur/Schweiz, Lebensmittelindustrie/Niederlande, Maschinenbau/Deutschland und Holzbau/Schweiz) hat sich schnell gezeigt, dass klassische Produkt- oder Serviceinnovationen gut funktionieren und auch erfolgreich am Markt etabliert werden können.
Das Bedürfnis und die Umsetzung von Innovationen abseits des eigenen Kerngeschäfts stellt für diese Unternehmen aber eine besondere Herausforderung dar, für die sie sich neue Lösungen, wie Corporate Venture Building, wünschen.
Die Studie
Ein Blick in Innovationsstudien zeigt, dass Innovationen in verschiedenen Bereichen erfolgen können. In den eigenen Kompetenzbereich fallen dabei die zuvor benannte Produkt- und Serviceinnovation. Bei der Diversifikation wird der eigene Kompetenzbereich bewusst erweitert und Kernkompetenzen für neue geschäftliche Aktivitäten genutzt. Wie schwer es fällt, dieses aus dem laufenden Betrieb heraus zu tun, wurde bereits eingehend untersucht (vgl. u. a. Witzeman et al. 2006). Daher finden Unternehmen andere Wege, um Innovationen, die ausserhalb des eigenen Kompetenzbereichs stattfinden, zu realisieren. Dazu gehören neben M&A auch kollaborative Vorgehen mit anderen Partnern, wie beispielsweise Open-Innovation-Programme, Inkubatoren, Accelerator-Programme sowie Corporate Venture Capital und Corporate Venture Building.
Alle Massnahmen bieten unterschiedliche Vor- und Nachteile, die sich zumeist in dem Spannungsfeld Höhe der Investition, Risiko der Investition und Zielrichtung der Innovation bewegen. So ist eine Unternehmensübernahme beispielsweise sehr zielgerichtet, hat ein vergleichsweise niedriges Risiko, ist dafür aber sehr kostenintensiv. Die Teilnahme als ein Partner an einem Accelerator-Programm hingegen ist eher günstig, aber nur wenig zielgerichtet und daher mit einem hohen Risiko verbunden, dass die Investition keinen Beitrag für das Unternehmen leistet.
Die Ausgangslage
Die Corporate-Venture-Building-Aktivitäten befinden sich in dem Spannungsfeld im mittleren Bereich und sind aufgrund des Bestrebens des Maschinenbau-Unternehmens, ein eigenes Corporate-Venture-Building-Programm aufzubauen, auch der Ausgangspunkt für die Studie, in deren Rahmen wir
- Interviews zu den eigenen Corporate-Venture-Aktivitäten mit der geschäftsführenden Ebene der drei weiteren benannten KMU geführt haben, um Erfahrungswerte und organisationale Voraussetzungen zu identifizieren;
- eine Masterthesis zu der Frage, welche Eigenschaften erfolgreiche Gründer auszeichnen, beauftragt haben, um auch die individuellen Voraussetzungen zu beleuchten.
Dabei unterscheidet sich Corporate Venture Building vom Corporate Venture Capital durch den aktiveren Einbezug vorhandener Kompetenzen und nicht das rein monetäre Investment in unternehmerische Tätigkeiten. Dieser aktive Einbezug war ein wesentlicher Wunsch des Maschinenbau-Unternehmens, kann aber auch zu negativen Effekten führen, wenn er zu stark ist.
Die Gründe, warum Corporate Venture Building mit eigenen Mitarbeitern nicht funktioniert, sind vielschichtig. Übereinstimmend in den Interviews wurde vorwiegend festgestellt, dass insbesondere
- das Kennen des eigenen Unternehmens, hauptsächlich der Unternehmenskultur und der bisherigen «Grenzen», also den gewünschten und nichtgewünschten Aspekten
- das Verbleiben in der Unternehmenshierarchie und die Weisungsbefugnis von Vorgesetzten
- trotz vermeintlicher Freistellung Aufgaben aus dem bisherigen Arbeitsgebiet erledigt werden
- das eigene Empfinden als Mitarbeiter und nicht als Gründer
die wesentlichen Gründe für das Scheitern der Massnahmen mit eigenen Mitarbeitern waren.
Dabei wurde immer wieder benannt, dass die Corporate Ventures bewusst eigenständige Unternehmen werden sollen, an denen das eigene Unternehmen nur prozentual beteiligt ist. Diese eigenständigen Unternehmen sollen das bestehende Geschäftsmodell erweitern und damit das Unternehmen auf eine breitere Basis stellen. Dadurch soll in wirtschaftlich schwierigen Zeiten das Gesamtergebnis positiv beeinflusst werden.
Dabei ist den Geschäftsführern der KMU durchaus bewusst, dass es sich bei den eigenen Corporate-Venture-Aktivitäten um eine Wette auf die Zukunft handelt, die sich erst langfristig auszahlt. Daher ist es auch wichtig, das Risiko zu streuen, also nach Möglichkeit auf mehrere Ventures zu setzen.
